Ein junger Bergahorn - wie wird in Rheinland-Pfalz wieder aufgeforstet (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Aufforstung nach Schäden Wie Rheinland-Pfalz die Lücken im Wald stopft

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Trockenheit und Borkenkäfer haben dem Wald stark zugesetzt, darum hatte Bundesagrarministerin Klöckner (CDU) zum Waldgipfel geladen. So wird in Rheinland-Pfalz der Wald fit für die Zukunft gemacht.

"Wir in Rheinland-Pfalz versuchen primär, den Wald über natürliche Verjüngung zu regenerieren", sagt Hans-Peter Ehrhart, der die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz (FAWF) in Trippstadt leitet. Damit ist gemeint, dass sich neue Pflanzen auf natürlichem Wege durch Samen und Eicheln entwickeln. Weil es aber 2018 so anhaltend trocken gewesen ist und es auch aktuell noch zu wenig Regen gibt, habe es eine Wiederaufforstung nur in geringem Umfang gegeben.

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22:00 Uhr
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SWR Fernsehen

500 Versuchsflächen im rheinland-pfälzischen Wald

Junge Bäume würden überwiegend ergänzend gepflanzt, um die Vielfalt zu erhöhen - meist ein- bis vierjährige Pflanzen in Gruppen von 30 bis 50 Bäumen. Seit vielen Jahrzehnten spiele dabei die Douglasie eine gewisse Rolle, sagt der Waldökologe. Sie übersteht auch längere Trockenzeiten. In der Eifel wird auf einer Versuchsfläche mit der Schwarzkiefer gearbeitet. Am Rande des Pfälzerwaldes bei Edenkoben und Annweiler, aber auch an der Mosel werde die Edelkastanie dazugepflanzt. Sie sei wärmeresistent, vertrage das milde Weinklima und komme zunehmend auch für andere Bereiche in Frage. Doch auch bei diesen Baumarten gebe es Probleme mit Insekten wie der Gallmücke oder mit Pilzen. Baumarten, die als nächstes erforscht werden sollen, seien die Flaumeiche, die Baumhasel und die Zeder. Das FAWF betreibt rund 500 Versuchsflächen im Land.

"Es gibt kaum eine Baumart, die keinen Gegenspieler hat."

Hans-Peter Ehrhart, Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz (FAWF)

Waldgipfel - mehr Geld für Forschung gefordert

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) stellte beim Waldgipfel in Berlin insgesamt 800 Millionen Euro für die Wiederaufforstung der Wälder in Aussicht.

Ehrhart hofft, dass der Gipfel auch die Forschung stärkt. Wichtig sei Personal, das langfristig Versuchsflächen betreuen und auswerten könne und dass die bundesweite Kooperation bei der Suche nach geeigneten Baumarten gestärkt werde. Das FAWF arbeite bereits mit Forschern aus Baden-Württemberg, Hessen, Bayern und Luxemburg zusammen.

Der Pfälzerwald gehört zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten Deutschlands (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Blick auf den Pfälzerwald: Mehr als 42 Prozent der Fläche von Rheinland-Pfalz sind von Wald bedeckt. Picture Alliance

"Bitte keine Experimente mit Baumarten, die wir gar nicht kennen", warnt dagegen Bestseller-Autor Peter Wohlleben, der lange das Forstrevier Hümmel im Landkreis Ahrweiler geleitet hat. Er hält zum Beispiel wenig von der Douglasie und wirbt eher für eine heimische Vielfalt mit zum Beispiel Hainbuche und Feldahorn.

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3,5 Millionen Euro für Waldbesitzer im Land

Angesichts der immensen Waldschäden wegen des Dürresommers 2018 hatte die rot-gelb-grüne Landesregierung im Mai Gemeinden, Kreisen und privaten Besitzern 3,5 Millionen Euro in diesem und im nächsten Jahr zusätzlich zugesagt. Kommunen und Privatbesitzer verpflichten sich im Gegenzug dazu, den Wald durch eine nachhaltige Forstwirtschaft anpassungsfähiger zu machen. Für den Ausgleich von wirtschaftlichen Schäden im Staatswald sind jährlich sieben Millionen Euro im Landeshaushalt vorgesehen.

Die oppositionelle CDU hatte ein Aufforstungsprogramm von "vier Millionen Bäumen für vier Millionen Rheinland-Pfälzer" gefordert. Der Vorstoß gehe an den eigentlichen Problemen des Waldes wie Dürre und Hitze vorbei, sagte Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) im August in einer Landtagsdebatte. "Es nutzt nichts, Bäume zu pflanzen, wenn sie in der Trockenheit eingehen."

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