Öffentlicher Nahverkehr Land - Haltestelle (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa/20134507)

Ausbildungsstellen auf dem Land Wie der öffentliche Nahverkehr Azubis ausbremst

Wer auf dem Land eine Ausbildungsstelle sucht, für den wird manchmal schon der Weg zur Arbeit zum Problem. Der Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen fordert Verbesserungen - auch, um dem Fachkräftemangel entgegenzusteuern.

Hans-Jörg Friese ist Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen und arbeitet als Frisör in Alzey. Über die Auszubildenden in seinem Betrieb erlebt er die Situation im Nahverkehr mit. "Teilweise sind die jungen Leute eine bis eineinhalb Stunden unterwegs. Und das ist eine Zumutung, die nimmt nicht jeder in Kauf", sagt Friese im Gespräch mit Zur Sache Rheinland-Pfalz.

Erreichbarkeit der Betriebe

Für ihn ist die gute Erreichbarkeit eines Betriebes ein Mittel gegen den Mangel an Auszubildenden. Er könne nachvollziehen, dass sich Bewerber auch wegen der Fahrzeit und der Kosten für eine Fahrkarte für oder gegen einen Betrieb entscheiden: "Die Mitarbeiter müssen pünktlich in die Betriebe kommen, oder zu ihrem Arbeitsplatz. Dazu brauchen sie einen zuverlässigen öffentlichen Nahverkehr", so Friese. Gleichzeitig bräuchten die Betriebe bestimmte Parameter, um Mitarbeiter auch aus anderen Regionen anzuwerben. "Und da ist die Erreichbarkeit ganz wichtig."

Seit mehreren Jahren setze er sich für eine Veränderung ein. "Aber ich laufe da gegen Wände", sagt Friese. Er habe bereits Gespräche mit dem Landrat, betroffenen Gemeinden und beteiligten Verkehrsverbünden geführt. Ihm fehle jedoch eine Entscheidung auf Landesebene.

Öffentlicher Nahverkehr Land - Haltestelle mit Bus (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa/27721530)
Der Handwerkskammerpräsident fordert eine bessere Anbindung auf dem Land dpa/27721530

Landrat: Bei Bedarf nachsteuern

Der Landrat im Kreis Alzey-Worms, Ernst Walter Görisch (SPD), verweist auf das neue Verkehrskonzept, das seit August im Kreis gilt. "Unser großes Ziel war es, eine bessere Vertaktung zu erreichen", sagt Görisch im Interview mit Zur Sache Rheinland-Pfalz. Er wisse, dass nicht alle Angebote optimal seien. Dabei gehe es auch um Aspekte der Wirtschaftlichkeit und Nachfrage, gerade in sehr kleinen Gemeinden. "Ich muss da als Realist herangehen", so Görisch. Jede Leistung müsse finanziert und das Angebot genutzt werden. Bei Bedarf werde man aber nachsteuern.

Verkehrsministerium: Rufsysteme und Radverkehr

Das Verkehrsministerium von Rheinland-Pfalz verweist darauf, dass der öffentliche Nahverkehr im Norden des Landes bereits verdichtet wurde, unter anderem mit Rufbussen. Im Süden würden ebenfalls entsprechende Ausschreibungen auslaufen, so Staatssekretär Andy Becht (FDP). Er will außerdem den Radverkehr stärker fördern, zum Beispiel mit Pedelecs, Pendlerradrouten und Fahrverleihsystemen. Ein neues Nahverkehrsgesetz solle noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg gebracht werden, sagt Becht. Infrastruktur sei ein wesentlicher Standortfaktor: "Nicht nur für das Unternehmen selbst, sondern auch für die Fachkräfte, die dort hin sollen."

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