Wald in RLP (Foto: picture-alliance / dpa)

Klimawandel in Rheinland-Pfalz So sieht unser Wald in 100 Jahren aus

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Hitze, Dürre und Starkregen machen den Wäldern in Rheinland-Pfalz zu schaffen. Schon in 100 Jahren könnte vieles anders sein - eine Zukunftsprognose.

Die Fichte - 2017 wurde sie noch zum Baum des Jahres gekürt. Zur nächsten Jahrhundertwende könnte der Nadelbaum vielleicht bereits Geschichte sein. "Wir gehen davon aus, dass sie bis dahin aus den rheinland-pfälzischen Wäldern verschwunden ist", erläutert Ulrich Matthes. Er ist der Leiter des Kompetenzzentrums für Klimafolgen in Rheinland-Pfalz. Matthes vermutet aber, dass sich neue Pflanzen und Baumarten hierzulande etablieren. Bäume, die besser mit Hitze und Trockenheit umgehen können.

Fichte (Foto: picture-alliance / dpa)
Die Fichte zählt zu den bekanntesten Nadelbäumen in Deutschland

Bereits jetzt gibt es in Rheinland-Pfalz überwiegend Mischwald. Das wird auch in 100 Jahren so sein, meint Matthes. Nur das Verhältnis könnte sich ändern. Zurzeit sind demnach 60 Prozent der 840.000 Hektar großen Waldfläche in Rheinland-Pfalz Laubbäume. In 100 Jahren könnten es 70 Prozent sein.

Der Wald wird internationaler

"Fremdländlische Pflanzen nehmen zu, die heimischen Arten ab", sagt Matthes. Die extremen Wetterbedingungen, die zum Beispiel den Sommer 2018 prägten, steckt die Eiche gut weg, aber auch seltene Baumarten wie die Edelkastanie dürften sich bei dem Klima freuen und sich häufiger ansiedeln. Das sind wärmeliebende Bäume, ähnlich sieht es bei den Pflanzen aus. Gewinner sind etwa die kanadische Goldrute oder die armenische Brombeere.

Förster haben Einfluss auf die Zukunft

Der Großteil der rheinland-pfälzischen Wälder ist aber von den Menschen angelegter und bewirtschafteter Wald, erläutert Dominik Bartoschek von der SWR-Umweltredaktion. Nur ein kleiner Teil wird sich demnach selbst überlassen. Die Förster und Waldbesitzer haben also großen Einfluss darauf, wie der Wald in Zukunft aussieht und sie müssen bewusst entscheiden, welche Baumarten geeignet sind.

Deshalb werde es die Fichte künftig schwer haben, da diese mehr Wasser benötigt. Stattdessen würden verstärkt Baumarten gepflanzt, die auch bisher schon heimisch sind, und von denen man weiß, dass sie gut mit Wärme und Trockenheit zurechtkommen, wie etwa die Eiche oder Kiefer. Dadurch wird sich also die Zusammensetzung der Baumarten im Wald deutlich verschieben. Natürlich können sich auch in Wirtschaftswäldern eingewanderte und fremde Arten wie die armenische Brombeere ansiedeln, aber das passiert natürlich nicht bewusst.

Hitze und Trockenschäden

Auch Schädlinge fühlen sich bei der Wärme wohl. Etwa Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner werden sich laut Matthes weiter ausbreiten. Starkregen ist wiederum für Mischwälder keine große Gefahr. Wichtig ist da das Zusammenspiel von Struktur und Artenvielfalt. Die Mischwälder sind meist stufig aufgebaut und haben dadurch eine Schutzfunktion.

Borkenkäfer (Foto: picture-alliance / dpa)
Bei den von Hitze und Trockenheit gestressten Fichten haben Borkenkäfer leichtes Spiel

Gegen den Klimawandel

Aufzuhalten ist der Klimawandel nicht mehr. "Wir versuchen mit gutem Beispiel voranzugehen, alleine schaffen wir das aber nicht", erläutert Matthes. Das funktioniere nur mit globalem Klimaschutz. Die Erwärmung müsse auf weniger als zwei Grad begrenzt werden. Jeder könne aber darauf achten, Energie einzusparen und die Stickoxidbelastung gering zu halten - zudem sollte man besser auf erneuerbare Energien wechseln.

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