Kleinere Parteien mit Zuwachs Weniger Parteimitglieder bei CDU und SPD

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Der seit Jahren anhaltende Mitgliederschwund bei SPD und CDU hat sich im vergangenen Jahr auch in Rheinland-Pfalz fortgesetzt. Das geht aus einer Parteienstudie vor, die dem SWR vorab vorliegt.

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In Rheinland-Pfalz hat die SPD demnach im vergangenen Jahr rund 3 Prozent ihrer Mitglieder verloren, die CDU 2 Prozent. Das ist das Ergebnis einer neuen Parteienstudie des Berliner Politikwissenschaftlers Oskar Niedermayer.

Grüne, Linkspartei und AfD mit mehr Mitgliedern

Größte Gewinner sind die Grünen. Sie konnten die Zahl ihrer Mitglieder im vergangenen Jahr um mehr als 13 Prozent steigern. Ebenfalls zulegen konnte die Linkspartei mit einem Plus von mehr als 8 Prozent. Mit einem Zuwachs von rund 5 Prozent konnte auch die rheinland-pfälzische AfD die Zahl ihrer Mitglieder steigern. Bei der FDP hat sich der Mitgliederbestand laut Studie nicht verändert - ganz anders als noch im Vorjahr.

Nur AfD und Grüne in allen Bundesländern gewachsen

Im Vergleich mit anderen Bundesländern konnte die Linkspartei in Bayern (+8,6 Prozent) und Rheinland-Pfalz (+8,3 Prozent) ihr größtes Mitgliederwachstum verzeichnen. Darüber hinaus fällt auf, dass die Grünen und die AfD 2018 die beiden einzigen Parteien waren, die in allen Bundesländern gewachsen sind. Laut Studie konnten die Grünen im vergangenen Jahr bundesweit die Zahl ihrer Mitglieder um fast 16 Prozent steigern, die AfD sogar um mehr als 21 Prozent.

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In der bundesweiten Langfristbetrachtung der Parteien sind die Grünen seit 1990 um mehr als 82 Prozent gewachsen. Alle anderen Parteien dagegen haben in diesem Zeitraum Mitglieder verloren. Bei der Linkspartei beträgt das Minus seit 1990 fast 78 Prozent, bei der FDP 62 Prozent, bei der SPD knapp 54 Prozent, bei der CDU fast 48 Prozent und die CSU hat seit 1990 insgesamt 26 Prozent ihrer Mitglieder verloren. Die 2013 gegründete AfD hat der Studie zufolge seitdem ihren Mitgliederbestand um fast 90 Prozent steigern können.

SPD und CDU verlieren 70.000 Mitglieder in RP

Niedermayer sagte dem SWR, es handele sich um ein gesellschaftliches Phänomen, dass Menschen sich nicht mehr so stark in Parteien engagierten. Wer sich in der Politik einbringen wolle, trete nicht mehr zwingend in eine Partei ein, sondern engagiere sich zum Beispiel in Bürgerinitiativen. So seien 1980 knapp vier Prozent der Bürger (beitrittsberechtigte Bürger) Mitglied einer Partei gewesen. 2017 hatte sich der Wert mehr als halbiert: Nur noch 1,72 Prozent der Bürger (beitrittsberechtigte Bürger) waren Mitglied einer Partei. Diese Entwicklung bekämen vor allem CDU und SPD zu spüren, so Niedermayer.

In absoluten Zahlen bedeutet das, dass CDU und SPD allein in Rheinland-Pfalz seit 1990 zusammen mehr als 70.000 Mitglieder verloren haben.

CDU bleibt mitgliederstärkste Partei

Doch trotz der anhaltenden Verluste ist die CDU mit rund 39.000 Mitgliedern weiterhin die größte Partei in Rheinland-Pfalz, gefolgt von der SPD mit rund 35.000 Mitgliedern. Auf dem dritten Platz landesweit liegen die Liberalen mit rund 4.400 Mitgliedern. Die Grünen erreichten mit rund 3.500 Mitgliedern einen Rekordwert. Ebenfalls einen Rekordwert erreichte die AfD mit rund 2.200 Mitgliedern. Die Linkspartei kam auf rund 1.800 Mitglieder.

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