Der rheinland-pfälzische AfD-Fraktionschef Uwe Junge (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Silas Stein/dpa)

Kommentar Junge hat sich verzockt

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Uwe Junge hat nach eigener Aussage den AfD-Landesvorsitz abgegeben, um sich in den Bundesvorstand wählen zu lassen. Beim Parteitag in Braunschweig ist er nun gescheitert. Der Grund: Junge hat sich verzockt, findet unser landespolitischer Korrespondent Frederik Merx.

Uwe Junge hat sich verzockt. Und das, weil er die zwei grundlegendsten Fehler gemacht hat, die man beim Pokerspielen nur machen kann:

Erstens hat Uwe Junge alles auf eine Karte gesetzt und ist damit ein hohes Risiko eingegangen. Er hat dabei dasselbe Blatt gespielt wie immer: Er sei der treue Ex-Soldat, der für eine disziplinierte AfD stehe. Die Partei sei eine Kampfgemeinschaft und müsse in den Angriffsmodus schalten und raus aus dem Stellungskampf. Doch den Parteitag überzeugte er damit nicht, wurde in den dritten Wahlgang weitergereicht und scheiterte dort krachend mit 15 Prozent der abgegebenen Stimmen. Warum? Weil er es gewagt hatte, den Star des völkisch-nationalen Flügels, Björn Höcke, zu kritisieren.

Gegner falsch eingeschätzt

Und genau damit machte er den zweiten großen Fehler eines Pokerspielers: Er schätzte seinen Gegner falsch ein. Denn dass Junge seine Höcke-Kritik nicht nur verteidigte, sondern wiederholte, gefiel vielen Delegierten gar nicht. Junge erntete laute Buh-Rufe und unterlag dem dann spontan nachnominierten Kandidaten aus dem Höcke-Lager deutlich.

Frederik Merx, Redaktion Landespolitik Rheinland-Pfalz (Foto: SWR)
Frederik Merx, Redaktion Landespolitik Rheinland-Pfalz

Ein guter Pokerspieler muss unberechenbar sein

Junge hat sich verzockt, weil er seinen Gegner falsch gelesen hat und der stärker war als gedacht. Ein guter Pokerspieler muss unberechenbar sein - man darf keinen seiner Züge vorhersehen. Genau das hat Junge in Braunschweig gefehlt. Er selbst nennt das aufrichtig, weil er zu seiner Meinung gestanden habe. Man kann es aber auch instinktlos nennen. Denn schlauer wäre es gewesen, sich gar nicht erst an den Pokertisch zu setzen.

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