Ein Mann zielt mit seinem Jagdgewehr (Foto: dpa Bildfunk)

Die Sau ist schlau Warum die Jagd auf Wildschweine so schwierig ist

Sie verwüsten Weinberge, Vorgärten und Fußballplätze: Wildschweine sind seit Jahren eine Plage in Rheinland-Pfalz. Vorschriften wurden gelockert, viele Treibjagden wurden organisiert - doch einfach ist die Jagd nicht. Die Sau ist nämlich schlau.

In Frauenberg (Landkreis Birkenfeld) herrscht Frust: Eine Rotte Wildschweine hat fast den kompletten Rasen des örtlichen Fußballplatzes zerwühlt. An Kicken ist hier die nächsten Monate nicht mehr zu denken. Auch Landwirte und Winzer klagen immer wieder über massive Schäden. Die Jäger in Rheinland-Pfalz sollen deshalb auch nach dem Rekordjahr 2017/2018 weiter die Schwarzkittel bejagen.

Wildschweine haben den Fußballplatz in Frauenberg zerstört (Foto: SWR)
Abpfiff: Wildschweine haben den Fußballplatz in Frauenberg zerstört

Ohne Geduld geht nichts

Doch einfach auf dem Hochsitz in der Nähe eines Maisfeldes oder Weinberges auf die nächste Rotte zu warten und dann ein paar Sauen zu schießen - so einfach geht das nicht. Die Sau ist nämlich schlau, weiß Günther D. Klein vom Landesjagdverband Rheinland-Pfalz. "Für die Wildschweinjagd brauchen wir sehr viel Geduld. Das heißt in der Regel im Durchschnitt 20 Stunden für ein Wildschwein und das ist wirklich nur der Durchschnitt, manchmal sogar länger."

Die Wildschweine wissen, wo es sich gut und sicher leben lässt. Klein zeigt auf einen Hang mit Weinberg: Südlage, Rebstöcke, daneben viele Büsche und Sträucher. Da gibt es Nahrung und jede Menge Deckung für die Tiere. "Das ist 'Schöner Wohnen' für Wildschweine und das ist dann eine Fläche, die unglaublich schwer zu bejagen ist", erläutert Klein.

Dauer

Auch Treiber werden ausgetrickst

Hilft also nur, die Tiere aufzuscheuchen - bei einer sogenannten Drückjagd. Da gehen die Treiber mit Hunden durchs Revier und machen jede Menge Radau, um die Wildschweine aufzuscheuchen und vor die Flinten der Jäger zu treiben. Doch auch das ist keine sichere Methode, weiß Klein. "Sie sind so schlau, dass sie sich überlaufen lassen, also man kann ein paar Meter an denen vorbeigehen und die rühren sich nicht."

Und hat man die Tiere vor dem Gewehr, kommt das nächste Problem: Die Jägerin oder der Jäger muss in kurzer Zeit entscheiden, ob sie oder er überhaupt schießen darf. "Wenn ein Mutterschwein mit ihren Frischlingen daherkommt, die muss auf jeden Fall geschont werden. Elterntierschutz ist oberstes Gebot." Die Jäger versuchen vor allem, weibliche Tiere - die Bachen - ohne Frischlinge zu schießen, um die Population in Grenzen zu halten.

Um die schlauen Säue zu jagen, braucht es also viel Geduld, gute Planung "und das letzte Quäntchen Glück, dass man wirklich zum Erfolg kommt".

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