Füße schauen aus einem Pool heraus (Foto: picture-alliance / dpa)

Hitze-Bilanz für Rheinland-Pfalz Der Sommer 2018 - zu heiß und zu trocken

Wochenlang hatte die Hitze Rheinland-Pfalz fest im Griff - mit Folgen für Mensch, Tier und Umwelt. Einige Auswirkungen werden noch lange spürbar sein.

Glimpflich kamen die meisten Landwirte davon: die befürchteten Ernteausfälle hielten sich am Ende doch in Grenzen. Laut Statistischem Landesamt in Bad Ems blieben die Erträge im üblichen Rahmen. Steigende Brot- oder Brötchenpreise blieben somit aus. 

Engpässe beim Tierfutter

Wegen der großen Hitze kam es in bestimmten Regionen jedoch zu Futterengpässen. Gerade im Osten, im Westerwald und Taunus fehlt jetzt das Futter, mit dem die Tiere über den Winter gebracht werden könnten, wie ein Sprecher des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau e.V. erläuterte.

Felder werden bewässert (Foto: picture-alliance / dpa)
Wegen der Hitze mussten Landwirte ihre Felder bewässern

Mit großen Erwartungen gehen dieser Tage die Winzer an die Weinlese. Vor allem der Rotwein könnte ein guter Jahrgang werden. Die Rotweintrauben sind besonders auf Wärme angewiesen, damit die Haut der Beeren eine intensive Farbe bekommt. Die Obsternte war sehr gut, aber reichlich früh, bilanziert Herbert Netter, Sprecher des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau e.V. "Bei den Kirschen mussten auch die späten Sorten schon Anfang Juli in sehr kurzer Zeit geerntet werden", sagte Netter. Normalerweise seien sie erst im August so weit. Statt acht Wochen hätten die Obstbauern nur vier Wochen Zeit gehabt.

Wassertemperaturen zu hoch für Fische

Für Fische in Flüssen und Seen sind die hohen Temperaturen und der dadurch entstehende Sauerstoffmangel tückisch. Ein akutes Fischsterben ist laut Umweltministerium jedoch nicht zu befürchten. Anfang August hatte die Temperatur des Rheins an Messstellen in Mainz und Koblenz bei etwa 28 Grad gelegen. Das Ministerium forderte deshalb Unternehmen wie die BASF in Ludwigshafen und das Kraftwerk Mainz-Wiesbaden, die Kühlwasser in den Rhein zurückleiten, zur Drosselung der Produktion auf.

Aktuell liegen die Temperaturen nach Angaben des Ministeriums bei 23,7 Grad in Mainz. Die Temperaturmittelwerte der Mosel, der Saar und der Nahe liegen ebenfalls deutlich unter 25 Grad. Des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid. So hat die Sommerhitze auch dazu geführt, dass in den rheinland-pfälzischen und saarländischen Wäldern mehr Bäume von Borkenkäfern befallen sind als sonst. Von einer dramatischen Entwicklung sprach das Umweltministerium des Saarlands. Für die Eiablage bohrt der Käfer Gänge in Rinde und Holz. Je trockener und heißer es ist, desto besser entwickelt er sich.

Dauer

Niedrigwasser auf dem Rhein sorgt für Probleme

Zwar ist die Schifffahrt auf dem Rhein nach wie vor möglich, doch der niedrige Wasserstand sorgt für Probleme. Am Pegel Koblenz etwa lag der Wasserstand zuletzt bei 67 Zentimetern, bis zum Wochenende wird er noch einmal auf 59 Zentimeter absinken. Viele Containerschiffe können deshalb nicht mehr voll beladen werden. Die Fahrgastschiffe der Reederei Köln-Düsseldorfer (KD) können seit Anfang August vier Anlegestellen am Mittelrhein nicht mehr anfahren: Assmannshausen (Hessen), Kamp-Bornhofen, Rhens und Oberlahnstein (Rheinland-Pfalz). Das Wasser sei dort nicht tief genug und die Schiffe entsprechend langsam unterwegs, sagte eine Sprecherin der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt AG.

Karibik-Feeling bei Oppenheim am Rhein (Foto: picture-alliance / dpa)
Karibik-Feeling bei Oppenheim am Rhein

Wenn die Suche nach Abkühlung zum Verhängnis wird

Je heißer es wird, desto mehr sehnen sich alle nach einer Abkühlung - und suchen sie im Rhein oder in Badeseen, selbst wenn sie nicht schwimmen können. Mitte August ertrank ein Mann im Rhein bei Worms. Er war an der gleichen Stelle in den Fluss gegangen, an der schon zuvor zwei Mädchen ertrunken waren. In einem See bei Böhl-Iggelheim (Rhein-Pfalz-Kreis) überlebten drei Erntehelfer im Juni einen Badeunfall nicht. Wie sich später herausstellte, waren sie betrunken. Auch im Herthasee bei Holzappel (Rhein-Lahn-Kreis) wurde eine Frau tot aufgefunden. Anfang August kamen drei junge Menschen in rheinland-pfälzischen Gewässern um.

Rauchen und Grillen verboten

Im waldreichen Rheinland-Pfalz herrschte in den vergangenen Monaten erhöhte Wachsamkeit. Rauchen und das Entzünden von Feuer waren und sind verboten. Im Westerwald konnten Einsatzkräfte Mitte August einen Brand noch rechtzeitig verhindern. Ein Feuer war in einem Wald bei Mudenbach in Richtung Borod ausgebrochen und circa 15 Quadratmeter Unterholz in Brand geraten.

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