Der demenzkranke Günther sitzt bei der Eröffnung der ersten Demenz-WG hinter einem Rollator.  (Foto: picture-alliance / dpa)

Wohnformen für Pflegebedürftige Alt werden, aber wo - die Senioren-WG als Alternative

Viele wünschen sich, im Alter in den eigenen vier Wänden zu leben. Oft scheitert das an der Pflegebedürftigkeit der Betroffenen. Dank neuer Wohnformen soll sich das ändern.

Die gute Nachricht: Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz fördert die Schaffung dieser barrierefreien Wohnungen, Wohn-Pflege-Gemeinschaften und Mehrgenerationen-Wohnprojekte. Die schlechte: Die Umsetzung ist oft anspruchsvoll und erfordert veränderte oder ganz neue organisatorische Abläufe.

"Die Menschen wollen zuhause alt werden, im gewohnten Umfeld. Dafür werden neue Versorgungskonzepte benötigt, mit einer Mischung aus professionellen und bürgerschaftliche Unterstützungsangeboten", so Sozial- und Demografieministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD).

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Bauernhof-Besitzer gründet Wohngemeinschaft

In Marienrachdorf im Westerwald leben zwölf Menschen mit unterschiedlichem Pflegebedarf auf einem umgebauten Bauernhof. Sie nutzen gemeinsame Küchen und Wohnzimmer, haben ihr eigenes Zimmer und ein eigenes Bad. Zusätzlich zur Unterkunft zahlen sie in eine Haushaltskasse. Ob und in welchem Umfang der Pflegedienst kommt, entscheiden die Bewohner selbst.

Umgesetzt wurde die Idee nicht vom Land, sondern vom Eigentümer selbst. Er suchte eine Wohnperspektive für ältere Angehörige und baute sein altes Elternhaus um.

In Landau in der Pfalz leben etwa 60 Bewohner auf einem Generationenhof. Abgesehen von einem Gemeinschaftsraum mit Küche, einem Kinderspielraum und einer gemeinsamen Werkstatt, hat jeder seine eigene Wohnung.

Das Projekt wurde auf Basis der eingetragenen Genossenschaft LAWOGE (Landauer Wohn-Gemeinschaft) realisiert. Alle Bewohner des Generationenhofes sind durch Erwerb von Genossenschaftsanteilen sowohl Eigentümer als auch Nutzer der vorhandenen Gebäude, Wohnungen und Gemeinschaftsräume.

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Ein weiteres Beispiel ist die Dorfgemeinschaft und Senioren-WG in Külz im Hunsrück - ein innovatives Wohnangebot mit Gemeinschaftscharakter, das aus einem Dorferneuerungsprozess hervorgegangen ist. Dort können bis zu sieben ältere Menschen aus der Region wohnen, die nicht mehr alleine leben wollen.

Immer mehr pflegebedürftigte Menschen

Laut Statistischem Landesamt soll es bis 2035 39 Prozent mehr pflegebedürftige Menschen in Rheinland-Pfalz geben. Der Vorausberechnung zufolge wird die Zahl pflegebedürftiger Menschen ab 60 Jahren von mehr als 115.000 auf knapp 162.000 im Jahr 2035 steigen. Das zeigt, dass alternative Wohnformen geschaffen werden müssen.

Aber auch wenn das Land das Gemeinschaftswohnen fördert, ist die Nachfrage viel höher als das Angebot. Nicht jeder hat die Möglichkeit an einem geförderten Programm teilzunehmen.

Idee muss den Rahmenbedingungen des Landesgesetzes entsprechen

Deswegen soll unter anderem auch durch selbstorganisierte Wohngemeinschaften Abhilfe geschaffen werden. In der Regel schließen sich hier mehrere Bürgerinnen und Bürger zusammen, um gemeinsam zu wohnen und ihren Betreuungsbedarf gemeinsam zu organisieren, zum Beispiel als Auftraggebergemeinschaft, Interessengemeinschaft oder als Verein, oft gemeinsam mit Angehörigen.

Die Rahmenbedingungen für selbstorganisierte Wohngemeinschaften schafft das Landesgesetz über Wohnformen und Teilhabe Rheinland-Pfalz. Demnach unterliegen selbstorganisierte Wohnformen keiner Aufsicht sondern entsprechen privater Häuslichkeit. Um Förderungen zu bekommen, müssen allerdings Selbstbestimmtheit und Wahlfreiheit gewährleistet sein. Zudem ist festgelegt wie viele Bewohner ein Wohnprojekt haben darf.

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