Fixierung bzw. Fixation eines Patienten in der Krankenpflege durch Festschnallen am Handgelenk (Foto: picture-alliance / dpa)

Pflegetag Rheinland-Pfalz Bundespflegekammer gefordert

Dauer

Die Pflegefachkräfte in Rheinland-Pfalz wollen mit langem Atem gegen Personalmangel und Arbeitsdruck in Heimen, Kliniken und ambulanter Betreuung angehen. "Strukturen zu verändern, braucht seine Zeit", sagte die Vizepräsidentin der Pflegekammer Rheinland-Pfalz, Sandra Postel, am Rande eines Fachkongresses der Kammer am Dienstag in Mainz.

Kammerpräsident Markus Mai sprach sich auf dem Pflegetag für eine Bundespflegekammer aus. Viele in den eigenen Reihen seien sich ihrer Macht und Einflussmöglichkeiten noch gar nicht bewusst, sagte er vor den rund 1.400 Teilnehmern.

Ähnlich wie bei der Ärztekammer soll die Bundespflegekammer als Arbeitsgemeinschaft der Landeskammern Aktivitäten in den Bundesländern harmonisieren und politische Fragen auf die Bundesebene bringen. Dazu gehört etwa die Forderung nach einer besseren Personalausstattung in Einrichtungen der Pflege.

Stress und Mehrarbeit

"Viele Kollegen sind unzufrieden mit der Kammer", sagte die Kinderkrankenschwester Heide Märker aus Simmern auf dem Pflegetag. "Sie sehen noch nicht den Sinn darin und dass sie etwas erreichen kann." Sie persönlich erhoffe sich von der Kammer, dass sie sich erfolgreich für bessere Personalschlüssel in den Einrichtungen einsetze. Die Personalknappheit führe zu Stress und Mehrarbeit.

Ein Pfleger schiebt einen Rollstuhl über einen Flur (Foto: picture-alliance / dpa, SWR)
(Symbolbild)

In einigen Regionen wie im Raum Trier und in der Eifel sei die Versorgungssituation in der ambulanten Intensivpflege bereits kritisch, sagte Kammerpräsident Mai vor dem Pflegetag. Ursache sei neben der finanziellen Ausstattung auch der Mangel an geeigneten Pflegefachkräften für diese besondere Aufgabe.

Angehörige von Pflegeberufen in Rheinland-Pfalz sind seit 2016 zur Mitgliedschaft in der Landespflegekammer verpflichtet - zurzeit vertritt die Kammer 39.500 Menschen. Die mit der Zahlung von Beiträgen verbundene Pflichtmitgliedschaft ist allerdings umstritten.

Thema "Gewalt in der Pflege"

Ein inhaltlicher Schwerpunkt des zweiten Pflegetages Rheinland-Pfalz war Gewalt in Heimen, Kliniken oder in der ambulanten Versorgung . "Es ist gut, dass die Landespflegekammer das Thema 'Gewalt in der Pflege' weiter auf der Agenda hat - und zwar sowohl gegenüber pflegebedürftigen Menschen als auch gegenüber Pflegekräften", sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD).

Ende vergangenen Jahres gab es dazu bereits einen Fachtag von Landespflegekammer, der Pflege-Gesellschaft Rheinland-Pfalz und dem Gesundheitsministerium. Die Ministerin wies auf die Einrichtung einer Anlaufstelle beim Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung hin. Bürger können hier - auf Wunsch auch anonym - Beschwerden und Kritik äußern, ebenso wie Lob.

Eine Befragung der Kongressteilnehmer zu eigenen Gewalterfahrungen habe nach einer ersten vorläufigen Auswertung ein erschreckendes Ergebnis erbracht, sagte Postel. "Fast alle haben schon einmal Gewalt erfahren." Besorgt äußerte sich Mai über Medienberichte zu betrügerischen Diensten in der ambulanten Intensivpflege, etwa in Bayern. Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks setzen Pflegedienste unqualifiziertes Personal ein, rechnen aber Intensivfachkräfte ab, für die sie von den Kassen viel Geld erhalten.

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