Waldbrand in Brandenburg Douglasienwald in Kanada (Foto: Imago, SWR, imago images/ A. Friedrichs/ imagebroker)

Höchste Zeit für Kiefer und Douglasie Waldbrandgefahr in Rheinland-Pfalz steigt

Rheinland-Pfalz ist nicht nur das Land der Reben und Rüben, sondern auch der Fichten und Buchen. Doch das könnte mit Blick auf den Klimawandel und die wachsende Waldbrandgefahr ein Holzweg sein.

Hitze, Dürre und ein Rhein, der nur noch ein Rinnsal war - das Trockenjahr 2018 hat sich vielen Menschen in Rheinland-Pfalz fest ins Gedächtnis gebrannt. In diesem Jahr gab es bereits im April die ersten Waldbrände im Land, es hatte wochenlang zu wenig geregnet.

"Rheinland-Pfalz hatte bisher ein gemäßigtes Klima, doch die Zeiten sind vorbei", sagt Professor Johann Georg Goldammer vom Global Fire Monitoring Center (GFMC) in Freiburg. Das veränderte Klima sei deutlich spürbar: "Lange Trockenheit, Starkregen, starke Winde prägen mittlerweile das Klima in Rheinland-Pfalz." Es ist ein Klima der Ausreißer und der Extreme.

Feuerökologe Professor Johann Goldammer vom Max-Planck-Institut für Chemie (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa)
Professor Johann Georg Goldammer - der einzige Feuerökologe in Deutschland picture alliance/dpa

Neben vielen anderen Auswirkungen bedeutet das auch für Rheinland-Pfalz: Die Gefahr von Waldbränden steigt. Und es befeuert die Frage: Können unsere Wälder so bewirtschaftet werden, dass sie besser zu dem 'neuen' Klima passen und die Waldbrandgefahr möglichst gering gehalten wird?

Dürre, Tornado, Feuer - nichts für zartbesaitete Arten

Für den Feuerökologen ist die "Resilienz" der Bäume und der Waldgesellschaft in dieser Hinsicht das zentrale Thema. Die Resilienz von Bäumen meint etwas Ähnliches wie beim Menschen. Es geht um die Fähigkeit, Krisen zu meistern und sich von diesen zu erholen: "Mit Blick auf das Klima geht es darum, wie gut Bäume mit den neuen Bedingungen wie Trockenheit und Starkwinden und im nächsten Schritt auch mit den Flammen eines Waldbrandes klarkommen", sagt Goldammer. Waren in der Vergangenheit Funktionen wie Biodiversität, Wirtschaftsfaktor, Erholungsraum oder gute Luft mit Blick auf den Wald entscheidend, "muss künftig die Resilienz an erster Stelle stehen".

Weinbau - ein Schritt voraus

Im Weinbau hat sich der Klimawandel schon lange niedergeschlagen. War Rheinland-Pfalz früher ein Rieslingland, wachsen hier heute Rotweinsorten, die man eigentlich nur aus Südeuropa kannte. Goldammer fordert ein solches Umdenken auch für den Wald: "Die Forstwirtschaft muss sich darauf einstellen, dass der Wald künftig mit Wetterextremen klarkommen muss." Es müssen Baumarten her, die zu dem neuen Klima im Land passen.

Flammendes Plädoyer für die Kiefer

Die in Rheinland-Pfalz weit verbreiteten Buchen und Fichten zählten nicht zu den Baumarten, die Trockenheit, Hitze und im Zweifelsfall auch Feuer gut vertragen, erläutert Goldammer. Der Wissenschaftler hält hingegen im Gespräch mit SWR Aktuell ein flammendes Plädoyer für die Kiefer.

Fichte und Kiefer unterscheiden sich unter anderem durch ihr Wurzelwerk. "Die Fichte gerät mit ihrer Tellerwurzel sehr schnell in Trockenstress. Einmal gestresst wird sie anfällig für Sekundärschäden durch Schädlinge oder auch Feuer", erklärt Goldammer. Brenne es im Wald, so brenne es unten auf dem Boden - eben dort, wo die Fichte ihre Wurzeln breitläufig in geringer Tiefe ausbreitet. "Wenn sich ein Feuer in den Boden frisst, dann ist es das Aus für die Fichte."

Blick auf die flache Wurzel einer umgestürzten Fichte, eine in rheinland-Pfalz sehr weit verbreitete Baumart (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/blickwinkel/M.Henning)
Tellerwurzel einer Fichte picture alliance/blickwinkel/M.Henning

Pfahlwurzel ist Trumpf

"Die Kiefer hat dagegen eine Pfahlwurzel, mit der sie sich aus der Tiefe Wasser ziehen kann. Auch längere Trockenphasen übersteht sie deshalb gut", so Goldammer. Selbst wenn der Boden brennt, bleibe die Pfahlwurzel im Gegensatz zur Tellerwurzel am Leben. Hinzu kommt, dass die Kiefer auch auf sehr mageren Böden gut wächst. Magerer Boden bedeute zugleich wenig Rohhumus - also eine sehr dünne Decke von abgestorbenen Pflanzenteilen auf dem Boden. "Dieser Rohhumus ist aber das, was gut brennt." Während die Kiefer also auf eher unbrennbarem Untergrund gut gedeiht, fühlt sich die Fichte auf Böden mit einer dicken Rohhumusschicht wohl, aus der ihre Tellerwurzel ihre Nährstoffe zieht.

Baum und Borke

Auch ihre dicke Rinde schützt die Kiefer gut vor Feuer und Flammen. "Das lebende Gewebe im Stamm, das so genannte Kambium, ist bei älteren Kiefern durch die dicke Borke gut geschützt. Auch das ist ein Pluspunkt für die Kiefer", sagt der Experte. Insgesamt habe die Kiefer damit eine deutlich höhere Resilienz als die Fichte.

"Am liebsten würde ich in Deutschland die Kiefer mit einem Mausklick auf den Schirm bringen!"

Feuerökologe Johann Goldammer

"Die in Deutschland heimische Kiefer ist nicht umsonst in der nördlichen Hemisphäre Eurasiens zwischen Schottland und Wladiwostok weit verbreitet. Und in Sibirien lebt diese Baumart mit dem Feuer und wird Jahrhunderte alt", so die Beobachtung der Wissenschaftler. Goldammer schaut mit seinem Team schon seit vielen Jahren in die Regionen der Erde, in denen schon lange das Klima herrscht, dass sich in unseren Breiten nun breit macht. Wind, Trockenheit oder Feuer werfe in Sibirien keine Kiefer um - warum also nicht übernehmen, was sich dort bewährt hat?

Platz für Exoten

Das gelte, so Goldammer, auch für Baumarten, die anders als die Kiefer bislang eigentlich nicht in mitteleuropäische Gefilde gehören. "Eher konservative Förster haben sich bislang gegen exotische Bäume gewehrt. Aber die Frage ist, ob das künftig noch so geht?", fragt der Feuerökologe. Je nach Klima und Standortbedingungen setzen sich bestimmte Baumarten quasi von Natur aus durch. Die Douglasie lebt seit Jahrhunderten unter Bedingungen, die sich mit dem Klimawandel in Deutschland durchsetzen. "Die in Rheinland-Pfalz verbreitet vorkommende Buche wird sich wahrscheinlich verabschieden - und Exoten wie die Douglasie könnten künftig gut gedeihen."

"Ein Patentrezept für den Wald im neuen Klima gibt es nicht", sagt Goldammer. An Kiefern und exotischen Arten führt aus seiner Sicht allerdings kein Weg vorbei.

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