Polizist sitzt vor Bildschirmen (Foto: picture-alliance / dpa)

Strafanzeige via Internet stellen Rheinland-Pfalz startet Online-Wache

Nun können auch Rheinland-Pfälzer online Strafanzeige erstatten. Laut Innenministerium soll das Hemmschwellen senken und Beamte entlasten. Umstritten ist jedoch, wie effektiv die Onlinebearbeitung wirklich ist.

Das Fahrrad gestohlen, die Brieftasche entwendet: Wer in Rheinland-Pfalz Anzeige erstatten will, kann sich jetzt den Weg zur Polizei sparen. Denn der Startschuss zur Online-Wache ist gefallen, Strafanzeigen können nun über das Internet erledigt werden. Neben persönlichen Daten werden auch Angaben zur Tat abgefragt - wie Ort, Zeit, weitere Zeugen sowie Schadenshöhe und mögliche Tatverdächtige.

Innenstaatssekretär Günter Kern (SPD) und Saarlands Innenminister Klaus Bouillon (CDU) sprachen am Donnerstag bei der Freischaltung der Seite vom "direkten Draht" der Bürger zur Polizei. Anfangs sollen vor allem Diebstähle, Sachbeschädigungen und Betrugsdelikte bei Käufen oder Verkäufen gemeldet werden können. Eingetragen werden könnten aber auch verdächtige Beobachtungen.

Ministeriumsprecher Joachim Winkler hatte im Vorfeld gesagt, dies könne möglicherweise dazu führen, dass mehr Straftaten zur Anzeige kämen und dadurch "strafrechtliche Dunkelfelder" aufgeklärt würden. Er sehe darin einen Mehrwert, sowohl für die Polizei als auch für die Bevölkerung.

Nachermittlungen trotzdem erforderlich

Kritischer sieht das der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Ernst Scharbach. Zu fast jeder Online-Anzeige seien Nachermittlungen erforderlich und auch polizeiliche Vernehmungen müssten trotzdem gemacht werden, sagt Scharbach. Eine Vereinfachung sehe er jedenfalls nicht. Die Erfahrungen aus den anderen Bundesländern zeigten, dass oft nicht relevante Informationen hinterlegt würden. Durch den entstehenden Mehraufwand hätte das Innenministerium sogar drei zusätzliche Stellen vorgesehen.

Online-Wache nichts Neues

Die Online-Wache heißt in anderen Bundesländern auch Internetwache oder eRevier. Vorreiter war Brandenburg, dort wurde bereits 2003 die erste Internetwache eröffnet. Die Online-Wache Berlin hat mittlerweile 100.000 Kontaktaufnahmen jährlich. Davon sind 85 Prozent Strafanzeigen. Auf die herkömmliche Art sind es rund 800.000 Strafanzeigen.

Während auf der hessischen Webseite sehr zeitaufwendig mehrere Kästchen ausgefüllt und viele Fragen beantwortet werden müssen, verwendet Sachsen-Anhalt die abgespeckte Version und verzichtet auf Angaben wie Geburtstdatum und Geburtsort.

In Niedersachen hatte ein Wartungsfehler dafür gesorgt, dass Mitte Dezember 2017 die im Internet eingegeben Strafanzeigen stundenlang nicht gespeichert wurden. Die Anzeigeerstatter selbst bekamen davon nichts mit, denn nach Abschluss der Online-Strafanzeige erhielten sie die übliche Bestätigung mit Vorgangsnummer. Retten konnte man im Anschluss nur 15 Prozent der Anzeigen und Hinweise.

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