Ein Martial Arts Kämpfer ruht sich in einer Ringecke aus. Im Hintergrund sieht man eine Kampfszene. (Foto: Thinkstock, Montage: SWR)

Gezielte Ausbildung von Kämpfern? Rechte Szene bei Kampfsportveranstaltungen aktiv

Extremismus-Experten warnen vor einer zunehmenden Radikalisierung der rechten Szene durch Kampfsportveranstaltungen. Nach SWR-Recherchen gibt es auch in Rheinland-Pfalz mehrere Akteure, die an rechtsextremen Mixed-Martial-Arts-Kampfsportevents beteiligt sind.

Die Kampfsportszene wird zunehmend attraktiv für Rechtsradikale und Neonazis. Ein zentrales Event ist der sogenannte Kampf der Nibelungen, den der Verfassungsschutz als die "größte organisationsübergreifende Kampfsportveranstaltung der rechtsextremistischen Szene in Europa" einstuft.

Unter dem Motto "Wir sind entschlossen, einen neuen Menschenschlag heranzuziehen" versammeln sich hier seit Jahren Kämpfer und Rechtsradikale an verschiedenen Orten in Deutschland. In Ostritz in Sachsen nahmen zuletzt fast 1.000 Personen teil. Nach SWR-Recherchen gibt es auch in Rheinland-Pfalz Akteure, die eng mit dem "Kampf der Nibelungen" verbunden sind.

Szenebekannte Neonazis bei "Kampf der Nibelungen"

In Vettelschoß bei Neuwied hat es vor fünf Jahren die erste Kampfsportveranstaltung dieser Art gegeben. Damals hieß es noch "Ring der Nibelungen", und es kamen etwa 150 Zuschauer.  Nach SWR-Recherchen hat der "Asgard Fight Club" in Vettelschoß in diesem Jahr für den "Kampf der Nibelungen" geworben. Zudem seien zwei szenebekannte Neonazis aus dem Raum Ludwigshafen unter anderem als Kämpfer dabei gewesen.

Bei dem Turnier werden seit diesem Jahr auch Teamfights ausgetragen. Da treten dann zwei Teams aus jeweils fünf bis sechs Kämpfern gegeneinander an. Beim MMA-Kampfsport (Mixed Martial Arts, Anm. d. Red.) ist der volle Körpereinsatz erlaubt. Experten gehen davon aus, dass die rechtsextremen Kampfsportler gezielt für Straßenkämpfe beispielsweise bei Demonstrationen ausgebildet werden.

Experten fordern Prüfung der Kampfsportszene

Der Rechtsextremismus-Experte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Rüdiger Stein, aus Ludwigshafen sieht darin eine große Gefahr: Zum einen für Polizisten, die direkt konfrontiert seien bei solchen Auseinandersetzungen, zum anderen auch für Menschen, die sich gegen Rechts engagierten.

Dem SWR liegt zudem ein Internet-Video vor, das vor wenigen Wochen unter anderem in einer vom "Asgard Fight Club" in Vettelschoß genutzten Halle gedreht wurde. Darin wird Werbung für eine bevorstehende "Kampf der Nibelungen"-Veranstaltung gemacht. In dem Video treten unter anderem zwei Kämpfer vor einem "Kampf der Nibelungen"-Plakat auf und berichten über ihre Einsätze bei der Veranstaltung.

Verteidigung "mit allen Mitteln"

Zu ihrer Motivation zu kämpfen, sagen sie, dass Deutsche häufig Opfer durch Gewaltausbrüche von Migranten seien. Man müsse seine Familie oder seine Freundin "mit allen Mitteln" verteidigen. Der Hannoveraner Rechtsextremismus-Experte Robert Claus von der "Kompetenzgruppe für Fankulturen & Sport bezogene Soziale Arbeit" (KoFaS) sagte dazu: "Offensichtlich hat der Fight Club ganz starke Probleme, sich nach rechts abzugrenzen und zu distanzieren (…). Bei der Nähe, die es zu dieser Organisation gibt, ist der Fight Club deutlich eine Umfeldorganisation des 'Kampfes der Nibelungen'."

Verein zieht Konsequenzen

Konfrontiert mit den Recherchen des SWR, teilte der "Asgard Fight Club" jetzt mit, er habe umgehend Konsequenzen gezogen. Noch am Mittwoch, 7. November, habe der Verein seinen Trainer entlassen, der in dem Internetvideo und auf Bildern erkennbare Nähe zum "Kampf der Nibelungen" gezeigt habe.

Des Weiteren teilte der Verein auf SWR-Anfrage mit, der Zusatzname "Asgard" bedeute "wenn überhaupt, lediglich eine leichte Annäherung an die rechte Szene". Künftig werde man den Zusatznamen "komplett streichen und auch die T-Shirts mit der Aufschrift einziehen". Der Verein sei ohnehin nur unter dem Namen "Fight Club e.V." eingetragen.

Distanzierung von der rechten Szene

Der Verein betonte, weder die anderen Trainer noch die Vereinsmitglieder hätten "Ambitionen und Interesse an einer Veranstaltung der Nibelungen" und seien auch nicht "in einer rechten Szene politisch beteiligt". Wörtlich heißt es in der Mitteilung weiter: "Von der rechten Szene möchten wir uns ausdrücklich distanzieren!" Der "Fight Club" habe bei der Veranstaltung "Ring der Nibelungen" 2014 zudem keine Rolle gespielt.

Experten fordern die Landesregierung in Rheinland-Pfalz auf, die Kampfsportszene genauer unter die Lupe zu nehmen und mehr auf Präventivarbeit zu setzen.

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