Rollstuhlfahrer an Bahngleis (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Andreas Arnold)

Der SWR Bahnreport "Nord-Süd-Gefälle" bei barrierefreien Bahnhöfen in Rheinland-Pfalz

Drei Viertel der Bahnhöfe in Rheinland-Pfalz sind barrierefrei. Doch gibt es immer noch Stationen, die für bewegungseingeschränkte Fahrgäste zur Herausforderung werden. Der Landesbehindertenbeauftragte Rösch spricht von einem "Nord-Süd-Gefälle".

Mit dem Zug zu Verwandten oder Freunden fahren - einfach und umweltfreundlich. Doch für einige Menschen ist die Reise schon vorbei, bevor sie richtig angefangen hat. Steile Treppen und zu hohe Bahnsteige bremsen sie aus - etwa am Ludwigshafener Hauptbahnhof (Stand: 2018). Mal führen steile Stufen, mal eine Rolltreppe, die für Rollstuhlfahrer zum Hindernis werden, zum Bahnsteig. Auch das Einsteigen in den Zug ist für mobileingeschränkte Menschen nicht ohne Hilfe möglich. Eine Rampe oder ein Hublift kommen dann zum Einsatz - oder Personal des Mobilitätsservice der Deutschen Bahn muss helfen.

Dauer

Wenig Barrierefreiheit im Norden von Rheinland-Pfalz

Doch der Süden von Rheinland-Pfalz ist gar nicht das Problem, meint der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Matthias Rösch. Er ist selbst Rollstuhlfahrer und oft mit Bus und Bahn im Land unterwegs. "Es gibt ein Nord-Süd-Gefälle beim barrierefreien Ausbau der Bahnstationen und im ÖPNV." Vor allem im Mittelrheintal und im nördlichen Rheinland-Pfalz müsse noch viel getan werden.

Problembahnhöfe, die so schnell wie möglich barrierefrei umgebaut werden sollten, seien etwa Bad Münster am Stein, Kirn oder Engers. "Der Bahnhof Neuwied-Engers ist zwar nicht groß, aber dort gibt es viele Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen", erläutert Rösch. In dem Neuwieder Stadtteil ist etwa eine Behindertenwerkstatt und auch ein Wohnheim für Behinderte angesiedelt.

Große Defizite an kleineren Bahnstationen

Rösch wünscht sich, dass es wieder ein Programm für kleinere Bahnstationen geben sollte. "Da wäre eine Neuauflage des Projekts wichtig." Denn vor allem an kleinen Bahnhöfen gebe es Defizite. Er hoffe, dass binnen zehn Jahren alle Bahnhöfe in Rheinland-Pfalz barrierefrei seien.

Im Nahverkehr sieht der Landesbeauftragte für Behinderte große Fortschritte bei den Zugmodellen. Probleme gebe es mehr bei den Fernzügen, da sei man als Rollstuhlfahrer auf Hilfe angewiesen. Doch die Servicezeiten sind begrenzt. "Nach 22:30 Uhr kann man mit dem Rollstuhl in Mainz zum Beispiel nicht mehr aus dem ICE oder IC aussteigen", schildert Rösch.

So hilft die Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn bietet mit der Mobilitätsservice-Zentrale Menschen mit Behinderungen und Mobilitätseinschränkungen Hilfe bei der Planung und Durchführung ihrer Reise. 2018 wurde dieses Angebot 850.000 Mal genutzt. "Die Zahl ist in den zurückliegenden vier Jahren um rund 50 Prozent gestiegen", erläutert eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Demnach arbeite die Bahn daran, dem wachsenden Bedarf nach dem Mobilitätsservice nachzukommen. Bei starkem Reiseverkehr - etwa vor oder nach Feiertagen - könne es zu Engpässen kommen. Es werde aber grundsätzlich versucht, Züge barrierefrei zu gestalten.

Auch der rheinland-pfälzischen Landesregierung ist das ein zentrales Anliegen. Zwischen 1996 und 2017 wurden laut Verkehrsministerium etwa 296 Millionen Euro für den Umbau von Bahnhöfen investiert. Von den 418 Bahnhaltestellen im Land seien an Dreiviertel der Bahnhöfe die Bahnsteige stufenfrei erreichbar. 192 der Verkehrsstationen seien vollständig und 27 teilweise mit einem taktilen Leitsystem für Sehbehinderte ausgestattet. In den kommenden Jahren sind etwa 70 weitere Vorhaben in Planung.

AUTOR/IN
STAND