Eine Pflegekraft läuft mit einer älteren Frau einen Korridor entlang (Foto: picture-alliance / dpa)

Fachkräftemangel in Rheinland-Pfalz Ministerium und Verdi kritisieren Leiharbeit in der Pflege

Verlässliche Arbeitszeiten und mehr Geld lassen Pfleger in die Leiharbeit wechseln. Die Gewerkschaft Verdi und das rheinland-pfälzische Sozialministerium zeigen sich besorgt.

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"Es werden Dienstwagen angeboten, es werden Ablöseprämien bezahlt", berichtet Frank Hutmacher. Er ist bei der Gewerkschaft Verdi zuständig für Gesundheit und Soziale Dienste in Rheinland-Pfalz. Manche Pflegekräfte würden bewusst in die Leiharbeitsbranche wechseln, "um aus dem Stress rauszukommen", bestätigt er den Trend.

Als Leiharbeiter in verschiedenen Pflegeheimen

Im Gegensatz zu Beschäftigten anderer Branchen wählten Pfleger die Leiharbeit bewusst, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern, zum Beispiel durch verlässliche Arbeitszeiten. Das berichtet Pfleger Sandro Plett dem SWR Politikmagazin Zur Sache Rheinland-Pfalz. Er hat viele Jahre als Angestellter in einem Pflegeheim in Neuwied gearbeitet. Seit einem Jahr ist Plett aber bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt, die ihn als Leiharbeiter an verschiedene Altenheime vermittelt. Und genau dort hat er nun regelmäßige Arbeitszeiten, einen Dienstwagen und er verdient sogar mehr als früher.

Die Leiharbeit in der Altenpflege macht derzeit mit 1,3 Prozent nur einen kleinen Anteil in Rheinland-Pfalz aus: Aber er wächst. 2017 um elf Prozent auf 334 Personen. Im Bereich der Krankenpflege hat sich die Zahl der Leiharbeiter in diesem Zeitraum sogar verdoppelt auf 816 Personen. Jüngere Zahlen liegen der Bundesagentur für Arbeit zurzeit nicht vor.

"Ich sehe die Entwicklung in der Leiharbeit in der Pflege mit Sorge", sagt Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). Kurzfristig könnten Leiharbeiter zwar Erkrankungen oder andere Personalausfälle abfangen, so die Ministerin, "aber langfristig kann der Einsatz von Leiharbeitern in der Pflege nicht zu mehr Qualität führen".

Flächendecke Tarifverträge als Lösung?

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Aus Sicht des Gewerkschaftsvertreters Frank Hutmacher fängt die Leiharbeit in der Pflege aber bereits mehr als kurzfristige Engpässe ab. "Wir besetzen mittlerweile in der Leiharbeit nicht nur freie Spitzen, sondern freie Arbeitsplätze", sagt Hutmacher. Doch auch er sieht einen Vorteil: Pfleger, die sonst den Beruf aufgegeben hätten, würden so zumindest noch dem Pflegemarkt zur Verfügung stehen.

"Viele Kollegen hören aufgrund der hohen Belastungen im Pflegebereich auch auf."

Frank Hutmacher, Verdi Rheinland-Pfalz

"Wir müssen die Arbeitsbedingungen in den Betrieben verbessern, damit es keine Flucht in die Leiharbeit gibt und wir die Kollegen halten können", sagt Hutmacher. Als Lösung setzt ver.di auf flächendeckende Tarifbedingungen. Auch die rheinland-pfälzische Ministerin Bätzing-Lichtenthäler spricht sich entschieden für Tarifverträge aus. Doch sei der Einfluss der Politik begrenzt. Zuvor hatte bereits Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf die rechtlichen Grenzen hingewiesen.

Der Arbeitgeberverband erhebt bereits Einspruch: "Wir sehen die Versuche, allgemeinverbindliche Tarifverträge in der Pflege zu erleichtern, als schwerwiegenden Eingriff in die Tarifautonomie", teilte der private Arbeitgeberverband bpa mit. ver.di gelinge es nicht, genügend Mitglieder unter den Pflegenden zu gewinnen, so bpa-Präsident Rainer Brüderle, der früherer FDP-Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz.


Die Tarifautonomie ist das in Deutschland verfassungsrechtlich gesicherte Recht von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, Arbeitsbedingungen durch Verträge bzw. Tarifverträge zu regeln, ohne dabei staatlicher Einflussnahme ausgesetzt zu sein. Zur Zeit sind laut Bundesgesundheitsministerium 80 Prozent der Altenpflege-Einrichtungen nicht tarifgebunden.

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