Das Bild zeigt einen Rettungssanitäter in einer Klinik - wie erst jetzt bekannt wurde, konnten unmittelbar nach dem Hackerangriff kein Notfallaufnahme gemacht werden  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Andreas Arnold/dpa)

Computervirus in Klinikverbund Hacker-Attacke in Rheinland-Pfalz laut BSI bundesweit einmalig

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Die Hacker-Attacke in einem Krankenhausverbund in Rheinland-Pfalz ist nach Einschätzung der Bundesbehörde BSI bundesweit der erste Fall dieser Art. 20 Einrichtungen waren betroffen.

Bisher sei bundesweit kein Fall bekannt, bei dem ein Krankenhausverbund mit so vielen Einrichtungen betroffen war, teilte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) dem SWR mit.

Hacker-Attacke: Mehrere Kliniken betroffen

Bisher habe es Hackerangriffe nur in einzelnen Krankenhäusern gegeben. Im aktuellen Fall ist der Krankenhausverbund in Trägergesellschaft des Deutschen Roten Kreuzes Süd-West mit rund 20 Einrichtungen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland betroffen, darunter Krankenhäuser und Tageskliniken, sowie mehrere medizinische Versorgungszentren mit angeschlossenen Arztpraxen.

Dort hatte ein Trojaner Server und Datenbanken verschlüsselt, so dass Mitarbeiter nicht mehr darauf zugreifen konnten. In der Folge habe die Aufnahme von Patienten mit Kugelschreiber und Papier stattgefunden.

Keine Notfälle zu Beginn des Angriffs

Wie erst jetzt bekannt wurde, konnten die Krankenhäuser laut dem Geschäftsführer der DRK-Trägergesellschaft, Bernd Decker, zu Beginn der Attacke stundenlang keine Notfallaufnahmen machen. Es seien aber keine Patientendaten abgegriffen worden, heißt es.

Ein BSI-Sprecher sagte dem SWR, ein Team aus Experten der Bundesbehörde helfe vor Ort dabei, die Netzwerke wieder herzurichten. Zum Teil hatte es mehr als eine Woche gedauert, bis die letzten Server wieder am Netz waren. So sind nach Angaben der Geschäftsführung die Computer im Krankenhaus in Asbach im Landkreis Neuwied erst am Mittwoch wieder hochgefahren worden.

Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft wird wegen Computersabotage und versuchter Erpressung ermittelt. Einem Bericht des Saarländischen Rundfunks zufolge soll ein vierstelliger Dollar-Betrag gefordert worden sein, Lösegeld sei aber nicht gezahlt worden.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Runder Tisch zu IT-Sicherheit

Wer hinter der Attacke steckt, ist noch unklar. Die Ermittlungen führt das Landeskriminalamt zusammen mit der Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz. Der Landes-Datenschutzbeauftragte hatte die Attacke als bisher größte dieser Art in Rheinland-Pfalz eingestuft. Die Landesregierung kündigte einen runden Tisch zum Thema IT-Sicherheit in Krankenhäusern an.

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