Schild mit der Aufschrift "Kein Feuer machen" an einem Baum (Foto: Imago, Imago stock&people)

Trockenheit in Rheinland-Pfalz Hier ist es besonders gefährlich

3.000 Quadratmeter Wald sind im Juli im Kreis Bad Dürkheim abgebrannt. Teilweise gilt im Land die höchste Gefahrenstufe für Waldbrände. Welche Gebiete sind besonders gefährdet und warum?

Die lange anhaltende Hitze und Trockenheit in Rheinland-Pfalz hat nicht nur gute Seiten. Für die Wälder kann der ausbleibende Regen zu einer echten Gefahr werden. "Auf einem Drittel der Landesfläche haben wir eine hohe Waldbrandgefahr und in einem kleinen Teil eine sehr hohe", sagt Ulrich Matthes, Leiter des Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen. Grund sei nicht nur der fehlende Niederschlag, sondern auch die geringe Luftfeuchtigkeit und der Wind.

Besonders gefährdet für Waldbrände seien im Moment das Neuwieder Becken, das Moseltal, Rheinhessen und der Oberrheingraben. Die höchste Gefährdung mit der Stufe 5 gebe es zurzeit in den Bereichen Speyer und Ludwigshafen. "Das sind die Regionen, die überdurchschnittlich warm sind, die zu den wärmsten und trockensten Regionen in Deutschland gehören", so Matthes.

Vor allem Nadelbäume gefährdet

Die Waldbrandgefahr hänge aber nicht nur von der Region ab, sondern auch stark von der Art des Waldes. "Laubwald ist weniger gefährdet als reine Nadelbaumbestände. Insbesondere Kiefern sind gefährdet, weil sie viel Licht auf den Boden lassen", sagt der Experte. In Laub- und Mischwald komme nicht so viel Sonne auf den Boden. " Und Laub entzündet sich auch nicht so schnell wie Nadeln."

"Rauchen Verboten"-Schild in einem Waldstück (Foto: Imago, Imago/mmimages/Berg)
Feuer ist im Wald grundsätzlich verboten Imago Imago/mmimages/Berg

Sportflieger melden mögliche Brandherde

Das Forstamt im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim arbeitet mit Feuerwehr und Sportfliegern zusammen , um Waldbrände zu verhindern: "Die Feuerwehr hier hat eine Kooperation mit den Sportfliegern, sodass bei Bedarf ein Flugzeug aufsteigt und GPS-Koordinaten von einer Rauchsäule an die Feuerwehr weitergibt", so Forstamtsleiter Frank Stipp im SWR.

"Wir sind im Moment sehr aufmerksam", sagte Stipp angesichts der zweithöchsten Waldbrandstufe – trotzdem könne das Forstamt nicht alles im Blick haben: "Kolleginnen und Kollegen draußen in den Forstrevieren achten darauf, ob sie verdächtige Dinge wahrnehmen, wie Rauch- oder Brandgeruch". Trotzdem sei man auch auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen.

Hohe Waldbrandgefahr, wenige Brände

Rheinland-Pfalz habe aber trotz der steigenden Waldbrandgefahr vergleichsweise wenige Brände und wenn, dann nur auf kleiner Fläche. 2003 habe es den Spitzenwert von 144 Bränden auf insgesamt rund 40 Hektar gegeben. 2017 seien es 22 Brände auf rund 3 Hektar Fläche gewesen. Zahlen für 2018 könne er noch nicht vorlegen.

Anzahl der Waldbrände in Rheinland-Pfalz und ihre Fläche in Hektar
JahrAnzahlFläche
201391,3
2014143,0
20153712,5
2016192,4
2017223,8

Quelle: Zentralstelle der Forstverwaltung Rheinland-Pfalz, Neustadt/Weinstraße

Gemischte Waldflächen verringern Risiko

Försterin Carmen Barth tauscht sich regelmäßig mit ihren Kollegen im Land aus. "Riesenwaldbrände wie aktuell in Schweden kennen wir nicht", sagt die Leiterin des Forstamtes Koblenz. Die Lage sei nicht dramatisch. Das liege auch an der Zusammensetzung der Waldflächen. "Weil wir hier einfach kleiner strukturierte Wälder haben. Ein buntes Mosaik aus immer mal wieder Nadelholzbestand, dann Laubmischwald, reiner Laubwald - da ist die Gefahr auch geringer", sagt Barth. "Und wir hatten auch das Glück, dass es immer mal wieder geregnet hat."

Keine Zigaretten im Wald

"Es gibt präventive Maßnahmen gegen Waldbrände, die jeder einzelne durchführen kann", sagt die Försterin. "Wichtig ist es, als Waldbesucher achtsam zu sein." Um die Gefahr der Waldbrände einzudämmen, solle auf keinen Fall im Wald geraucht oder ein offenes Feuer entzündet werden. Auch durch Glasflaschen oder Scherben könne sich der Wald entzünden. Außerdem solle man nie im hohen Gras, sondern auf einem Parkplatz parken. "Vom Katalysator aus kann sich das Gras entzünden." Die beste präventive Maßnahme sei jedoch der Regen.

Der Mensch sei für die Trockenheit verantwortlich, sagt auch Barth: "Der Klimawandel ist nicht von der Hand zu weisen." Durch den Klimawandel gebe es neben potentiellen Bränden noch viel größere Gefahren für den Wald. "Mehr Wärme, mehr Extremwetterlagen, mehr Starkregen, mehr Stürme", zählt sie auf. Manche Baumarten wie die Fichte werde es in Zukunft deshalb hier nicht mehr geben. "Das sind die eigentlichen Gefahren für den Wald", sagt die Försterin.

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