Lebensgefährliche Hitze Warum Sie Ihre Kinder nicht im Auto lassen sollten

Jedes Jahr müssen Rettungskräfte in Rheinland-Pfalz Kinder vor dem Hitzetod retten, weil Eltern sie alleine zurücklassen. Dabei können schon 15 Minuten pralle Sonne im geschlossenen Auto lebensgefährlich sein.

30 Grad Celsius und kein Speiseeis im Kühlfach: da wird schnell mal das Kind ins Auto gepackt und zum nächsten Supermarkt gefahren. Dabei gibt es immer wieder Eltern, die ihr Kind im Auto sitzen lassen und schnell in den Supermarkt springen. Jedes Jahr müssen deshalb Rettungskräfte in Rheinland-Pfalz Kinder aus einem überhitzten Auto befreien. Auch diese Woche haben Passanten in Edenkoben (Kreis Südliche Weinstraße) ein schreiendes Kleinkind in einem Auto entdeckt. Die 35-jährige Mutter befand sich in einer Spielhalle.

Kind sitzt bei Hitze im Auto (Foto: Colourbox)
Die Tabelle zeigt die Temperatur, die binnen 5, 10, 30 und 60 Minuten im Wageninneren herrscht, sobald das Auto in der prallen Sonne geparkt wird. Bei rot markierten Temperaturen besteht für Kinder im Wagen Lebensgefahr.

Im parkenden Auto steigt die Temperatur im Innenraum - selbst mit geöffneten Fenstern - schnell bis zu 70 Grad Celsius an. Für Herbert Fuss, Leiter Abteilung Verkehr und Technik beim ADAC, ist klar: "Eltern sollten ihr Kind deshalb nie im Auto lassen." 'Ich geh mal kurz einkaufen' sei grundsätzlich unverantwortlich und grenze an Körperverletzung, so Fuss. Ein Kind könne sich nicht wehren und wäre der Situation ausgesetzt, erklärt er.

Kinder schwitzen weniger als Erwachsene

Ab 46 Grad Celsius wird es im Auto für Kinder kritisch. Experten warnen, dass bei 35 Grad Celsius Außentemperatur nach 15 Minuten Lebensgefahr herrsche, sagt der ADAC-Mann Fuss. Doch wie kommt es, dass Erwachsene auch bei großer Hitze ohne Probleme zehn Minuten auf ihren Mitfahrer im Auto warten können, ohne in Lebensgefahr zu geraten? "Kinder schwitzen weniger als Erwachsene", erklärt Herbert Fuss, das führe zu einer geringeren Wärmeabgabe, da weniger Schweiß verdunste.

So nehme der Körper eines Kindes im erhitzten Auto dreimal so viel Energie auf wie der eines Kindes, das bei 35 Grad auf dem Spielplatz in der prallen Sonne stehe. Während ein Kind im Freien durch Schwitzen und Atmen ein Viertel der zugeführten Energie wieder abführen kann, fehlt im heißen Auto die Luftbewegung, erklärt der Verkehrsexperte.

"Schlagen Sie die Scheibe ein"

Erst im Juni mussten in Rheinland-Pfalz zwei Säuglinge aus heißen Autos gerettet werden. In Wittlich hatte eine Mutter ihr Kind auf einem Parkplatz im Wagen gelassen, um Einkaufen zu gehen. Eine andere Frau hatte in Monsheim ihr Kind versehentlich im Auto eingeschlossen und alarmierte die Polizei. "Es gilt jederzeit: befreien Sie das Kind, wenn sie es alleine im Auto auf einem Supermarktparkplatz sehen. Hier gilt 'Nothilfe', Sie sind also berechtigt die Scheiben einzuschlagen", erklärt Herbert Fuss. Bis die Polizei oder Feuerwehr an Ort und Stelle sei, würde zu viel Zeit vergehen, so Fuss. Es sollte allerdings darauf geachtet werden, dass das Kind dabei nicht verletzt wird. "Nicht weg gucken! Wenn Sie überfordert sind oder keine Kraft haben, holen Sie sich Hilfe", rät der ADAC-Experte.

So reagieren Sie richtig (Foto: Colourbox)

Wer sein Kind beim Einkaufen dabei hat und nach dem Einkaufsbummel ein überhitztes Auto vorfindet, "sollte die Hitze rausdrücken", empfiehlt Fuss. "Machen Sie den Motor und die Kühlung an, alle Fenster auf und lassen Sie die Luft rausdrücken. Was auch hilft, legen Sie ein weißes Tuch über den Kindersitz. Heiße Gurte und Sitze können bei nackter Haut zu Verbrennungen führen", erklärt Herbert Fuss.

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