Ein Screenshot vom diskutierten Twitter-Beitrag mit dem Video mit Nestlé von Julia Klöckner. (Foto: Twitter)

SPD: "Peinlicher Fehltritt" Kritik aus Rheinland-Pfalz an Klöckner wegen Nestlé-Video

Ein Twitter-Video zeigt Bundesagrarministerin Klöckner mit einem Nestlé-Manager. Die Empörung ist groß. Kritik kommt auch von der rheinland-pfälzischen SPD und der Landesumweltministerin Höfken (Grüne).

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Einen "peinlichen Fehltritt" nannte SPD-Generalsekretär Daniel Stich das Video von Julia Klöckner mit einem Nestlé-Manager. Sie sei eine "Ministerin der Großkonzerne und der Agrar-Lobby". Die Landesumweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) fand das Video "ziemlich irritierend". Diese eins-zu-eins-Verbindung ihres Ministeriums mit einem privaten Unternehmen hätte sie sich vorher besser überlegen sollen, sagte sie dem SWR.

Die CDU in Rheinland-Pfalz wies diese Kritik zurück: "Es gehört zur Aufgabe, mit jenen Verbänden und auch Unternehmen aus den Zuständigkeitsbereichen des Ministeriums zu sprechen", sagte der politische Landesgeschäftsführer Jan Zimmer.

Weniger #Zucker, Fette und #Salz in Fertigprodukten – dafür setzt sich BMin @JuliaKloeckner mit der #Reduktion|s- und #Innovationsstrategie ein. Dass dies geht, zeigt @NestleGermany, die die Strategie unterstützen. Sie haben 10% der Inhalte reduziert; weitere 5% sollen folgen. https://t.co/jLpVSHRoyJ

Auslöser der teils harschen Kritik ist ein knapp einminütiges Video, das das Agrarministerium am Montag auf Twitter veröffentlicht hat. Darin ist Klöckner mit Marc-Aurel Boersch, Deutschland-Chef des Lebensmittelkonzerns Nestlé zu sehen. Sie freue sich, dass sie sich mit Boersch "über die Philosophie von Nestlé" unterhalten habe, sagt die Ministerin darin. Sie fügt hinzu: "Ich habe heute viel Neues erfahren und freue mich, dass wir Unterstützung haben für unsere Innovations- und Reduktionsstrategie. Weniger Zucker, weniger Salz, weniger Fett in den Produkten, die die Bürger gerne mögen."

Mit einem Lächeln übergibt sie das Wort an den Nestlé-Chef, der zusichert: "Wir unterstützen die Reformulierungsstrategie der Ministerin sehr, sehr gerne." Klöckner nickt, während er erklärt, dass Nestle den Zucker-, Salz- und Fettgehalt seiner Produkte um zehn Prozent gesenkt habe. Als Boersch sagt: "Sind wir damit zufrieden? Nein", lächelt die Ministerin.

Julia Klöckner wehrt sich gegen die Kritik

Unter dem Hashtag "#Nestle" äußern tausende Twitter-User ihren Unmut. Die Agrarministerin lasse sich für PR-Zwecke ausnutzen, viele unterstellen ihr eine unkritische Haltung. YouTuber Rezo, der das Video "Die Zerstörung der CDU" ins Netz stellte, kommentierte: "Fun Fact: Hätte ich exakt diesen Tweet mit genau so einem Video gepostet, hätte ich es als #Werbung kennzeichnen müssen."

Auch Bundespolitiker reagierten empört: SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach twitterte: "Vorgang ist peinlich, ja bitter". Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt schimpfte, Klöckner habe ein "Werbevideo" für Nestlé gedreht, statt klare Regeln für die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln einzuführen. Ricarda Lang, die Bundessprecherin der Grünen Jugend, bemerkte hämisch, das Video sei wohl der Beitrag des Bundesagrarministeriums zum Weltumwelttag.

Julia Klöckner wehrt sich. Sie twitterte: "An die Hatespeaker, weil ich mit Nestlé gesprochen habe: Mal eigene Forderungen #Zuckerreduktion nachlesen!" Dass Unternehmen ihre Ziele für bessere Nahrungsmittel umsetzen, sehe sie als Erfolg. Auf den Vorwurf unkritischer Auseinandersetzung antwortet sie: "Herrje, es ist ja auch zu schön und einfach, Politiker als die letzten Deppen hinzustellen und Forderungen rauszuhauen, ohne sich wirklich ernsthaft differenziert mit dem Thema beschäftigt zu haben. Leute, Demokratie funktioniert so nicht."

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