Mobilfunkgipfel von Bund, Ländern und Anbietern Bald weniger Funklöcher in Rheinland-Pfalz?

Mit dem Handy oder Smartphone ist man immer und überall erreichbar - eigentlich. Bis heute gibt es Orte ohne Handyempfang in Rheinland-Pfalz. Doch das soll sich bis 2021 ändern, hieß es am Donnerstag beim Mobilfunkgipfel in Berlin.

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Eine kurze Nachricht mit dem Handy schreiben oder von unterwegs anrufen - in Müllenborn in der Eifel ist das nicht möglich. Das Dorf bei Gerolstein mit rund 500 Einwohnern ist vom Mobilfunknetz abgeschnitten. Was erst mal nur ärgerlich klingt, kann ernsthafte Konsequenzen haben: Betriebe können mögliche Kunden nicht erreichen, Notrufe könnten im Notfall nicht abgesetzt werden - und gerade junge Leute zieht es ganz weg aus dem Dorf in die Stadt.

Abgehängt ohne Mobilfunkempfang

Eigentlich müsse Internet und Mobilfunkempfang so selbstverständlich sein wie Strom, sagt die Ortsvorsteherin von Müllenborn, Carola Korell. "Wir leben im 21. Jahrhundert. Es kann nicht sein, dass wir keinen Mobilfunkempfang haben." Wie Müllenborn geht es auch anderen Gemeinden im ländlichen Raum, die bis heute weiße Flecken auf der Landkarte sind. In verschiedenen Dörfern im Hunsrück gibt es bis heute wenig oder gar keinen Empfang. Und auch in der Westpfalz gibt es ähnliche Probleme: Die Planungsgemeinschaft Westpfalz nennt sechs Orte, in denen der Empfang besonders schlecht ist.

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Mobilfunkgipfel mit Bund, Ländern und Anbietern

Um Funklöcher wie diese ging es am Donnerstag beim Mobilfunkgipfel in Berlin. Der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Andreas Scheuer (CSU) traf sich mit Vertretern der drei großen Netzbetreiber Telefom, Vodafone und Telefónica (O2) sowie mit Vertretern der Länder.

Die drei deutschen Netzbetreiber seien bereit, die Versorgungslücken in Deutschland bis zum Jahr 2021 fast vollständig zu schließen, sagte Scheuer nach dem Treffen. Etwa eine halbe Million Haushalte sollen zusätzlich an das moderne 4G-Mobilfunknetz angeschlossen werden. Demnach werden etwa 1.000 zusätzliche Mobilfunkmasten an Verkehrsknotenpunkten errichtet. Damit wären 99 Prozent der Haushalte mit dem schnelleren Netz versorgt. Die Unternehmen knüpfen ihre Zusage aber unter anderem daran, mehr Einfluss bei der Vergabe der 5G-Lizenzen im nächsten Jahr zu erhalten.

Mobilfunkmast (Foto: picture-alliance / dpa)
National Roaming als Lösung? Das fordert Staatssekretärin Heike Raab (SPD)

"Mobilfunkversorgung nicht zufriedenstellend"

Für das Land Rheinland-Pfalz nahm Staatssekretärin für Medien und Digitales Heike Raab (SPD) an dem Gipfel teil. Sie begrüßte das Ergebnis. Raab sagte dem SWR, von den neuen Mobilfunkstandorten würden vor allem die ländlichen Regionen wie die Eifel oder der Hunsrück profitieren.

"In Rheinland-Pfalz ist die Mobilfunkversorgung nicht zufriedenstellend", sagte sie vor dem Gipfel im SWR-Gespräch. Ein solches Treffen sei längst überfällig. Sie forderte ein höheres Tempo beim Ausbau der Mobilfunknetze. Nicht nur in den Ortschaften müssten die Netzbetreiber Empfang sicherstellen, sondern auch entlang wichtiger Bundes- und Landesstraßen. "Wenn die Verkehrswege besser versorgt werden, werden auch die Menschen besser versorgt", so die Staatssekretärin. Die Betreiber müssten verpflichtet werden, regelmäßig über den Stand des Mobilfunkausbaus zu berichten.

Forderung nach "National Roaming"

Raab forderte außerdem "National Roaming" in schlecht versorgten Gebieten. Mobilfunkgeräte würden sich dann automatisch das beste verfügbare Netz suchen - unabhängig vom Anbieter. "Das würde ländliche Gebiete stärken." Auch im Hinblick auf zukünftige 5G-Lizenzen sei der flächendeckende Mobilfunk grundlegend wichtig: "5G kann es auch nur da geben, wo es irgendwann mal Mobilfunk gibt."

Das Land habe selbst keine Handhabe bei der Verbesserung des Mobilfunkempfangs. Es sei Aufgabe des Bundes und der Bundesnetzagentur, die Anbieter auf die Mobilfunkversorgung hin zu überprüfen.

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