Schädling in Rheinland-Pfalz Mühsamer Kampf gegen Borkenkäfer

Immer mehr Fichten in Rheinland-Pfalz sterben wegen Borkenkäfern. Im Hitzejahr 2018 war die Zahl der Schädlinge in den Wäldern explodiert. Jetzt muss eine dauerhafte Lösung her.

Zuerst sieht man den befallenen Fichten nur wenig an: In der Rinde gibt es Einbohrlöcher, auf dem Boden um den Baum liegt Bohrmehl. Doch dann wird die Baumkrone braun - der Baum stirbt ab. Im trockenen und warmen Jahr 2018 konnte sich der Borkenkäfer in Rheinland-Pfalz stark vermehren. In den Wäldern richtete er viel Schaden an.

Borkenkäfer auf einer Hand (Foto: SWR)
Ein Borkenkäfer ist nur rund vier Milimeter groß, kann aber erheblichen Schaden anrichten

"Europaweite Borkenkäferkatastrophe"

Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Käfers gibt es nur wenige. Jetzt werden befallene Bäume, die unter ihrer Rinde noch Käfer enthalten, gefällt und aus dem Wald gebracht. Dass die befallenen Bäume nicht im Wald liegen bleiben, ist dabei besonders wichtig, sagt Carmen Barth, Forstamtsleiterin im Forstamt Koblenz. Alleine in ihrem Bereich wurden bereits 12.000 bis 15.000 Bäume gefällt. Sie spricht von einer "europaweiten Borkenkäferkatastrophe".

Nach Angaben des Ministeriums für Forsten sind 2018 in Rheinland-Pfalz insgesamt 3.000 Hektar Bäume wegen Borkenkäfern gefällt worden. "Das entspricht der Fläche von 5.000 Fußballfeldern", verdeutlicht eine Sprecherin des Ministeriums. Die geschätzten unmittelbaren Schäden durch den Schädling betragen in Rheinland-Pfalz im Jahr 2018 mindestens 20 Millionen Euro, so das Ministerium.

Larve eines Borkenkäfers (Foto: picture-alliance / Reportdienste)
Die Larven des Borkenkäfers blockieren den Wassertransport der Fichten

Pestizide keine Option

Die großen Probleme verursacht der sogenannte Buchdrucker. Er befällt vor allem Fichten. Ausrotten lässt er sich nicht. "Pestizide sind keine Option", stellt die Sprecherin des Ministeriums klar. Es gebe kein Mittel, das ausschließlich gegen Borkenkäfer wirke. Neben dem Monitoring und Fällen kranker Bäume in gefährdeten Gebieten bliebe als Option, andere Baumarten wie Buche oder Weißtanne anzupflanzen.

Laut Forstamtsleiterin Carmen Barth verabschieden sich die Fichten immer mehr aus den Wäldern. "Fichten sind die Verlierer bei uns im Wald", sagt sie. Dabei sei dies in Rheinland-Pfalz die wirtschaftliche Hauptbaumart. Üblicherweise suche sich der Käfer auch nur die schwächeren Bäume aus. "Aber durch die Trockenheit waren im letzten Jahr alle Bäume gestresst. Da hatte er leichtes Spiel", erklärt sie. Der Borkenkäfer legt unter der Rinde seine Eier ab und fliegt weiter. Die Larven blockieren dann den Wassertransport in die Baumkrone. Der Baum wird krank.

Hoffen auf feucht-kühles Wetter

Im Moment befinden sich die Borkenkäfer in einer Art Winterstarre unter der Rinde. Sie überstehen auch sehr kalte Temperaturen und werden ab 15 Grad wieder aktiv. Ideal wäre nun "viel kühles Frühlingsschmuddelwetter", sagt Försterin Carmen Barth. Die Larven wären dann anfälliger für Pilzbefall, außerdem würden die Käfer später mit der Fortpflanzung beginnen - so hätte man mehr Zeit zum Fällen.

Trotzdem erwartet die Försterin "mindestens zwei weitere heftige Käferjahre". Man würde bereits mit einer sehr hohen Population starten. Eine langfristige Lösung sieht auch sie in der Wiederaufforstung mit anderen, klimastabileren Bäumen. Für den Umbau brauche man jedoch mehr Personal und dafür eine höhere Finanzierung vom Bund.

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