Frontlichter und Rücklichter von Autos bei Nacht (Foto: picture-alliance / dpa)

LED-Lichter im Straßenverkehr Warum LED-Scheinwerfer zur Gefahr werden können

Der Einsatz von LEDs in Autos hat Vorteile: Die Scheinwerfer leuchten weit und verbrauchen dabei wenig Energie. Doch die Lichter sind deutlich heller als Halogenlampen und können dadurch auch zum Risiko werden.

Noch ist ein Großteil der Autos im Straßenverkehr mit Halogen-Scheinwerfern unterwegs. Doch inzwischen sind mit Xenon-Licht und seit kurzer Zeit mit LED auch Alternativen auf dem Markt.

LED-Licht gilt als modern und besonders hell. "Wir wollen immer mehr und immer besser sehen in der Dunkelheit. Der Fahrer will richtig ausgeleuchtete Fahrbahnen haben, was ja auch richtig ist", sagt Herbert Fuss vom ADAC Mittelrhein im Interview mit "Zur Sache Rheinland-Pfalz".

Ein Auto fährt nachts mit LED-Licht (Foto: SWR)
LED-Licht wirkt kälter als Licht von Halogenlampen und hat einen hohen Blauanteil

Wie hell die Scheinwerfer sein dürfen, ist gesetzlich geregelt. Das Kraftfahrt-Bundesamt bezieht sich dabei auf UN-Regelungen. "Blenden dürfen die Fahrzeuge auf keinen Fall", so Fuss. Sonst würden sie gar keine Zulassung bekommen. Aus ADAC-Tests weiß der Experte jedoch, dass manche Menschen trotzdem das Gefühl haben, von den Lampen gestört zu werden. "Wir müssen darauf achten, dass der Gegenverkehr nicht geblendet wird und auch nicht das Gefühl hat", sagt der Experte.

ADAC: Tipps gegen das Blenden

Der Eindruck habe teilweise mit hoher Lichtempfindlichkeit oder dem Alter der Fahrer zu tun. Auch verschmutzte Scheiben könnten den Effekt verstärken. Außerdem sei man an das LED-Licht noch nicht gewöhnt. "Nicht in das Licht hinein schauen, am rechten Fahrbahnrand orientieren", rät er. Helfen könne auch eine automatische Leuchtweitenregulierung in den Autos. Diese sei jedoch erst ab einer bestimmten Leuchtstärke verpflichtend für die Hersteller. "Man sollte da nicht an dem falschen Ende sparen", warnt Fuss.

Herbert Fuss vom ADAC Mittelrhein (Foto: SWR)
Herbert Fuss (ADAC Mittelrhein) rät, sich am rechten Fahrbahnrand zu orientieren

Prüfungen im Lichtlabor

Dem Mediziner Alexander Wunsch geht das nicht weit genug. "Es gibt natürlich Normen, auf die man sich beziehen muss bei einem solchen Zulassungsverfahren. Das Problem bei den Normen ist, dass die Grenzwerte oder dass die Parameter, die dabei festgelegt sind, teilweise dreißig Jahre alt sind und teilweise noch älter", sagt der Experte im Interview mit "Zur Sache Rheinland-Pfalz".

Die Prüfungen für Zulassungen würden außerdem im Lichtlabor unter theoretischen Bedingungen durchgeführt. "Im Straßenverkehr kann es durchaus sein, dass ein Verkehrsteilnehmer über eine Bodenwelle fährt und dass dann die Nachregelung eines LED-Scheinwerfers zu träge ist und dass man dann für kurze Zeit eben doch geblendet wird."

Mehrere Sekunden verschlechterte Sicht

Aus Sicht des Dozenten für Licht und Gesundheit an der Hochschule Wismar ist das LED-Licht eine Gefahr für den Straßenverkehr. Es sei wesentlich stärker als die gewohnten Halogenlampen. Falle in der Nacht plötzlich viel helles Licht ins Auge, ziehe sich die Pupille zusammen. "In dieser Phase sieht man einfach schlechter", so Wunsch. Das könne mehrere Sekunden dauern.

Doktor Alexander Wunsch (Foto: SWR)
Alexander Wunsch rät dazu, Blendungen auf jeden Fall zu vermeiden

Man habe keine Erfahrungen damit, ob die Technologie auch langfristige Augenschäden verursachen könne. Dafür sei sie noch nicht lange genug auf dem Markt. Wunsch rät dazu, Blendungen in jedem Fall zu vemeiden und auch am eigenen Auto regelmäßig die Scheinwerfereinstellungen kontrollieren zu lassen. "Die Industrie diktiert mehr oder weniger dem Verbraucher, was er zu verwenden hat und kümmert sich letztendlich nicht darum, ob das jemandem angenehm ist oder nicht", kritisiert Wunsch.

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