Leere Weinflaschen. (Foto: Getty Images, BreakingTheWalls)

Lieferengpass in Rheinland-Pfalz Glas für Weinflaschen ist knapp

Einige Winzer in Rheinland-Pfalz können zurzeit ihre Weine nicht abfüllen, weil es zu wenige Glasflaschen gibt. Bis der Engpass vorüber ist, kann es noch einige Monate dauern.

Eigentlich ist gerade genau die richtige Zeit, um den Wein des neuen Jahrgangs abzufüllen: Der alte Jahrgang ist - hoffentlich - verkauft, der neue gereift, und in den Weinbergen gibt es für die Winzer verhältnismäßig wenig zu tun. Doch nach Angaben des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd machen jetzt Lieferengpässe bei Weinflaschen den Winzern zu schaffen - und das landesweit.

Die betroffenen Winzer müssten umplanen, sich untereinander helfen, Flaschen importieren oder Abfülltermine verschieben, sagt Verbandssprecher Andreas Köhr. Dabei sei gerade in diesem Jahr besonders viel Wein produziert worden: "2018 war der größte Jahrgang der letzten 20 Jahre", so der Sprecher. Auf die Qualität des Weines habe eine spätere Abfüllung aber keinen Einfluss.

Mehrere Flschenhälse (Foto: dpa Bildfunk)
Üblicherweise füllen im März viele Weingüter ab - jetzt werden Fülltermine verschoben

Engpass bei Glashändlern

Dass die Winzer nicht genügend Flaschen kaufen können, ist auf einen Engpass bei den Glashändlern zurückzuführen. Diese wiederum bekommen zu wenige Flaschen von den Glashütten.

"Die Situation ist angespannt, und das europaweit", sagt Marcell Klein, operativer Bereichsleiter vom Flaschengroßhandel Reis in Neustadt an der Weinstraße. Er spricht von Hamsterkäufen: "Die Kunden sind bereit, sich einen Vorrat anzulegen."

Doch was sind die Gründe? Auch Klein verweist auf die gute Ernte. "Die Erträge waren höher, somit gibt es mehr zum Abfüllen - aber die Flaschen werden nicht mehr." Der Engpass betreffe alle möglichen Größen, Farben und Formen.

Weinfässer in einem Keller (Foto: SWR, Maximilian Bohl)
Derzeit sind nicht genügend Flaschen da, um die gute Weinernte abzufüllen. Maximilian Bohl

Hinzu käme die Nachfrage der Hersteller von Limonade und Wasser, die von den Glashütten zum Teil vorrangig beliefert würden, und dass mehrere Glashütten in der Region zurzeit ihre Schmelzöfen renovieren und somit gar nicht produzieren. "Die Kapazität ist dadurch verknappt", sagt Klein.

Bis sich die Situation entspanne, könne es noch einige Zeit dauern: "Wie sich die Lage entwickelt, ist auch vom nächsten Sommer abhängig", sagt Klein. Je wärmer es werde, desto höher sei eben die Nachfrage nach Getränken.

Ab Herbst allerdings will das Coca-Cola-Werk in Mannheim deutlich mehr Glasflaschen befüllen, um damit den Südwesten zu versorgen. Dort entsteht derzeit eine neue Abfüll-Anlage für 30 Millionen Euro. Die Nachfrage bei den Endverbrauchern nach Getränken in Glasflaschen sei gestiegen, so der Getränkehersteller.

Hohe Nachfrage nach Glasflaschen

Dass die Nachfrage nach Glasflaschen groß ist, bestätigen auch Zahlen der Genossenschaft Deutscher Brunnen, der 180 Mineralwasser-Betriebe angehören. Demnach wurden 2018 3,7 Milliarden Mehrweg-Flaschen aus Glas mit Wasser befüllt. Das sind 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. 2,3 Milliarden befüllte Mehrweg-Flaschen waren aus Plastik (+3,3 Prozent).

Weinflaschen sind nicht Teil des Mehrweg-Pfandsystems. Für ihre Produktion wird Altglas benötigt, das in einem vergleichsweise aufwendigen Prozess verarbeitet werden muss. Wasser-, Limo- oder Bierflaschen können hingegen bis zu 50 Mal wiederverwendet werden. Dann seien sie zu abgenutzt, so die Genossenschaft. Der Kreislauf einer Mehrweg-Glasflasche dauert 60 bis 70 Tage. Nach gut zwei Monaten steht eine zurückgegebene Glasflasche also wieder befüllt im Verkaufsregal.

Pfandsystem für Wein nicht rentabel

Weinflaschen in das Pfandsystem zu integrieren, ist schwierig: Im Gegensatz zu vielen anderen Glasflaschen sind sie nicht normiert. Form und Farbe unterscheiden sich von Winzer zu Winzer. Gebrauchte Flaschen zurücknehmen, sortieren und spülen ist wegen des großen Aufwands für größere Winzer-Betriebe nicht rentabel. Wird der Wein in den sehr beliebten Anbaugebieten in Südeuropa oder noch weiter entfernten Regionen hergestellt, kommt außerdem ein langer und teurer Transportweg für die Pfandflaschen hinzu, der das Recyclen sinnlos macht.

Übrigens ist die Mehrweg-Glasflasche nicht zwangsläufig ökologischer. Dem Naturschutzbund zufolge sind Mehrwegflaschen aus Plastik sogar die bessere Alternative, da sie leichter sind als Glasflaschen und günstiger in der Herstellung.

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