Mit Sichtschutzwänden soll Gaffern das Gaffen unmöglich gemacht werden. (Foto: picture-alliance / dpa)

Sichtschutz an Unfallstellen Anti-Gaffer-Wände nur selten im Einsatz

Unfall auf der einen Seite, Gafferstau auf der anderen: Seit Jahresbeginn sind Autobahnmeistereien in Rheinland-Pfalz mit Sichtschutzwänden ausgestattet, doch sie kommen kaum zum Einsatz.

Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) hatte im März die an Bauzäune erinnernden Sichtschutzwände mit Stahlrohrrahmen und grüner Folie an die Autobahnmeistereien Wattenheim an der A6 und Heiligenroth an der A3 ausgeliefert.

Sie sollen vor neugierigenn Blicken auf Unfälle schützen und damit auch Staus vermeiden, doch oft bleiben sie auch bei schweren Unfällen im Depot. Im Bereich der Autobahnmeisterei Heiligenroth wurden die Wände seit März dreimal angefordert und einmal aufgestellt. Im Bereich der Autobahnmeisterei Wattenheim an der A6 kamen die Wände bislang noch nicht zum Einsatz, teilte der LBM auf SWR-Anfrage mit.

Kritik an zeitlichem Aufwand

Ein Feuerwehrsprecher hatte bereits Ende Juli den zeitlichen Aufwand des Aufbaus kritisiert. Es wäre hilfreicher, die Einsatzkräfte würden die Sichtschutzwände selbst mitführen. Es bringe nichts, wenn sie erst nach einer halben Stunde da seien.

"Das Aufstellen unserer Sichtschutzwände verläuft unabhängig von der Versorgung der Verletzten und ausschließlich auf Anforderung durch die zuständige Polizei", teilte der LBM auf SWR-Anfrage mit.

Innerhalb von 100 Minuten aufgebaut

Die Wände sollten binnen 100 Minuten an einer Unfallstelle stehen, die Versorgung von Verletzten hat jedoch Vorrang, hieß es zum Projektstart im März. Die Kosten pro Autobahnmeisterei lagen bei 50.000 Euro und wurden vom Bund getragen.

Auch in anderen Ländern wie beispielsweise Nordrhein-Westfalen, und seit Ende August auch Baden-Württemberg, werden sie bereits eingesetzt. Probleme bei bestimmten Wetterlagen waren schon von Beginn an bekannt. So können sie bei Windstärke 5 nicht mehr eingesetzt werden.

"Aus Gründen der Handhabbarkeit und des Transports sind die Elemente nur 2,50 Meter lang. Jede Meisterei erhält somit einen Einsatzanhänger mit 100 Meter Sichtschutzwand, bestehend aus insgesamt 40 Elementen pro Einheit", erklärte eine LBM-Sprecherin.

Immer wieder Behinderungen durch Gaffer

Im Zeitalter der Smartphones fotografieren und filmen immer wieder Schaulustige Unfälle aus ihren Autos. Damit können sie Rettungskräfte und Verkehr behindern, Staus und zusätzliche Unfälle auslösen und Persönlichkeitsrechte verletzen.

Zuletzt kritisierte die Kirner Polizei nach einem tödlichen Verkehrsunfall auf der B41 bei Bad Sobernheim das rücksichtslose Verhalten von Gaffern.

Videostreifen gegen Moralverfall

Zur Abschreckung von Gaffern, die mitten auf der Fahrbahn halten, um schwere Unfälle zu fotografieren, setzt die Polizei Hessen in einem Modellprojekt auf Onboard-Kameras in Streifenwagen.

Zwölf Fahrzeuge verfügen seit März über hochauflösende Heck- und Frontkameras. Damit können die Beamten auf dem Weg zum Einsatzort im Vorbeifahren dokumentieren, wenn unbelehrbare Fahrer die Rettungsgasse missachten.

Ganzes Maßnahmenpaket in Rheinland-Pfalz

Auch die rheinland-pfälzische Polizei nimmt sich mit zahlreichen Maßnahmen des Themas an. Neben der Videodokumentation setzt sie auch auf die Wahrnehmung der Streifen, Überwachung per Video von Brücken und Hubschraubern aus, teilte das Innenministerium auf SWR-Anfrage mit.

Die Polizei nehme zudem in unregelmäßigen Abständen Kontrollmaßnahmen zur Einhaltung der Rettungsgasse vor – insbesondere an Freitagen - , an denen "planbare Staus" entstünden.

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