Schnake (Foto: dpa Bildfunk, Eine Schnake sitzt auf der Haut)

Mückenbekämpfung in Rheinland-Pfalz Die Geschichte der Schnaken-Jäger

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Ein Picknick im Grünen mit Blick auf den Rhein war früher unmöglich. Seit Jahrhunderten plagten Steckmücken die Menschen entlang des Rheins. Und weil das so nicht weitergehen konnte, schlossen sich Gemeinden zusammen und sagten den Schnaken den Kampf an.

1910 wurde zum ersten Mal eine "Vereinigung zur Bekämpfung der Steckmücken- und Schnakenplage" in Mannheim gegründet. Die Maßnahmen waren damals allerdings unwirksam und ökologisch bedenklich. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Menschen dann andere Sorgen. Erst nach der verheerenden Schnakenplage im Jahr 1975 wurde der Ruf nach einer effektiven Bekämpfung wieder lauter.

Im März 1976 holte Landrat Paul Schädler (Kreis Ludwigshafen) alle Bürgermeister und Landräte an einen Tisch und es wurde die "Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage" (KABS) in Philippsburg gegründet. 20 Städte, Gemeinden und Landkreise wie Germersheim, Karlsruhe, Ludwigshafen, Rhein-Neckar und Südliche Weinstraße erklärten damals ihren Beitritt. Inzwischen gehören der KABS 99 Gebietskörperschaften an, dazu zählen alle Gemeinden entlang des Rheins. Auch die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sind Mitglieder der Aktionsgemeinschaft.

Schnakenbekämpfung aus der Luft (Foto: dpa Bildfunk)
Schnakenbekämpfung aus der Luft

Einsatzgebiet entlang des Rheins

Das Einsatzgebiet der Schnaken-Bekämpfer erstreckt sich somit von Bingen bis an den Kaiserstuhl. Besonders viele Plagegeister seien in den Rheinauen zwischen Mainz und Karlsruhe anzutreffen, erläutert der wissenschaftliche Direktor der KABS, Norbert Becker. In der Schnakensaison hat die KABS 250 bis 300 Leute im Einsatz. Da die lästigen Mücken nicht an den Landesgrenzen Halt machen, arbeitet die KABS auch eng mit dem Elsass zusammen. Sie finanziert sich aus den Beiträgen der Mitglieder und hat so 3,5 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Zwecks Forschung und einem internationalen Erfahrungsaustausch arbeitet die KABS mit dem Institut für Dipterologie (IfD) zusammen. Die KABS engagiert sich auch in Afrika bei der Bekämpfung der Malaria-Mücke.

Ein Mann verteilt am Oberrhein ein Schnakenlarvenbekämpfungsmittel. (Foto: dpa Bildfunk, Patrick Seeger)
Ein Mann verteilt am Oberrhein ein Schnakenlarvenbekämpfungsmittel. Patrick Seeger

Die KABS verwendet bei der Mücken-Bekämpfung den Wirkstoff Bti. Er wurde 1976 in Israel entdeckt. Dabei handelt es sich um Eiweißkristalle, die von Sporen des Bakteriums Bacillus thuringiensis israelensis gebildet werden. Seit Ende der 70er Jahre wurden damit Versuche zur biologischen Bekämpfung von Stechmücken gemacht. Seit 1981 setzt die KABS das Mittel großflächig ein. Gegen das Bti habe sich bisher auch noch keine Resistenz gebildet, sagt Becker.

Die KABS bezieht das Bti in Pulverform aus den USA. Mit Hilfe eines besonderen Verfahrens produziert die KABS daraus Eisgranulat, das mit Hubschraubern über den Brutgewässern verstreut wird. Die Eisperlen schwimmen dann an der Wasseroberfläche und der Wirkstoff kann sich dort ausbreiten. Die Stechmückenlarven fressen das Eiweiß und werden gezielt abgetötet. Andere Organismen würden davon nicht geschädigt.

Der Wirkstoff B. sphaericus wird gegen Hausmücken eingesetzt und lediglich in Jauchegruben ausgebracht. Im Labor wurde bei Mücken bereits eine Resistenz dagegen nachgewiesen.

Eine Schnake ganz nah (Foto: dpa Bildfunk)
Eine Schnake ganz nah

Eingeschleppte Tigermücke wird zum Problem

Die Aktionen der KABS richten sich zu 90 Prozent gegen die Rhein-Stechmücken. Durch die Globalisierung werden aber immer wieder neue Mücken nach Deutschland eingeschleppt. Als Biologe Norbert Becker mit der Mückenforschung begann, gab es 46 Mückenarten in Deutschland. Inzwischen sind es 51. Eine besondere Herausforderung für die Schnaken-Jäger sei die eingeschleppte Asiatische Tigermücke, so Becker. Denn es habe sich gezeigt, dass strenge Winter ihr nichts anhaben können.

Die Mücke kam über Italien zu uns und ist ein gefährlicher Überträger von Krankheiten. Die KABS will dafür sorgen, dass sie bei uns wieder ganz verschwindet. Sollte das nicht gelingen, soll sie wenigstens in Schach gehalten werden.

Dafür bedient man sich der Sterile Insect Technology (SIT). In Italien werden Tigermücken-Männchen gezüchtet und mit Gammastrahlen behandelt. Dadurch wird das Sperma der Insekten geschädigt. Diese Tigermücken-Männchen werden dann bei uns freigelassen. Paaren sich Wildweibchen mit den bestrahlten Männchen, ist der Nachwuchs nicht überlebensfähig. Auf diese Weise kann die freilebende Population reduziert werden.

Diese Methode wurde bereits bei anderen Insekten eingesetzt. 2016 hat die KABS SIT angewandt und will das auch in diesem Jahr wieder tun. "Wir hoffen auf diese Methode", sagt Becker.

Drohnen nur bedingt einsetzbar

Auch in Sachen Technik geht die KABS mit der Zeit. Den Einsatz von Drohnen hat die Aktionsgemeinschaft schon getestet. Allerdings seien sie für die großflächige Schnaken-Bekämpfung nicht geeignet, meint Becker.

Lediglich über Regenrückhaltebecken würden Drohnen eingesetzt. Der Einsatz sei zudem kompliziert, weil dafür Genehmigungen und ein Drohnen-Führerschein dafür notwendig seien. Die KABS will aber dran bleiben, denn der Einsatz von Drohnen sei günstiger als der von Hubschraubern.

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