Flüchtlinge in Ungarn im Jahr 2015 (Foto: picture-alliance / Reportdienste)

Studie der Universität Mainz Forscher nehmen Flüchtlingsberichterstattung unter die Lupe

Forscher der Universität Mainz haben die Berichterstattung der deutschen Leitmedien über die Flüchtlingskrise untersucht. Die Studie konnte nicht bestätigen, dass problematische Aspekte ausgeblendet wurden. Doch es gibt auch Kritik.

Den Wissenschaftlern um den Mainzer Publizistik-Professor Marcus Maurer ging es um die Berichterstattung in den großen deutschen Medien im Zeitraum von Mai 2015 bis Januar 2016, dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle. Das Team hat die Berichte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der "Süddeutschen Zeitung" und der "Bild" analysiert. Außerdem hatte es die Hauptnachrichtensendungen von ARD, ZDF und RTL auf dem Schirm.

"Wir haben sehr gemischte Befunde", erklärte Maurer bei der Vorstellung der Studie. Die Daten zeigen demnach, dass die relevanten Fakten der Flüchtlingsbewegung überwiegend korrekt dargestellt wurden. Allerdings haben die Forscher eine Einseitigkeit in den Berichten festgestellt. "Diese fielen jedoch nicht durchweg zugunsten der Zuwanderer aus." Im Laufe der Monate habe sich die Berichterstattung zudem verändert. Das habe vor allem mit den Vorfällen in Köln zu Silvester 2015/1016 in Zusammenhang gestanden.

Kritik an der Tagesschau

In der Studie konnten die Wissenschaftler vom Institut für Publizistik der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität insbesondere den Vorwurf entkräften, Medien hätten die Zusammensetzung der Flüchtlinge falsch dargestellt und überproportional häufig über Frauen und Kinder berichtet. Auf die "Tagesschau" treffe diese Kritik allerdings zu. Deren Berichterstattung habe "tatsächlich überwiegend den Eindruck vermittelt, dass es sich bei den Zuwanderern vor allem um Frauen und Kinder handele".

Kriminalität rückt nach Kölner Silvesternacht in den Fokus

Die Kriminalität von Zuwanderern sei 2015 vergleichsweise wenig von den Medien thematisiert worden. Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Kölner Silvesternacht habe sich dies jedoch schlagartig geändert und ins Gegenteil verkehrt. Selbst ohne Berücksichtigung der Vorgänge in Köln habe es in den untersuchten Medien im Januar 2016 doppelt so viele Berichte über Straftaten von Zuwanderern gegeben wie im gesamten Jahr 2015.

Positive und negative Darstellung nicht in der Waage

Mit Ausnahme der "Bild" bescheinigen die Forscher allen Medien, dass die nach Deutschland eingereisten Flüchtlinge im Jahr 2015 zunächst fast ausschließlich positiv dargestellt wurden. Besonders stark sei diese Tendenz in der Berichterstattung der drei Fernsehsender zu sehen. Lediglich in der "Bild" hätten sich positive und negative Darstellungen von Flüchtlingen die Waage gehalten. Nach der Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), im September 2015 die deutschen Grenzen für Asylbewerber nicht zu schließen, habe die "Medieneuphorie" merklich nachgelassen.

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