Die bundesweite Notruf-App kommt 2020 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Robert Guenther)

Bessere Ortung und barrierefrei Bundesweite Notruf-App soll 2020 kommen

Ab 2020 wird es möglich sein, mit einer Notruf-App Hilfe zu rufen - bundesweit. Der genaue Standort wird automatisch übermittelt, weitere Infos können lautlos per Chat mitgeteilt werden.

Die App sei notwendig, um Personen, die den sprachbasierten Notrufdienst 112 und 110 zum Beispiel aufgrund einer Hör- und Sprachbehinderung nicht nutzen könnten, einen gleichberechtigten Zugang zu den Notrufdiensten bieten zu können, teilte das rheinland-pfälzische Innenministerium auf SWR-Anfrage mit.

Die bislang hierfür genutzten Notruf-Fax-Dienste entsprächen weder dem aktuellen Stand der Technik noch den einschlägigen Vorgaben, welche die Europäische Union ihren Mitgliedsstaaten macht. Eine Möglichkeit, Bilder und Videos per App vom Ereignisort zu übertragen, soll es aber zumindest in Rheinland-Pfalz vorerst nicht geben.

Exakte Ortsbestimmung

Der Standort (Geoposition) der meldenden Person wird vom Smartphone oder Tablet an die Leitstelle übermittelt. Die Notruf-App ermöglicht so eine genaue Ortsbestimmung.

War der Verunglückte selbst nicht in der Lage sich zu orientieren, wurde der Leitstelle bislang nur die Funkzelle angezeigt, in der ein Anrufer sich befand.

Zudem kann über die neue App unbemerkt ein Notruf in Situationen abgesetzt werden, in denen man sich mit einem Telefongespräch möglicherweise selbst in Gefahr begeben würde.

Dauer

Kein Missbrauch erwartet

Um die App nutzen zu können, muss man sich vorab registrieren. Das beuge auch einem Anstieg der Notrufmissbräuche in Form von Spaßanrufen vor, so das Ministerium.

Dies geschehe analog zum sprachbasierten mobilen Notrufdienst, bei dem ein Notruf ohne eine gültige SIM-Karte, für welche man sich ebenfalls persönlich identifizieren müsse, nicht möglich sei.

Aktivierung zeitlich in allen Bundesländern

Die deutschlandweite Notruf-App ist unter Federführung des Bundeswirtschaftsministeriums entwickelt worden. Derzeit befänden sich die Bundesländer in der Vorbereitung einer Ländervereinbarung, die die weiteren Prozesse hierzu regeln soll, so das Innenministerium.

Ziel sei es, mit der Ausschreibung für das System noch in diesem Jahr zu beginnen. Die App solle im kommenden Jahr zeitgleich in allen Bundesländern als Anwendung für Smartphones und Tablets einsatzbereit sein.

Zahl der Rettungsdiensteinsätze wächst stetig

Schon jetzt berichten die Leitstellen in Rheinland-Pfalz von einer starken Zunahme der Meldungen. Aus der Einsatzstatistik der Rettungsdienste geht hervor, dass sich zwischen 1993 und 2018 die Zahl der Rettungseinsätze um über die Hälfte erhöht hat, von 421.000 auf zwischenzeitlich mehr als eine Million jährlich (2017: 1.006.200).

Im Jahr 2018 wurden 948.766 bodengebundene Einsätze verzeichnet. Ein Anstieg um 125 Prozent im Vergleich zu 1993.

Dauer
STAND