Ein Haus mit 90.000 LED Lichtpunkten (Foto: picture-alliance / dpa)

Blinkende Fassaden, singende Weihnachtsmänner Wie viel Weihnachtsbeleuchtung ist erlaubt?

Lichterketten sind schon lange nicht mehr genug, heute projizieren Beamer Weihnachtsmotive an Hausfassaden und mit Luft aufgeblasene Weihnachtsmänner singen Weihnachtslieder. Doch wie viel ist eigentlich erlaubt?

Diese Frage stellen sich wahrscheinlich viele, die einen Blick aus dem Fenster in die Nachbarschaft werfen. Tatsächlich gibt es rechtliche Regelungen, die für Sicherheit und Nachtruhe sorgen sollen.

Die sogenannte anerkannte Sitte

"Wer seine Fenster mit einem Lichter-Deko-Meer aus LED Lichterketten schmückt, kann beruhigt sein. Laut einem Urteil des Landgerichts Berlin aus dem Jahr 2010 handelt es sich um eine anerkannte und weit verbreitete Sitte, die dem Eigentümer nicht verboten werden darf", erklärt Rechtsanwalt Ralf Schönfeld, Verbandsdirektor von Haus & Grund Rheinland-Pfalz. Allerdings solle die gesetzte Nachtruhe eingehalten werden, also die Lichterdekoration von 22 Uhr bis 6 Uhr abgeschaltet werden.

Ein mit 20.000 Lichtern geschmücktes Haus in Mayen (Foto: picture-alliance / dpa)
Ein mit 20.000 Lichtern geschmücktes Haus in Mayen

Auch beliebt sind zurzeit Beamer, die Hausfassaden beleuchten. "Generell gilt, Hauseigentümer dürfen ihre Fassaden bestrahlen, solange das ortsübliche Maß nicht überschritten wird", sagt Schönfeld. Die sogenannte Ortsüblichkeit hänge davon ab, wie die übrigen Bewohner in der Region ihre Weihnachtsbeleuchtung handhaben. "Das gilt auch für LED-Lichter in sämtlichen Variationen", ergänzt der Rechtsanwalt.

Allerdings sei es wichtig darauf zu achten, dass die Dekoration Wind- und Schneelast standhalten kann, sagt der Experte. Denn jeder Eigentümer müsse den Verkehrsicherungspflichten nachkommen.

Weihnachtsbeleuchtung ist laut § 906 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) eine sogenannte "unwägbare Immission" und darf nicht wesentlich heller sein als die sonstige Beleuchtung vor Ort. 

Nachtruhe ist wichtig

Es gibt allerdings auch Grenzen, die Eigentümer einhalten sollten: Wenn sich Anwohner durch das Blinken und Leuchten gestört fühlen, sollten die Eigentümer auf die Nachbarschaft Rücksicht nehmen. Das gilt vor allem dann, wenn die Dekoration blinkt oder sogar Musik abspielt. "Denn Nachbarn dürfen nicht gezwungen werden, in der Weihnachtszeit mit heruntergelassenen Rollläden leben zu müssen", sagt Schönfeld. Besonders das Schlafbedürfnis der Nachbarn müsse respektiert werden. Die Art der Beeinträchtigung hänge allerdings vom Einzelfall ab.

Bei Mietern gilt: Übermäßiges Leuchten oder Blinken ist kein Grund für eine fristlose Kündigung. Eine Abmahnung ist aber zulässig.

Landgericht Berlin

"Zudem können sich Eigentümer auch in den Städten- und Gemeindesatzungen über die Helligkeit informieren", so der Haus & Grund-Experte. Vielerorts seien Obergrenzen für die Dauer und Helligkeit der Beleuchtung festgelegt.

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