Amseln (Foto: SWR)

Mitmachaktion des NABU Heißer Sommer, weniger Amseln?

Mit Hilfe der Aktion "Stunde der Wintervögel" möchte der Naturschutzbund Nabu mehr über Auswirkungen der milden Wintertemperaturen auf Vögel erfahren. Im Blickpunkt stehen in diesem Jahr die Amseln.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

In freudiger Erwartung, aber auch mit Sorge haben am Wochenende tausende Vogelfreunde in die Natur geschaut: Die alljährliche "Stunde der Wintervögel" soll möglichst viele Daten zur Bestandsentwicklung von Vogelarten ergeben.

Der Naturschutzbund (Nabu) hatte dazu aufgerufen, in der Zeit vom 4. bis 6. Januar eine Stunde lang von einem ruhigen Beobachtungsplatz aus Vögel zu beobachten und von jeder gesehenen Art die höchste Anzahl zu melden. Die Meldefrist endet am 15. Januar, die Ergebnisse fließen in eine Online-Datenbank ein, die dann nach Bundesland und Vogelart gefiltert werden kann.

Mehr Vogelfreunde, weniger Vögel

"In den vergangenen Jahren hat die Beteiligung sehr zugenommen, aber die Sichtungen sind zurückgegangen", sagt die Naturschutzreferentin Ann-Sybil Kuckuk vom Nabu Rheinland-Pfalz. Dies hänge aber auch von der jeweiligen Wetterlage am Aktionswochenende ab. Bei mildem Wetter gibt es für viele Vögel keinen Anlass, in der Nähe von Siedlungen nach Nahrung zu suchen. Vor einem Jahr erfassten 7.487 Vogelfreunde in Rheinland-Pfalz 208.969 Vögel. Beim Start im Jahr 2011 waren es noch weniger als halb so viele Teilnehmer.

Nach dem warmen und trockenen Sommer 2018 gibt es diesmal die Befürchtung, dass die Bestandsentwicklung der Amsel rückläufig ist. Vor allem im Rhein-Main-Gebiet und im Oberrheingraben gebe es Verluste durch das Usutu-Virus, das über Stechmücken übertragen werde. Durch die Klimaerwärmung habe sich das etabliert, erklärt Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Die Verluste könnten aber voraussichtlich wieder ausgeglichen werden.

Zu wenige Insekten

Kritischer ist die Situation für Vogelarten der offenen Feldflur wie Feldlerche und andere Bodenbrüter, die unter den Bedingungen der intensiven Landwirtschaft leiden. Hingegen geht es Meisen und Finken ganz gut - sie finden nach einem an Obst, Nüssen und Kernen reichen Jahr genug Nahrung. Aber auch bei solchen Arten sei teilweise eine rückläufige Häufigkeit festzustellen, so Hormann. Das hänge auch damit zusammen, dass die Vögel Probleme haben, genügend tierisches Eiweiß zu finden. Insekten seien für alle Arten immens wichtig zur Aufzucht der Jungvögel.

Zwar sei der warme Sommer einigen Insektenarten zugute gekommen, sagt Nabu-Referentin Kuckuk. Insgesamt aber wirke sich das Insektensterben deutlich auf die Vogelbestände aus. Und Martin Hormann ergänzt: "Die 'Stunde der Wintervögel' fördert das Bewusstsein für die Vogelarten in unserer Umgebung". Über die Naturbeobachtung wachse auch das Verständnis dafür, dass Vögel ihren eigenen Lebensraum brauchen. "Ein Garten mit englischem Rasen und Thuja-Hecke ist kein Habitat - da nützt dann auch das Vogelhäuschen nichts", so der Vogelschützer.

Hier können Interessierte Wintervögel melden:

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