Familie mit Koffern (Foto: dpa Bildfunk, Arne Dedert)

Nach Absagen der Reisen ab 13. Oktober Nach Thomas-Cook-Pleite: Holland statt Mallorca

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Für viele in Rheinland-Pfalz sollte es in ein paar Tagen in den Herbsturlaub gehen - doch die Thomas-Cook-Pleite lässt Reiseträume platzen. Reisende und Reisebüros sind gestresst.

Richard Weber hatte es so gut geplant: Es sollte die erste Flugreise für seine Kinder werden, sechs und anderthalb Jahre alt. Sonntag sollte es losgehen, eine Woche Mallorca für die Familie aus Harxheim. Stattdessen hatten sie erstmal eine Woche Stress. "Dabei ist sonst die Vorfreude kurz vor der Reise das schönste", sagt Weber.

Aber die Vorfreude endete vergangenen Sonntag mit der ersten Meldung zur Thomas-Cook-Pleite. "Da haben wir dann erstmal Google angeschmissen", erzählt er. Irgendwoher irgendwelche Infos bekommen - "denn die gab es ja nur häppchenweise", ärgert sich der Familienvater.

Tagelang Ungewissheit

Seine Frau und er riefen das Buchungsportal an, die Verbraucherzentrale - doch niemand wusste Bescheid. "Aber wir können ja nicht mit zwei kleinen Kindern zum Stuttgarter Flughafen fahren und gucken, ob es klappt", sagt Weber. Erst seit heute morgen sei es offiziell, dass die Reise ausfällt.

Thomas Cook meldete am Morgen, dass alle Reisen, die für den Zeitraum vom 27.09. bis einschließlich 13.10. gebucht wurden, abgesagt sind. Seitdem steht bei Claudia Schopp im Reisebüro Thomas Cook in Bingen das Telefon nicht mehr still. Schon die ganze Woche leiste sie "viel Spracharbeit", wie sie es nennt. Abends müsse sie erstmal Kraft sammeln für den nächsten Tag: "Aber da müssen wir jetzt eben durch", sagt sie.

"Ich versuche den Leuten irgendwie weiterzuhelfen, zu trösten, man fühlt ja auch mit."

Claudia Schopp, Thomas Cook Reisebüro in Bingen

Denn obwohl die meisten Leute verständnisvoll reagieren, seien sie natürlich enttäuscht. Für einige ihrer Kunden versucht Schopp umzubuchen - eine Familie konnte sie mit ITS nach Ägypten schicken. "Aber das kommt nicht für jeden in Frage", sagt sie. "Manche haben das ganze Jahr auf den einen Urlaub gespart". Denn das Geld ist erstmal weg, selbst wenn die Ansprüche bei der Versicherung geltend gemacht werden können. "Da hat ja nicht jeder gleich 2.000 Euro locker für eine neue Reise", sagt Schopp.

Großer Nachteil für die Reisebüros

Die Pleite kam auch für die Reisebüros überraschend. Vor drei Wochen ist Claudia Schopp in der deutschen Thomas-Cook-Zentrale in Oberursel gewesen, von Insolvenz sei überhaupt nichts zu spüren gewesen. "Die Kommunikation lief nicht gut", sagt sie.

Das sieht Kerstin Bernhard vom Reisebüro Grenzenlos in Trier genauso. Was mit den Reisebuchungen nach dem 13.10. passiert, sei zum Beispiel weiterhin unbekannt. "Ich würde den Kunden da gerne schon was Neues buchen, aber ich kann ihnen keine Empfehlung geben", sagt Bernhard. Für die Reisebüros sei diese Ungewissheit "ein ziemlicher Nachteil", es lähme die Arbeit. Hinzu komme, dass es für die abgesagten Reisen auch keine Provisionen gebe.

"Aber es gibt viel Solidarität", beobachtet Marco Talenti vom BesteTour-Reisebüro in Ludwigshafen. "Viele Hoteliers halten die Reservierungen zum gleichen Preis, damit für die Gäste keine Mehrkosten entstehen", berichtet er. Über 50 Buchungen betrifft die Thomas-Cook-Pleite in seinem Reisebüro, 20 Fälle seien bisher geklärt.

Alternative Angebote oft zu teuer

Für Richard Weber und seine Familie hat sich der Reisefrust doch noch in Vorfreude gewandelt: Es geht jetzt eben nach Holland statt nach Mallorca. "Wir haben erst noch versucht, doch zu fliegen, haben nach anderen Hotels und Flügen geschaut", erzählt Weber. Aber nach vielem Hin und Her und vielen teuren Angeboten hat sich die Familie für die Fahrt ins Nachbarland entschieden. Eine Neubuchung hätte in ihrem Fall mit neuen Flügen über 4.000 Euro gekostet - die Nachfrage ist gerade groß. "In Holland wird das Wetter vielleicht nicht ganz so schön, aber wir machen das Beste draus", sagt Richard Weber.

Wieviel, wann und ob er von den 1.800 Euro für die Pauschalreise nach Mallorca etwas wiedersieht, ist ungewiss. Das Formular und die Kontoauszüge hat er der Versicherungsfirma geschickt - doch das kann dauern.

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20:15 Uhr
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SWR Fernsehen
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