Die US-Amerikanische Flagge über Koblenz (Foto: SWR)

Jubiläum der Amerikanischen Präsenz 100 Jahre Stars and Stripes in Rheinland-Pfalz

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Seit 100 Jahren sind US-Amerikaner Teil der rheinland-pfälzischen Geschichte und prägen das Land. Zum Jubiläum blicken wir auf eine bewegte Zeit.

Bereits nach dem Ersten Weltkrieg 1918 begann eine enge und intensive Beziehung zwischen Rheinland-Pfälzern und US-Amerikanern im Land.

Das Amerikanische Besatzungsgebiet in Rheinland-Pfalz nach dem Ersten Weltkrieg (Foto: SWR)
Das Besatzungsgebiet der USA nach dem Ersten Weltkrieg erstreckte sich zunächst linksrheinisch entlang der Mosel, zwischen Trier und Koblenz.

Die Zone umfasste den südlichen Hunsrück und Gebiete der Osteifel bis zur Ahr. Rechtsrheinisch dann auch Gebiete des Westerwaldes bis an die Lahn, später wurde das Gebiet verkleinert.

Gemeinsames Abendessen

Während der Besatzungszeit ist Koblenz das Hauptquartier der 250.000 Mann starken US-amerikanischen Armee. Eine riesige Truppenstärke - bei etwa einer Million Deutschen in der Zone. Wegen Platzmangels wurden Soldaten auch in Privathäusern einquartiert. Auf einmal aßen ehemalige Gegner gemeinsam zu Abend.

Viele Ehen und Kinder - trotz Fraternisierungsverbot

Fraternisierung, also "Verbrüderung" mit den Deutschen war den US-Amerikanern verboten. Durch die Wohnsituation und das gemeinsame Leben war das aber schlicht unmöglich. Alleine in Koblenz wurden über 1.000 deutsch-amerikanische Ehen geschlossen, in der gesamten Zone gab es etwa 1.800 uneheliche Kinder, wobei die Dunkelziffer weitaus höher anzusetzen ist.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Jazz, Cola und Karneval

Mit den US-amerikanischen Soldaten kamen schon nach dem Ersten Weltkrieg Jazz, Baseball und Coca-Cola nach Rheinland-Pfalz. Der Austausch funktionierte aber auch umgekehrt: Inspiriert vom Koblenzer Karneval hielt die Armee im April 1919 den "3rd Army carnival" ab, mit Entertainment und Sport-Programm.

Im Sommer 1919, nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrags, ging ein Großteil der 250.000 Soldaten zurück in die USA. Schließlich wurde die Besatzungszone 1923 an die Franzosen übergeben und die letzten US-amerikanischen Einheiten verließen Rheinland-Pfalz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Gut zwanzig Jahre später, im Frühjahr 1945 trafen wieder US-amerikanische Besatzungssoldaten in Rheinland-Pfalz ein. Sie bauten im Laufe der Zeit sieben Militärflugplätze im Land. Die demografischen Veränderungen in den betroffenen Gemeinden und Regionen waren beträchtlich. Die Gemeinde Sembach beispielsweise verlor binnen kurzer Zeit 40 Prozent ihrer bäuerlichen Betriebe, weil diese den Flugplätzen weichen mussten.

In Ramstein waren es sogar rund 53 Prozent der Betriebe - während sich die Bevölkerung dort von 1950 bis 1956 fast verdoppelte. Der Truppenübungsplatz in Baumholder wurde zu einer der größten US-Garnisonen in Deutschland ausgebaut.

Der Flughafen in Ramstein ist ein wichtiges Drehkreuz der US-Luftwaffe (Foto: SWR)
Die US-Airbase Ramstein ist nach wie vor personell die größte Einrichtung der US Air Force außerhalb der Vereinigten Staaten.

Kulturen verschmolzen

Man lernte, miteinander umzugehen, deutsch-amerikanische Feste verbesserten das Klima, deutsch-amerikanische Ehen wurden geschlossen. Nach und nach wurde die Kultur der Besatzer auch zur Kultur vieler Rheinland-Pfälzer - und umgekehrt.

So positiv die Gesamtbilanz des deutsch-amerikanischen Zusammenlebens in Rheinland-Pfalz auch sein mag: gerade in den 1970er und 1980er Jahren gab es große Konflikte und Reibereien. Es gab beispielsweise heftige Proteste gegen Giftgaslagerstätten in der Pfalz und gegen die geplante Stationierung von Pershing-Raketen und Marschflugkörpern im Hunsrück.

Truppenabzug nach dem Kalten Krieg

Nach Ende des Kalten Krieges 1991 wurden aus vielen Städten und Regionen in Rheinland-Pfalz US-amerikanische Streitkräfte abgezogen. Nur zwei von ehemals sieben Militärflughafen sind heute in dieser Funktion noch in Betrieb: Ramstein und Spangdahlem.

Hangar auf der US-Airbase Spangdahlem (Foto: SWR, Martin Schmitt)
Hangar auf der US-Airbase Spangdahlem Martin Schmitt

US-Militärs in Rheinland-Pfalz heute

Dadurch ist insbesondere in der Westpfalz, im Raum Kaiserslautern sowie im Raum Spangdahlem und Baumholder die Präsenz der US-Amerikaner immer noch beträchtlich.

Zu Hochzeiten waren etwa 69.000 Soldaten in Rheinland-Pfalz stationiert. 2013 waren es noch circa 26.000 Soldaten, aktuell sind es noch etwa 18.500. Hinzu kommen rund 10.700 Zivilbeschäftigte und 20.900 Familienangehörige.

Die Geschichte geht weiter

Die Geschichte von US-Amerikanern in Rheinland-Pfalz ist noch lange nicht vorbei. Aktuell wird der Bau eines neuen US-Hospitals in Weilerbach (Landkreis Kaiserslautern) geplant. Dafür stellen die USA für das kommende Jahr rund 319 Millionen Dollar (rund 270 Millionen Euro) bereit. Der Flughafen Ramstein bekommt weitere 119 Millionen Dollar (100 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt, dort sollen die Lagerkapazitäten erweitert werden. Außerdem werden die US-Streitkräfte im kommenden Jahr 720 zusätzliche Soldaten in Rheinland-Pfalz, hauptsächlich in Baumholder und in Kaiserslautern, stationieren.

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