Seniorin am Steuer (Foto: picture-alliance / dpa)

Sollten Senioren Fahrprüfungen ablegen? Ältere verursachen häufiger Unfälle

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Immer öfter sind Senioren an Unfällen beteiligt und immer öfter sind sie Hauptverursacher dieser Unfälle. Aber fahren die Über-65-Jährigen wirklich schlechter?

"Gas und Bremse verwechselt", "Radfahrer übersehen" oder Missachtung der Vorfahrt wie am Sonntagabend im Westerwald, so lauten oft die Schlagzeilen, wenn Senioren an Verkehrsunfällen beteiligt sind.

Es folgen Fragen wie diese: Soll es verbindliche Tests für ältere Autofahrer geben? Und fahren Senioren überhaupt wirklich schlechter? Ein Blick auf die Unfallzahlen ergibt ein deutliches Bild: Laut Statistischem Bundesamt haben ältere Autofahrer (65+) im Jahr 2017 nur 15 Prozent der Unfälle verursacht, obwohl sie 21 Prozent der Bevölkerung stellen.

Das dürfte aber auch daran liegen, "dass ältere Menschen nicht mehr täglich zur Arbeit fahren und somit seltener als jüngere am Straßenverkehr teilnehmen", heißt es in der Studie "Unfälle von Senioren im Straßenverkehr". Auch die Pkw-Verfügbarkeit älterer Menschen, insbesondere älterer Frauen sei erheblich geringer als die der übrigen Erwachsenen.

Ältere verursachen häufiger Unfälle

Allerdings zeigt die gleiche Studie auch, dass der Anteil der Unfallverursacher mit dem Alter stetig zunimmt. So sind die Über-75-Jährigen, die an einem Unfall beteiligt waren, in fast dreiviertel aller Fälle auch die Schuldigen.

Zudem ist die Zahl der Senioren, die Hauptverursacher von Unfällen mit Personenschaden waren, in Deutschland seit dem Jahr 2000 kontinuierlich angestiegen: von 27.414 auf 42.897. Dabei muss aber auch die demografische Entwicklung berücksichtigt werden - die Menschen werden immer älter und sie fahren immer länger Auto.

Führerschein gegen ÖPNV-Ticket

Viele Städte reagieren auf die vermehrten Unfälle und bieten den Senioren Alternativen zum Auto. So hat Biberach eine Aktion ins Leben gerufen, bei der Autofahrer ab 65 Jahren ihren Führerschein gegen eine einmalige Jahreskarte für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) eintauschen können. Mit Erfolg: Bisher haben mehr als 100 Menschen das Angebot angenommen.

Aber für die Mehrzahl der autofahrenden Senioren kommt eine solche Lösung nicht in Frage. Sie fühlen sich in der Regel nach wie vor sicher am Steuer, berufen sich auf Erfahrung und langjährige Fahrpraxis. Viele fürchten aber auch um ihre Unabhängigkeit und Freiheit, wenn sie kein Auto mehr haben - vor allem in weniger dicht besiedelten Gebieten mit einem schlechten ÖPNV-Angebot.

Führerscheinentzug

Auch zwangsweise kann ein Führerschein entzogen werden. Laut Bußgeldkatalog 2018 rechtfertigen körperliche, geistige, aber auch charakterliche Mängel einen Führerscheinentzug. Allerdings ist dabei nicht klar definiert, was "ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen" genau ist. Zweifelt eine Behörde aufgrund eines Unfalls an der Fahreignung eines Älteren, so kann eine medizinische Untersuchung angeordnet werden, bei der vor allem Sehen, Hören sowie physische und psychische Gesundheit geprüft werden.

Eine generelle Überprüfung der Fahrtüchtigkeit - wie etwa in Spanien, Italien oder den Niederlanden - gibt es in Deutschland nicht. Alle Führerscheine, die seit Januar 2013 ausgestellt wurden, müssen alle 15 Jahre verlängert werden. Dazu genügen allerdings ein Foto und 24 Euro Bearbeitungsgebühr. Viele fordern, dass Autofahrer ab einem bestimmten Alter generell überprüft werden sollen - bislang vergeblich.

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