Ein Schloss wird durch einen Schlüsseldienst geöffnet (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Abzocke bei Türöffnungen Landespolitik will gegen unseriöse Schlüsseldienste vorgehen

Für wenige Minuten Arbeit verlangen unseriöse Schlüsseldienste hunderte oder sogar tausende Euro. Jetzt will die rheinland-pfälzische Landespolitik dagegen vorgehen.

1.493 Euro für eine Türöffnung in Frankenthal, 700 Euro für ein Schloss in Mainz und stolze 2.500 Euro in Neustadt an der Weinstraße: 103 Beschwerden über unseriöse Schlüsseldienste gab es bei der Verbraucherzentrale im vergangenen Jahr. 2019 wurden bis Ende Juni 39 Beschwerden registriert. Die Verbraucherzentrale geht aber von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.

"Wir gehen davon aus, dass wir nur die Spitze des Eisbergs erfassen. Wir kennen das Phänomen Abzocke durch Schlüsseldienste seit Jahren und kämpfen auch seit Jahren dagegen an", sagt Julia Gerhards von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz im Interview mit Zur Sache Rheinland-Pfalz.

Die Masche sei immer gleich: Der Schlüsseldienst täusche online oder durch seine Telefonvorwahl vor, ein Betrieb aus dem Ort zu sein. Der Anruf werde jedoch über ein bundesweites Call Center geleitet. Tatsächlich haben die Handwerker eine deutlich längere Anfahrt. Gerhards spricht von bis zu zwei Stunden. Ist die Tür geöffnet, verlangt der Schlüsseldienst überhöhte Preise, oft in bar. Für die Verbraucher sei das nicht transparent. Gerhards nennt diese Strukturen organisiert und kriminell: "Das sind eben nicht drei kleine Einzeltäter, sondern das ist ein bundesweites Phänomen."

Schlüsseldienste Thema in der Landespolitik

Inzwischen beschäftigt sich auch die rheinland-pfälzische Landespolitik mit dem Thema. In einem gemeinsamen Antrag forderten die Fraktionen von SPD, FDP und Grünen die Landesregierung unter anderem dazu auf, sich für eine verpflichtende bundesweite Vorlage der Preisverzeichnisse an die Behörden einzusetzen. Außerdem sollen die Preise im Internet veröffentlicht werden müssen. Noch in diesem Monat soll nach SWR-Informationen im Ausschuss für Verbraucherschutz über das Thema beraten werden.

Für die Verbraucherzentrale reicht der Vorschlag zu verpflichtenden Preislisten nicht aus. "Ich denke, das trifft vor allem diejenigen, die sich noch innerhalb dieser Rechtsordnung bewegen wollen", sagt Gerhards. Schlüsseldienste, die von vorneherein Verbraucher abzocken wollten, würde man damit nicht erreichen. "Wir brauchen endlich wirkungsvolle strafrechtliche Ermittlungen", fordert sie. "Es fehlt an einer Gesamtschau und es fehlt an einem Vorgehen gegen diese Strukturen."

Diesem Vorwurf widerspricht Staatssekretärin Nicole Steingaß aus dem rheinland-pfälzischen Innenministerium. "Die Polizeien der Länder und des Bundes stehen im ständigen Austausch zu Informationen zu möglichen Straftätern oder auch zu Firmen, die Straftaten begehen", so Steingaß. Das Landeskriminalamt arbeite außerdem im Bereich der Prävention mit der Vebraucherzentrale zusammen. Sie warnt davor, alle Anbieter über einen Kamm zu scheren. "Es gibt bei den Schlüsseldiensten solche Unternehmen. Aber wir haben keine mafiösen Strukturen in Rheinland-Pfalz."

STAND