Digitalisierung an Schulen: (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Bundesrat gibt Weg frei Das fordern Schüler und Lehrer vom neuen Digitalpakt

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Tablets und Smartboards allein reichen aus Sicht von Lehrern und Schülern nicht aus, um den digitalen Wandel voranzutreiben. Am Freitag hat der milliardenschwere Digitalpakt die letzte Hürde im Bundesrat genommen.

Die Schülerin Alessandra La Sala aus Kaiserslautern hat vier klare Forderungen, wenn es um die digitale Revolution an Schulen in Rheinland-Pfalz geht. Als erstes bräuchten alle Schulen WLAN und erst als zweites Endgeräte - ohne WLAN seien Geräte wie Tablets oder digitale Tafeln, sogenannte Smartboards, nämlich unbrauchbar.

Die Schülerin Alessandra La Sala tritt für die Digitalisierung an Schulen ein (Foto: Alessandra La Sala)
Alessandra aus Kaiserslautern bekommt ihren Stundenplan in einer App, inhaltlich spielt die Digitalisierung keine große Rolle im Unterricht, sagt sie. Alessandra La Sala

Schüler wünschen sich digital "fitte" Lehrer

Als dritte Forderung pocht die 17-Jährige, die in der Landesschülervertretung für Digitalisierung eintritt, auf IT-Fachpersonal. Als viertes verlangt sie systematische Fort- und Weiterbildungen von Lehrern - bislang seien sie freiwillig und oft nur einmalig. "Wenn die Lehrer uns etwas beibringen sollen, müssen sie sich auch fortbilden."

"Es nützt uns ja nichts, wenn wir Geld in teure Geräte stecken, die dann nicht gewartet werden."

Alex La Sala, Schülerin aus Kaiserslautern

Lehrer wünschen sich Technik-Support

Die Lehrer wünschen sich, wenn es um den digitalen Wandel geht, vor allem professionelle Unterstützung und Mittel für Folgekosten. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Rheinland-Pfalz betont, die Pflege und Wartung und der Support der IT-Systeme sollte nicht Sache der Lehrkräfte sein. Wie lässt sich zum Beispiel das WLAN nur klassenweise aktivieren oder was tun, wenn Whiteboards unter Windows laufen, Tablets aber von Apple sind, schildert der stellvertretende VBE-Landesvorsitzende Oliver Pick Alltagsprobleme.

Pick leitet eine Grundschule in Idesheim im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Er wünscht sich, dass das Land Grundkonzepte für die Nutzung von Mitteln aus dem Digitalpakt erarbeitet, an denen sich die Schulen mit ihren Anträgen orientieren können. Lehrer müssten fürs digitale Zeitalter angemessene Unterrichtsmethoden kennen, es reiche nicht bestehende Inhalte einfach zu digitalisieren. Dazu seien Fort- und Weiterbildungen erforderlich.

GEW fordert mehr Freistellungen vom Unterricht

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz (GEW) fordert Personal, um die Digitalisierung an Schulen voranzutreiben und Geld für die Wartung der Technik. Lehrern sollten mehr Fortbildungen als bisher ermöglicht werden, fordert die GEW. Es müsse für die Aufgaben mehr Freistellungen als bisher vom Unterricht geben.

Mittel aus Digitalpakt nicht für Personal

Doch schon jetzt steht fest, dass das Geld aus dem Digitalpakt in Rheinland-Pfalz nicht ausreicht, um all diesen Forderungen nachzukommen. Der Digitalpakt hat nach Angaben des Bildungsministeriums seinen Schwerpunkt auf der digitalen Infrastruktur in den Kommunen, damit gemeint sind beispielsweise der WLAN-Ausbau, Verkabelungen auf dem Schulgelände oder digitale Präsentationsgeräte wie interaktive Whiteboards. Maximal 25.000 Euro dürfen pro allgemeinbildende Schule für mobile Endgeräte wie Tablets beantragt werden.

Aus den Bundesmitteln des Digitalpakts könne zudem kein Personal finanziert werden, darauf weist das Ministerium hin. Diese Aufgabe bleibe beim Land. Im Doppelhaushalt 2019/2020 sind knapp 35 Millionen Euro vorgesehen. Im Falle der Systembetreuung liege die Aufgabe bei den Schulträgern.

Ulf Frank Kerber sieht Rheinland-Pfalz im Vergleich mit anderen Bundesländern auf einem guten Weg. Er warnt aber davor, dass es budgetbedingt zu starken Verwerfungen zwischen den Schulen kommen könnte. Kerber hat sich der digitalen Bildung verschrieben. In Karlsruhe bildet er Lehramtsstudenten darin aus, wie sie digital unterrichten und ihren Schülern später Medienkompetenz beibringen können. Für seine Lehre nutzt der frühere Geschichtslehrer auch Forschungsergebnisse von der Universität Kaiserslautern zu Künstlicher Intelligenz.

Priorität haben an den Schulen im Land aus seiner Sicht schnelles Internet und hausinternes WLAN. Die digitale Infrastruktur müsse endlich auf ein Niveau gehoben werden, damit Schulen überhaupt vernünftig arbeiten können, verlangt er. Auf keinen Fall sollten an jeder Schule "selbstgestrickte Lösungen" zum Zuge kommen.

Mehr Möglichkeiten zu Schüleranalyse für Lehrer

Schulclouds, moderne Serversysteme und ein einfach zu bedienendes Device-Management, also die Verwaltung von Geräten mit Soft- und Hardware, seien nötig. "Dies alles ist zunächst wichtiger, als die Schülerinnen und Schüler öffentlichkeitswirksam mit Tablets und anderen digitalen Endgeräten auszustatten." Auf die Lehrer sieht er weitere Veränderungen in ihrer Tätigkeit zukommen. Es gehe weniger darum, Wissen zu vermitteln, sondern eher darum, wie sich Daten von Schülern bewusst anwenden lassen. Lehrer könnten dank der Technik stärker als bisher im Blick behalten, welche Fortschritte der einzelne Schüler macht und wo individueller Förderbedarf besteht.

Digitalisierung an Schulen: (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
"Wir dürfen auf keinen Fall nur Tablets und Apps in den bisherigen Unterricht 'werfen' und glauben, dass dann bessere Lernergebnisse zu erwarten sind", sagt Dozent Kerber. Picture Alliance

Die Schülerin Alex La Sala aus Kaiserslautern wird von den Mitteln aus dem Digitalpakt kaum noch selbst profitieren. Sie ist inzwischen in der zwölften Klasse. Abgesehen vom Handy- und WLAN-Verbot an ihrer Schule wirkt sie zufrieden. Sie hatte drei Jahre lang Informatikunterricht, ihre Schule ist gut mit Smartboards versorgt. Mit ihren Lehrern ist sie nachsichtig: Die Älteren müssten das alles neu lernen, "wir sind damit aufgewachsen".

Im Interview mit SWR Aktuell sagt Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), dass das Geld vom Bund voraussichtlich noch dieses Jahr im Land ankommt.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP
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