Ergebnisse des Krankenhaus Rating Report Fast jede zehnte Klinik von Insolvenz bedroht

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Mehr als neun Prozent der Kliniken in Rheinland-Pfalz und Saarland waren zuletzt akut von einer Insolvenz bedroht. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um vier Prozentpunkte.

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Im Jahr zuvor waren es noch rund fünf Prozent. Das geht aus dem neuen Krankenhaus Rating Report hervor, der dem SWR vorab vorlag.

Einer der Autoren des Krankenhaus Rating Reports ist Professor Boris Augurzky vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Er sagte dem SWR, zu den Kliniken, die akut von der Insolvenz bedroht sind, gehörten vor allem kleinere, wenig spezialisierte Krankenhäuser mit weniger als 200 Betten.

Überwiegender Teil der Kliniken klein

Sie hätten das Problem, die gleichen Abteilungen anbieten zu müssen wie große Häuser: Eine Geburtenstation zum Beispiel, Innere Medizin oder Radiologe. Gleichzeitig hätten kleinere Krankenhäuser aber nicht genügend Patienten, um all diese Abteilungen finanzieren zu können. In Rheinland-Pfalz ist der überwiegende Teil der Kliniken klein. Nach Auskunft der Deutschen Krankenhausgesellschaft haben in Rheinland-Pfalz rund 60 der insgesamt etwa 110 Krankenhäuser weniger als 200 Betten.

Der Studie zufolge hat sich die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser insgesamt verschlechtert. Bundesweit seien 2017 im Durchschnitt 12 Prozent der Kliniken akut insolvenzgefährdet gewesen. Im Vergleich zum Vorjahr eine Verdopplung.

Standort nicht entscheidend

Dabei spiele es keine Rolle, ob sich die Krankenhäuser in der Stadt oder auf dem Land befinden. Ein wesentlicher Grund für die wirtschaftliche Verschlechterung der Lage sei vielmehr: Die Zahl der Patienten sei erstmals seit vielen Jahren zurückgegangen. Wenn weniger Menschen ins Krankenhaus gingen, könnten die Kliniken weniger Geld verdienen, heißt es.

Die Wissenschaftler sagen, dass könnte unter anderem daran liegen, dass mehr Patienten ambulant anstatt stationär im Krankenhaus behandelt würden. Ein weiterer Grund könnte der Fachkräftemangel in den Krankenhäusern sein. Es sei zu erwarten, dass der Trend der zurückgehenden Patientenzahlen in Krankenhäusern 2018 weiter besteht.

Jahresabschlüsse der Krankenhäuser herangezogen

Für die Berechnung der Insolvenzgefährdung werden die konkreten Jahresabschlüsse der Krankenhäuser herangezogen. Während in Rheinland-Pfalz und dem Saarland im Jahr 2017 zusammen rund 9 Prozent der Krankenhäuser akut von einer Insolvenz bedroht waren, lag der Wert in Hessen und Sachsen jeweils bei rund 16 Prozent, in Bayern bei 17 Prozent. Den schlechtesten Wert hat seit Jahren Baden-Württemberg. Dort waren der Studie zufolge 2017 insgesamt 33 Prozent der Krankenhäuser akut von einer Insolvenz bedroht.

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