Laptops auf Tisch (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/KEYSTONE)

Schreibtisch mieten und loslegen Wie Coworking die Arbeitswelt verändern kann

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In den großen Städten gibt es sie schon eine ganze Weile. Aber auch auf dem Dorf sind Coworking Spaces, also angemietete Arbeitsräume, im Kommen. Zwei Beispiele aus Rheinland-Pfalz.

Hippe Möbel, moderne Schreibtische, Laptops, eine schnelle Internetverbindung und das Ganze verpackt in einer ehemaligen Güterwagenhalle nahe des Mainzer Hauptbahnhofs. Seit 2016 bietet das Unternehmen M1 sogenannte Coworking Spaces an, Arbeitsplätze für Jedermann, die für verschiedene Zeiträume angemietet werden können.

So kostet ein Arbeitsplatz für einen Tag beispielsweise 20 Euro, aber auch wochen- oder monatsweise kann man sich seinen Platz sichern. Neben diesem klassischen Coworking-Bereich gibt es Teambüros, die man als Einheit komplett für sich hat, und die meist längerfristig belegt sind.

Das Angebot kommt an

"Die Leute hier sind bunt gemischt", erzählt Geschäftsführerin Anne Meytzeich. "Wir haben Freelancer, Gründer oder auch künftige Unternehmer." Auch Studenten, die ihre Doktorarbeit schreiben, nutzen das Angebot. Das Einzugsgebiet reiche inzwischen weit über die Landeshauptstadt hinaus.

Anne Meytzeich an einem der Coworking-Plätze in Mainz (Foto: Achim Reisser)
Anne Meytzeich an einem der Coworking-Plätze in Mainz Achim Reisser

Flexibler, vernetzter und für viele einfach bequemer als ein eigenes Büro einzurichten - das kommt an. Die Auslastung, so Meytzeich, sei gut. Vor allem die kommenden Monate nach den Sommerferien würde es wieder voll in den Räumen.

Viele verlagern auch einen ehemaligen Homeoffice-Arbeitsplatz in die Räume des M1. "Die Leute haben gemerkt, dass sie zu Hause nicht mehr richtig produktiv sind", glaubt Meytzeich. Im Coworking Space sei es eben weniger einsam. Ein weiterer Vorteil zum Homeoffice: In Konferenzräumen können auch mal Geschäftspartner empfangen werden.

Weniger pendeln, mehr Lebensqualität

Coworking-Angebote gibt es mittlerweile auch in Trier, Kaiserslautern oder Bad Kreuznach. Die Szene wächst. Und das nicht nur in der Stadt. Als Alternative zum täglichen Pendeln haben inzwischen auch viele Menschen auf dem Land die Vorteile geteilter Arbeitsräume für sich entdeckt. Die bedeuten schlichtweg mehr Lebensqualität, auch wenn es nur ein, zwei Tage in der Woche sind.

In Prüm hat die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz gemeinsam mit der Verbandsgemeinde und dem Eifelkreis Bitburg-Prüm bereits vor zwei Jahren ein Modellprojekt gestartet. "Schreibtisch in Prüm" heißt es und vereint bis zu zehn Menschen unter einem Dach. Hier arbeiten beispielsweise ein Weinhändler und eine Bankangestellte Tür an Tür - in einem ehemaligen Kreisverwaltungsgebäude.

Weitere Projekte folgen

Nach Angaben der Entwicklungsagentur läuft das Projekt gut, wurde zunächst um ein Jahr verlängert, dann für drei weitere Jahre bis 2022. Die Erkenntnisse werden regelmäßig evaluiert und sollen nun die Grundlage für weitere Projekte sein.

Dauer

Drei weitere Kommunen sollen noch in diesem Jahr einen Coworking Space bekommen. Bewerben konnten sich die Gemeinden über einen Wettbewerb der Entwicklungsagentur. Bis zu 100.000 Euro Förderung sind möglich.

Nicht für jeden geeignet

Klar ist aber auch: Nicht zu jedem Job und jedem Beschäftigungsverhältnis passt die Idee des Coworking - egal ob Stadt oder Land. Von dieser Art des flexiblen Arbeitens haben Schichtarbeiter oder Handwerker beispielsweise nichts.

Und auch moderne Sparten sind nicht per se Coworking geeignet. "Wir hatten auch schon Mieter aus der Start-Up-Welt, die ihren Fokus einfach mehr aus dem Digitalen haben und eine ganz andere Arbeitsatmosphäre als unsere Büros suchen", sagt Anne Meytzeich vom M1. "Da hat unser Angebot eben nicht wirklich gepasst, aber auch das ist völlig in Ordnung."

Sie glaubt, dass die Zahl der Gründer künftig weiter steigen wird - auch nebenberuflich. Und: Dass auch viele große Unternehmen ihre Strukturen in Zukunft verändern werden. "Modulare Arbeitsplätze wie das Coworking sind dafür einfach perfekt geeignet", so Meytzeich.

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