Passagiere stehen neben dem Büro von Condor und Thomas Cook im Flughafen Palma de Mallorca Schlange - Thomas Cook stoppt Reisen bis 13. Oktober (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Bis 31. Oktober geht nichts mehr Thomas Cook sagt Reisen für Herbstferien ab

Hiobsbotschaft für alle Familien in Rheinland-Pfalz, die während der Herbstferien mit Thomas Cook in den Urlaub fliegen wollten: Das insolvente Unternehmen stoppt weitere Reisen. Jetzt sogar bis zum 31. Oktober.

"Alle Reisen mit Antrittsdatum bis einschließlich Sonntag 13. Oktober 2019 sind leider nicht möglich", wurde bereits am Donnerstagmorgen Anrufern bei der Zentrale des Oberurseler Unternehmens per Bandansage mitgeteilt. Am späten Abend kam dann eine Pressemeldung, nach der alle Reisen bis einschließlich 31. Oktober nicht angetreten werden können, "auch wenn sie teilweise oder gänzlich bezahlt wurden".

Die davon betroffenen Gäste würden so schnell wie möglich vom Veranstalter informiert. "Dies gilt für die Veranstaltermarken Thomas Cook Signature, Thomas Cook Signature Finest Selection, Neckermann Reisen, ÖGER TOURS, Bucher Reisen und Air Marin." Für Reisen mit Reiseantrittsdatum ab dem 1. November 2019 werde in Abstimmung mit der Insolvenzversicherung die weitere Vorgehensweise geprüft, heißt es weiter.

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Kunden sollen Geld zurückbekommen, aber...

Gäste, die sich bereits im Zielgebiet befinden und deren Reise einen Sicherungsschein enthält, können den Angaben nach ihren Urlaub regulär bis zum geplanten Ende fortführen. Hotelpartner sowie die Transferagenturen und Airlinepartner hätten eine Kostenübernahmeerklärung der Insolvenzversicherung erhalten.

Thomas Cook versicherte, dass Kunden die Rückreise bezahlt bekommen. Zahlungen für gebuchte Reisen werden ebenfalls erstattet - allerdings nur bis zu 110 Millionen Euro. Dies entspricht der Summe, die in der deutschen Pauschalreise-Richtlinie als Obergrenze festgeschrieben ist. Bei Überschreiten dieser Summe sollen die Kunden nur eine anteilige Erstattung erhalten.

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Buchungen können nicht storniert werden

Die gestoppten Reisen betreffen sowohl Pauschalreisen als auch gebuchte Einzelleistungen (Nur-Hotel Buchungen und Nur-Flug Buchungen). In Abstimmung mit der Insolvenzversicherung werde das weitere Vorgehen geprüft, heißt es in der schriftlichen Erklärung. "Buchungen können derzeit leider nicht geändert oder storniert werden."

Die Schadensabwicklung übernehme der Dienstleister KAERA im Auftrag der Zurich Insurance. Telefon 06172/99761123. Die Website der KAERA war am Donnerstagmorgen vermutlich überlastet und nicht erreichbar.

Spiegel kritisiert Bundesregierung

Die rheinland-pfälzische Verbraucherschutzministerin Anne Spiegel (Grüne) fordert die Bundesregierung auf, mehr als 110 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Denn mit dieser Summe werde "man es gerade schaffen, diejenigen, die sich jetzt im Urlaub befinden, zurückzuholen. Aber für diejenigen, deren Urlaub vor der Tür steht, wird das Geld nicht mehr reichen", sagte sie dem SWR.

Die britische Thomas Cook hatte am Montag Insolvenz angemeldet, die Deutschland-Tochter mit Sitz in Oberursel bei Frankfurt folgte am Mittwoch. Das immer teurer werdende Pfund und die Ungewissheit durch den Brexit nannte der Tourismus-Experte Christian Buer von der Hochschule Heilbronn im Interview mit SWR Aktuell als Ursachen für die Insolvenz. Außerdem seien die Margen für die Pauschalreisen nicht sehr groß gewesen. Auf "dünnem Eis" habe der Reiseveranstalter versucht, die Masse abzuholen.

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