Ein Auszubildender arbeitet im Daimler-Ausbildungszentrum in einem neuen Industrie-4.0-Labor an einer virtuellen Schweißmaschine. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)

Fehlende Lehrer, fehlende Technik, marode Gebäude DGB-Ausbildungsreport zeigt Mängel bei digitaler Schulung

Die rheinland-pfälzische Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen und sucht händeringend Fachkräfte. Doch bei der Ausbildung mangelt es laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) an zentraler Stelle.

Auszubildende in Rheinland-Pfalz werden nach Ansicht des DGB nur unzureichend auf die komplexe und technisch geprägte Arbeitswelt vorbereitet. DGB-Landeschef Dietmar Muscheid sieht "dringenden Handlungsbedarf" und forderte am Mittwoch bei der Vorstellung des DGB-Ausbildungsreports für 2019 eine bessere Ausstattung vor allem in den Berufsschulen. "Marode und heruntergekommene Gebäude sowie fehlende technische Ausstattung und ein Mangel an Lehrpersonal sind keine Grundlage für eine Ausbildung 4.0", sagte er.

Für den Report hat der DGB nach eigenen Angaben im September 2018 landesweit knapp 1.000 Azubis befragt, von Industriemechanikern bis hin zu Friseuren oder medizinischen Fachangestellten. Unter dem Strich gab knapp die Hälfte an, in der Ausbildung nicht gezielt für die Nutzung digitaler Technologien qualifiziert zu werden.

Große Unterschiede zwischen Branchen

Zwischen den einzelnen Branchen variierte dieser Wert allerdings stark: Bei Fachinformatikern antworteten beispielsweise 92,5 Prozent mit "ja" oder "eher ja" auf die Frage, ob sie gezielt qualifiziert werden. Bei Kaufleuten für Büromanagement waren es 70,5 Prozent, auf den niedrigsten Wert kamen Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk mit nur 13,5 Prozent.

Die Bezirksjugendsekretärin des DGB Rheinland-Pfalz/Saarland, Maria Leurs, sagte, die Digitalisierung im Lebensmittelhandwerk spiele auf den ersten Blick keine so große Rolle, doch das täusche. In Bäckereien und Metzgereien hätten Fachverkäufer mit digitalen Kassensystemen zu tun - und das werde angesichts der zum Jahresbeginn eingeführten Kassenbonpflicht mehr. Zudem seien beispielsweise Häcksler oder Backautomaten in Betrieben im Einsatz.

Nicht genügend technische Geräte vorhanden

Dem DGB-Ausbildungsreport zufolge bekommen branchenübergreifend zwei Drittel der Azubis keine technischen Geräte wie Smartphones, Tablets oder Laptops von ihrem Betrieb. Die Ausstattung der Berufsschulen beurteilten rund 35 Prozent der Befragten als mangelhaft oder allemal ausreichend. Eine angemessene Ausstattung reiche vom Beamer über Whiteboards und Laptops bis hin zu Simulationsprogrammen, um das Führen von Maschinen zu trainieren, erläuterte Leurs. Betriebe argumentierten meist mit den Kosten für die Geräte.

Auch der Verband der Berufsschullehrer sieht Probleme. Die digitale Transformation des Unterrichts in der Berufsschule komme in weiten Teilen von Rheinland-Pfalz nicht so richtig voran, sagte der Landesvorsitzende Harry Wunschel. In der Fläche warteten viele berufsbildende Schulen noch immer auf den Aufbau eines schnellen WLAN-Netzes. Zudem brauche es in Berufsschulen auch branchenspezifische und branchenübergreifende Software. Dies könnten die Schulträger nicht immer finanziell stemmen, das Land müsse zur Seite stehen. Auch die Weiterbildung für viele Lehrkräfte werde vom Land immer noch "sehr stiefmütterlich behandelt", kritisierte Wunschel.

Überstunden und ausbildungsfremde Tätigkeiten

Mängel sieht der DGB auch abseits der Digitalisierung. Angebot und Nachfrage klafften am Ausbildungsmarkt weiter auseinander, sagte Muscheid. Unbesetzt blieben häufig Ausbildungsplätze, die bei Azubi-Befragungen negativ beurteilt würden, etwa im Dienstleistungssektor. Leurs beklagte zudem, über 38 Prozent der für den Report befragten Azubis müssten regelmäßig Überstunden schieben. Knapp 16 Prozent der Azubis sagten dem DGB zufolge, häufig oder immer ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen zu müssen. Dennoch sind laut dem Report rund 67 Prozent der Azubis mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden.

STAND