Fußabdruck auf dem Mond (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / dpa)

Antennen aus Kusel und Karten aus Bad Dürkheim Welchen Anteil Rheinland-Pfalz an der Mondlandung hat

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Ohne ein paar Rheinland-Pfälzer wäre der "große Schritt für die Menschheit" wohl so nicht zustande gekommen. Denn dass die Apollo 11 als erste bemannte Rakete 1969 überhaupt auf dem Mond landen konnte, verdankt sie einigen technischen Entwicklungen aus der Pfalz.

In der Nacht auf den 21. Juli 1969 sind die Straßen im Land wie überall auf der Welt leergefegt. Wer einen Fernseher hat, sitzt fasziniert davor. Zum ersten Mal betritt ein Mensch den Mond - ein kleiner Schritt für Astronaut Neil Armstrong, aber zweifellos ein großer für die Menschheit.

50 Jahre später veranstaltet Gerhard Daum im Technik Museum in Speyer ein Weltraumsymposium. Der Raumfahrtexperte hat Europas größte Weltraumausstellung "Apollo and beyond" in Speyer konzipiert und aufgebaut. Die meisten der fast 500 Exponate sind in seinem Privatbesitz. Daum pflegt enge Kontakte in die weltweite Astronautenszene. Charlie Duke, einer von zwölf Menschen auf dem Mond, ist zum Jubiläum sein Ehrengast.

Vom Mond nach Pirmasens

Duke, der später mit Apollo 16 selbst auf dem Mond war, sitzt 1969 am Funk und dirigiert Neil Armstrong beim Landen der Mondfähre.

Was jedoch kaum einer weiß: Dukes Funksprüche wurden über einen Turm auf der Husterhöh-Kaserne in Pirmasens weitergeleitet. Der Grund dafür ist eigentlich ganz simpel: "Wenn sich die Erde dreht, dann haben wir vom Mond alle zehn, zwölf Stunden keine Verbindung zur USA", erklärt Raumfahrt-Experte Daum. "Denn die USA sind dann sozusagen auf der Rückseite der Erde."

Und so waren rund um die Erde verschiedene Relaisstationen und Funkstationen nötig, um das Signal zum Mond aufrecht zu erhalten. Die waren zum Beispiel in Australien, aber eben auch in Pirmasens und in Ramstein. Von diesen Stationen wurde das Funksignal immer nach Houston weitergeleitet.

Ingenieurskunst aus Kusel

Dass der Funk vom Mond überhaupt auf der Erde ankommt, daran hat ein Pfälzer großen Anteil: der Kuseler Elektroingenieur Hermann Ehrenspeck.

Hermann Ehrenspeck mit seiner "Backfire-Antenne" (Foto: SWR)
Hermann Ehrenspeck

Ehrenspecks Antenne hat bei der Apollo-11-Mission aber noch eine andere wichtige Funktion: So konnte damit die Distanz von Houston bis zur Raumkapsel bestimmt werden. Dafür sendete man ein Signal hoch zum Mond, das Signal kam zurück und über diesen Zeitraum erreichnete man, wo sich die Raumkapsel gerade befand.

Der Bad Dürkheimer Mondatlas

Die Amerikaner feiern nach der Mondlandung einen anderen deutschen Helden: Wernher von Braun. Der Ingenieur, der auch im nationalsozialistischen Deutschland Kriegsraketen entwickelt hatte, ist auch der Vater der amerikanischen Mondrakete. 1972 besucht der Raumfahrtpionier Bad Dürkheim.

In der Geburtsstadt des Pfälzer Astronoms Philipp Fauth würdigt er dessen Mondkarten. Es waren die ersten brauchbaren Karten des Trabanten überhaupt. Das Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim hat den kompletten Mondatlas heute in seiner Bibliothek. Und auch eine Straße erinnert dort an den Mondforscher, der später Lehrer in Kaiserslautern war. 

Rettungsteams in Ramstein

Während des zweieinhalb Stunden dauernden ersten Mondspaziergangs hält US-Präsident Richard Nixon den Funk-Kontakt. Und der läuft auch über die Airbase Ramstein. Der amerikanische Flughafen in der Pfalz ist fester Bestandteil der Apollo-11-Mission. Aus Ramstein soll die Rettung der Astronauten koordiniert werden, falls es zu einer Notsituation kommt und die Mondkapsel nicht wie geplant im Pazifik landet.

Charlie Duke (Foto: SWR)
Astronaut Charlie Duke

"Wir hatten Rettungsteams an mehreren Punkten, Spezialeinheiten, verteilt über die ganze Welt", erinnert sich Charlie Duke. "Ramstein war das Hauptquartier - dort, wo ich zwischen 1959 und 1962 als Kampfpilot stationiert war." Monatelang werden die Rettungsteams auf der Airbase geschult - glücklicherweise werden die Übungen nicht zur Realität.

Im Speyerer Technikmuseum kann man all die spektakulären Ereignisse aus dem Jahr 1969 noch heute hautnah erleben. Darunter eine Nachbildung der Apollo 11, das Mondauto "Lunar Roving Vehicle" oder einen mehrere Milliarden Jahre alten Mondstein. Es scheint kein Zufall zu sein, dass das Museum mit all seinen Schätzen ausgerechnet in der Pfalz liegt.

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