Ein ICE der Deutschen Bahn hat bei Montabaur während der Fahrt Feuer gefangen. Ein Wagen brannte vollständig aus. Zu sehen ist das Gerippe. (Foto: picture-alliance / dpa)

Feuerwehr kritisiert Bahn nach ICE-Brand im Westerwald Bahn-Notfallmanagement unzureichend

Seit 2008 hat es 39 Mal in ICEs der Deutschen Bahn gebrannt. Das haben Recherchen des ARD-Politikmagazins Report Mainz ergeben. Experten sehen Sicherheitsrisiken und fordern ein neues Notfallmanagement.

In 36 der insgesamt 39 Fälle seit 2008 musste der Zug ganz oder teilweise evakuiert werden. Alleine in diesem Jahr hat es bisher in drei ICEs Feuer oder Rauch gegeben, davon zweimal auf der Schnellfahrstrecke Köln/Rhein-Main. Das erklärte die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) dem ARD-Politikmagazin Report Mainz.

Auch 2006, 2014 und 2017 gab es auf dieser Strecke je einen Brand. Die Strecke gilt als sehr anspruchsvoll, auf ihr werden nur ICEs der Baureihe 3 planmäßig eingesetzt.

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"Wir brauchen eine zuverlässige Bahn"

Bahnexperte Markus Hecht von der TU Berlin begründet die hohe Zahl der Brände auf der Schnellfahrstrecke: "Die Leistungsanforderung dort ist sehr hoch, gleichzeitig gibt es zu wenige Fahrzeuge. In der Folge werden Züge mit Schäden auf die Strecke geschickt." Die Bahn kündigte an, alle ICE 3-Züge überprüfen zu lassen.

Angesichts der Gesamtzahl der Brände in ICEs fordert Hecht: "Wir brauchen eine zuverlässige Bahn. Und eine unsichere Bahn kann nicht zuverlässig sein." Zuletzt waren am 12. Oktober dieses Jahres in der Nähe von Dierdorf im Westerwald zwei Waggons des ICE 511 völlig ausgebrannt.

Nicht zulässige Überbrückung?

Im Interview mit Report Mainz bewertet Professor Hecht Zeugenaussagen zu diesem Unfall. Sie deuteten "ganz stark auf eine Explosion im Kühlkreislauf des Transformators hin." Hecht erklärt weiter: "So etwas tritt auf, wenn das Buchholzrelais nicht funktioniert."

Das Relais soll melden, wenn das zum Kühlen verwendete Trafo-Öl zu heiß wird. Offenbar kommt es gerade nach Wartungen häufiger zu Falschmeldungen. Um das zu vermeiden, wird das betreffende Bauteil nach Angaben von Lokführern gelegentlich überbrückt. Das räumte auch ein Sprecher der Deutschen Bahn ein, allerdings nur bei ICE 1- und ICE 2-Zügen.

Eine Überbrückung des Buchholzrelais sei beim ICE 3 und ICE T grundsätzlich nicht zulässig und in den Wartungsprozessen der Bahn nicht vorgesehen. "Eine Überbrückung ist nach unserem Kenntnisstand bei ICE 3 und ICE T nicht vorgekommen", so der Bahn-Sprecher. Bahnexperten halten das Überbrücken des Relais für ein Sicherheitsrisiko.

Bahn weist Spekulationen zur Brandursache zurück

Spekulationen zur Brandursache bei Dierdorf wies die Bahn zurück. Eine Überbrückung des Buchholzrelais als Brandauslöser könne nach bisherigen Erkenntnissen ausgeschlossen werden, teilte das Unternehmen mit. "Die Verbreitung voreiliger und noch dazu falscher Schlüsse ist unverantwortlich und hilft niemandem", erklärte Berthold Huber, Vorstand für den Personenverkehr. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Die Brandschutzmaßnahmen seien mit allen Behörden abgestimmt und würden regelmäßig überprüft. Auslöser der 39 Brände seien meist keine Technikpannen gewesen, sondern etwa "Papierbrände in Mülleimern durch glimmende Zigaretten" oder Brandstiftung in Toiletten.

Feuerwehr fordert besseres Notfallmanagement der Bahn

Im Gespräch mit Report Mainz kritisiert der Feuerwehrinspekteur des Kreises Neuwied, Werner Böcking, dass die Bahn die Feuerwehren nicht ausreichend über Gefahrenquellen an Bord von ICEs aufgeklärt habe.

Böcking fordert von der Bahn eine engere Zusammenarbeit mit den Rettungskräften und ein besseres Notfallmanagement. Böcking berichtet, dass der Notfallmanager der Bahn beim Brand am 12. Oktober erst etwa 40 Minuten nach der Alarmierung vor Ort gewesen sei, vorgesehen seien maximal 30 Minuten.

Die Rettungskräfte dagegen hätten den brennenden Zug bereits nach etwa elf Minuten erreicht. Sie haben demnach fast eine Dreiviertelstunde darauf warten müssen, dass der Notfallmanager die Oberleitung erdet. Erst dann durfte die Feuerwehr mit dem Löschen beginnen.

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