Mittelrheintal Bacharach (Foto: SWR)

Alle Fragen, alle Antworten Was Sie zur Buga im Mittelrheintal wissen müssen

Das Mittelrheintal wird schon 2029 eine Bundesgartenschau ausrichten. Was passiert bis dahin zwischen Koblenz und Bingen/Rüdesheim? Wer trägt die Kosten? Und was bleibt danach? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Ist die Zeit für eine Bundesgartenschau 2029 nicht zu knapp?

Ganz im Gegenteil, sagt der Zweckverband. So sollten die konkreten Vorbereitungen für eine Buga 2031 sogar erst in zwei Jahren beginnen. Es wäre also eine Art "Zwangspause" gewesen. Der Vorsitzende des Zweckverbands sagte dazu im Mai, es sei sogar gut, früher beginnen zu können, um bereits jetzt den Schwung mitnehmen zu können. Gute Erfahrungen damit gemacht hatte übrigens die Bundesgartenschau 2011 in Koblenz. Die Stadt an Rhein und Mosel war damals für eine andere Stadt eingesprungen, die ihrerseits abgesprungen war. Im Nachhinein sagten viele Beteiligte, für die Buga in Koblenz sei der Zeitdruck gut gewesen. Das Projekt sei vorwärts gekommen, weil eben keine Zeit war für "überflüssige" Diskussionen.

Was ist zu tun?

Für eine solche Großveranstaltung mit Millionen Besuchern müssen viele Fragen geklärt und Infrastrukturprojekte umgesetzt werden. Es müssen zum Beispiel Straßen verlegt, das Rheinufer an manchen Stellen saniert und Gebäude und Grundstücke umfunktioniert werden. Das alles braucht Zeit. Ein Vorteil der langen Vorbereitung: Die Kommunen im Mittelrheintal können ihren Eigenanteil an den Kosten langsam ansparen.

Was wird das überhaupt alles kosten?

Der Gesamthaushalt der Buga im Mittelrheintal beträgt 108 Millionen Euro. 50 Millionen Euro sollen für Investitionen in dauerhafte Projekte ausgegeben werden, 58 Millionen Euro für Veranstaltungen während der Gartenschau.

Ein Blumenmehr vor dem Kurfürstlichen Schloss in Koblenz bei der Buga 2011. (Foto: picture-alliance / dpa)
Zur Buga 2011 in Koblenz kamen deutlich mehr Besucher als erwartet.

Und wer bezahlt das?

Die Hälfte der Kosten wird durch Fördermittel und Zuschüsse der beteiligten Länder finanziert. Rheinland-Pfalz gibt 48,6 Millionen Euro, Hessen 6,3 Millionen Euro. Knapp 39 Millionen Euro sollen durch Eigeneinnahmen der Buga finanziert werden, also zum Beispiel durch den Verkauf von Tickets und Merchandising-Artikeln und durch Spenden. Die Kommunen im Mittelrheintal müssen einen Eigenanteil von 14,4 Millionen Euro übernehmen. Wie viel die einzelnen Städte, Gemeinden und Landkreise bezahlen, berechnet sich nach einem Verteilerschlüssel, den der Zweckverband schon lange anwendet. Koblenz zum Beispiel muss 2,125 Millionen Euro aufbringen, die Stadt Lorch rund 246.000 Euro. Das Geld sollen die beteiligten Kommunen möglichst über 35 Jahre ansparen bzw. tilgen. Das heißt: Die Buga kostet Lorch gut 7.000 Euro pro Jahr.

Wie viele Besucher werden erwartet?

Der Zweckverband hat eine Machbarkeitsstudie anfertigen lassen - und die geht von insgesamt 1,8 Millionen Besuchern aus. Diese Schätzung ist aber eher vorsichtig. Zur Bundesgartenschau in Koblenz kamen 2011 rund 3,6 Millionen Menschen - erwartet worden waren nur zwei Millionen. Für das Mittelrheintal heißt das: An starken Tagen werden etwa 20.000 Menschen auf den 67 Kilometern zwischen Koblenz und Bingen beziehungsweise Rüdesheim unterwegs sein.

Eine Bundesgartenschau auf 67 Kilometern - kann das überhaupt funktionieren?

Die Macher sagen: Ja. Das sei zwar eine große Herausforderung, aber auch eine große Chance, um die Kommunen auf beiden Seiten des Flusses enger zusammenzuschweißen. Außerdem hofft der Zweckverband, dass Besucher gleich mehrere Tage bleiben, um die Buga im Rheintal zu erleben. Die Vision: Besucher könnten mit dem Zug nach Koblenz und von dort mit geliehenen E-Bikes weiter den Rhein hoch fahren, über Boppard und die Loreley nach Kaub. Nach einer Übernachtung könnte es dann mit dem Schiff weiter nach Bacharach, Bingen und Rüdesheim gehen. Die wichtigsten Voraussetzungen sind laut der Machbarkeitsstudie schon erfüllt: Eine gute Verkehrsanbindung durch die Straßen und Schienen parallel zum Rhein und die vorhandene touristische Infrastruktur. In beiden Bereichen soll es jetzt eine Qualitätsoffensive geben.

Wo genau findet die Buga statt?

Im ganzen Tal: Alle Städte und Gemeinden sollen Projekte verwirklichen. Außerdem werden lokale Events wie Kirschblüten- und Weinfeste einbezogen. So sollen auch die Orte von der Buga profitieren, in die sonst nicht so viele Touristen kommen. Es gibt aber drei räumliche Schwerpunkte: Im nördlichen Tal steht das rechtsrheinische Ufer zwischen Lahnstein und Braubach im Mittelpunkt, im mittleren Tal das Loreleyplateau, im südlichen Tal die Kulturlandschaft um Rüdesheim. In allen drei Bereichen soll es jeweils eine Bühne für große Events geben. Alleinstellungsmerkmal der Buga im Mittelrheintal sollen "Schwimmende Blumenhallen" sein, die entlang des Rheins an ausgewählten Punkten für mehrere Stunden, Tage oder auch Wochen festmachen. Zumindest zum Teil sollen diese auch nach 2029 als dauerhafte Attraktion etabliert werden.

Was bleibt nach der Bundesgartenschau?

Die Macher erhoffen sich von der Buga eine nachhaltige Entwicklung für die ganze Region - durch die Aufmerksamkeit, aber auch durch langfristige Investitionen. Rheinpromenaden, Bahnhöfe, Radwege und touristische Attraktionen - etwa die vielen Burgen im Mittelrheintal - sollen instand gesetzt werden, außerdem sind Investitionen in die digitale Infrastruktur geplant. Damit, so der Plan, wird das Rheintal dauerhaft lebenswerter für die Menschen, die dort wohnen - und zieht vielleicht auch junge Familien an. Für die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ist die Buga "der Schlüssel zu einem neuen Rheinromantik-Boom". Sie glaubt: "Die Buga wird die Attraktivität so weit erhöhen, dass wir mit Boom-Regionen wie im Alpenvorland oder an der Ostsee locker mithalten können."

STAND