Ein brennendes Areal  (Foto: SWR)

Gas-Explosion bei BASF Augenzeuge: "Von Kennzeichnung der Rohre nichts gesehen"

Am Landgericht Frankenthal ist am Mittwoch der Prozess um die Explosion bei der BASF im Oktober 2016 fortgesetzt worden. Die Aussage eines Brandexperten wirft Fragen auf.

Der sogenannte Brandsicherungsposten, der im Einsatz stets mit Feuerlöschern und Brandschutzdecken ausgestattet ist und am Unglückstag Dienst hatte, wurde als Zeuge gehört. Er schilderte das dramatische Geschehen aus seiner Sicht. Er war nach eigener Auskunft lediglich sechs bis acht Meter von dem Angeklagten entfernt, als dieser sich mit dem Trennschleifer Arbeiten an dem Rohr durchführte, das später explodierte. Er war also unmittelbarer Augenzeuge des Unglücks.

Unterschiedliche Angaben zur Kennzeichnung der Rohre

Von einer Kennzeichnung der Rohre habe er, so wörtlich, "nichts gesehen". Daher habe er auch nicht bemerkt, dass ein falsches Rohr angeschnitten worden sei. Die BASF hatte nach dem Unglück betont, das zu bearbeitende Rohr sei gekennzeichnet gewesen.

Dem Angeklagten, einem 63-jährigen Schweißer einer Fremdfirma, wird vorgeworfen, statt ein leeres Rohr ein mit entzündlichem Gas gefülltes Rohr angeschnitten und so die Katastrophe ausgelöst zu haben. Durch die Explosion waren fünf Menschen gestorben und mehr als 40 verletzt worden.

"Ich habe probiert, das Feuer zu löschen"

Als das Feuer ausbrach, sah der Brandsicherungsposten zunächst zwei Stichflammen. Er setzte dann per Funk einen Notruf ab und sah, dass der Mitarbeiter bereits in Flammen stand. Er zog ihn weg, löschte die Flammen und versuchte auch die Stichflamme am Rohr zu löschen - vergeblich. "Ich habe es probiert", sagte er vor Gericht.

Dann verließ er schnell die Unglücksstelle und brachte auch noch ein Auto in Sicherheit. Sechs Minuten später kam es zu der verheerenden Explosion. Er selbst blieb unverletzt.

Toten Feuerwehrmann erst abends entdeckt

Als weiterer Zeuge hatte schon am Dienstag ein BASF-Feuerwehrmann seinen Einsatz am 17. Oktober 2016 geschildert. Bei seinem Eintreffen am Unglücksort erfuhr er zunächst vom Tod des Feuerwehr-Zugleiters. Ein anderer Feuerwehrmann, der zunächst vermisst wurde, sei erst am Abend tot aufgefunden worden. Zwei weitere Feuerwehrleute starben erst lange nach dem Unglück an den Folgen ihrer Verletzungen. Außerdem war ein Matrose ums Leben gekommen.

Hafenmeister leidet immer noch unter den Folgen

Auch der Hafenmeister der BASF hatte am Dienstag ausgesagt. Er berichtete, wie er am Unglückstag am frühen Morgen seine Schicht im BASF-Nordhafen begonnen hatte. Von seinem Leitstand aus habe er gesehen, wie das Feuer gegen 11:30 Uhr ausbrach. Er sei dann mit dem Auto Richtung Brand gefahren. Als er anrufen wollte, um mittels eines sogenannten Not-Aus alle Rohrleitungen abschalten zu lassen, sei es zu der ersten Explosion gekommen. Der 55-jährige konnte sich durch einen Sprung ins Hafenbecken retten und leidet psychisch noch heute unter dem Unglück von damals. Er hatte an dem Unglückstag die Erlaubnis unterschrieben, damit die Schweißer der Rohrleitungsfirma ihre Arbeit machen durften.

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