Krankenpfleger auf einem Krankenhausflur (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa / Google Maps)

Krankenhauslandschaft in Rheinland-Pfalz Krankenhäuser in der Krise: Die wichtigsten Fragen

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In der Krankenhauslandschaft in Rheinland-Pfalz hat es 2019 heftig rumort. Wir fassen die Ereignisse zusammen und klären die wichtigsten Fragen.

Was ist in der Krankenhauslandschaft 2019 passiert?

Reihenweise gab es in diesem Jahr Meldungen von Krankenhausträgern in Rheinland-Pfalz und bundesweit, die ihre Angebote reduzieren, Kooperationen oder Zusammenschlüsse mit anderen Krankenhäusern planen, Standorte schließen oder Insolvenz anmelden. Welche Standorte in Rheinland-Pfalz 2019 betroffen waren, haben wir in dieser Karte zusammengefasst. Mit einem Klick auf die jeweilige Klinik erhalten Sie weitere Informationen zu den Entwicklungen:

Was sind die Hintergründe?

Seit Jahren steckt ein Teil der Krankenhäuser in Deutschland in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Diese Krise ist messbar. Das Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen ermittelt im Krankenhaus-Rating-Report jährlich die Zahl der akut insolvenzbedrohten Kliniken in Deutschland.

Das Fazit des Reports: In Rheinland-Pfalz waren in den vergangenen sieben Jahren zwischen fünf und zwölf Prozent der Kliniken akut von der Insolvenz bedroht, deutschlandweit waren es zwischen sieben und 16 Prozent. Wenn man jeweils die Kliniken mit einrechnet, die mittelfristig von der Insolvenz bedroht sind, fallen die Werte noch höher aus.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Kliniken, die unter finanziellem Druck stehen, versuchen sich zu helfen, indem sie Kosten senken. Das kann zum Beispiel die Schließung von Abteilungen wie der Geburtenstation sein, die engere Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern bis hin zu Fusionen. Wenn das alles nichts mehr hilft, kommt es zu Schließungen.

Welche Kliniken sind besonders betroffen?

Zu den Kliniken, die akut von der Insolvenz bedroht sind, gehören nach Angaben des Leiters des Rating Reports vor allem kleinere, wenig spezialisierte Krankenhäuser mit weniger als 200 Betten - unabhängig davon, ob die Klinik auf dem Land oder in einer Stadt sei. Auch in einer Stadt könne es kleine, wenig spezialisierte Krankenhäuser geben. Spezialisiert heißt, die Krankenhäuser haben sich auf spezielle Behandlungen konzentriert, mit denen sich Geld verdienen lässt. So lassen sich auch andere Abteilungen aufrechterhalten, in denen weniger verdient wird. Beispiele für lukrative Spezialisierungen sind nach Angaben der Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz die Schmerztherapie, die Kardiologie, die Handchirurgie oder die Spezialisierung auf Hüft- und Knieimplantate.

Ein Krankenbett in einem Flur (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa)
Zu akut bedrohten Kliniken gehören vor allem kleinere, wenig spezialisierte Krankenhäuser picture alliance / dpa

Laut Krankenhausgesellschaft ist es so, dass etwas mehr als die Hälfte der Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz weniger als 200 Betten haben. Welche davon spezialisiert sind und welche nicht, ist nicht bekannt. 

Warum haben gerade kleine Krankenhäuser finanzielle Probleme?

Der Leiter des Krankenhaus Rating Reports, Prof. Boris Augurzky vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, sagt dem SWR: Kleine Krankenhäuser haben das Problem, die gleichen Abteilungen anbieten zu müssen wie große Häuser. Dazu gehört zum Beispiel eine Geburtenstation, die Chirurgie oder Innere Medizin. Gleichzeitig haben kleinere Krankenhäuser aber nicht genügend Patienten, um all diese Abteilungen finanzieren zu können.

Was tut der Bund, um den kriselnden Krankenhäusern zu helfen?

Der Bund gewährt kriselnden Krankenhäusern unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Hilfe - den Sicherstellungszuschlag. Eine der Voraussetzungen ist, dass das Krankenhaus für die flächendeckende Versorgung erforderlich ist.

Die Regeln des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) besagen: Wenn nach der Schließung eines Krankenhauses durchschnittlich mindestens 5.000 Einwohner länger als 30 Minuten brauchen, um das nächstgelegene Krankenhaus mit Chirurgie, Innerer Abteilung oder Notfallversorgung zu erreichen, dann ist die flächendeckende Versorgung gefährdet. Für den Fall kann dieses Krankenhaus den Sicherstellungszuschlag beantragen.

Das heißt: Die betroffenen Krankenhäuser - meistens kleine - erhalten eine Finanzspritze. In Rheinland-Pfalz bekommen sieben Krankenhäuser diesen Zuschlag.

Wie hilft die Landesregierung kriselnden Krankenhäusern?

Der Bund erlaubt den Ländern, die Kriterien für die Sicherstellungszuschläge selbst zu verändern. Rheinland-Pfalz hat davon Gebrauch gemacht und die Voraussetzungen so geändert, dass voraussichtlich sieben weitere Krankenhäuser den Zuschlag erhalten.

Das veränderte Kriterium: Die Finanzspritze des GBA bekommen Krankenhäuser in einer Region mit weniger als 100 Einwohnern pro Quadratkilometer. Rheinland-Pfalz hat diesen Wert auf 200 Einwohner pro Quadratkilometer geändert.

Der auf Landeskriterien basierende Zuschlag soll - anders als der Bundeszuschlag - jährlich neu und individuell zwischen Krankenhaus und Krankenkassen vereinbart werden. Mehrkosten sollen nicht von den Kassen zusätzlich, sondern von allen Krankenhäusern solidarisch finanziert werden. Heißt: Alle Krankenhäuser zusammen finanzieren den Topf, aus dem kleinere Kliniken profitieren sollen. 

Wie sind die Sicherstellungszuschläge der Landesregierung zu bewerten?

Krankenhausträger kritisieren, dass das Geld zur Unterstützung der betroffenen Kliniken von der Gemeinschaft aller Krankenhäuser kommt und nicht von der Landesregierung. Finanziell gesunde Krankenhäuser befürchten, dass sie so in den Abwärtsstrudel von kränkelnden Häusern mit hineingezogen werden. Aus Krankenhauskreisen heißt es, die Sicherstellungszuschläge könnten die Probleme allenfalls lindern und das nur vorübergehend. Um betroffenen Kliniken dauerhaft zu helfen, brauche es strukturelle Änderungen, zu denen die Politik aber nicht bereit sei.

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