Michael Frisch AfD (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Andreas Arnold/dpa)

Parteitag in Bingen gestartet Frisch will neuer AfD-Landeschef werden

Auf ihrem Parteitag will die AfD Rheinland-Pfalz heute einen neuen Landesvorstand wählen. Erst gestern Abend wurden die Karten neu gemischt. Der bisherige Kandidat Joachim Paul tritt nicht mehr an.

Stattdessen lässt Fraktionsvize Paul dem Landtagsabgeordneten Michael Frisch den Vortritt. Der Rückzug sei in enger Absprache mit Frisch gefallen, sagte Paul am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Er verzichte explizit zugunsten Frischs. Der 62-Jährige hat einen Gegenkandidatin: Gabriele Bublies-Leifert.

Der 49-jährige Paul nannte keine Details für seinen Entschluss und sagte: "Da stehen mehrere Überlegungen im Raum." Er werde zwar nicht als Landesvorsitzender, aber für den Landesvorstand kandidieren.

Gabriele Bublies-Leifert (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance/Andreas Arnold)
Gabriele Bublies-Leifert tritt gegen Michael Frisch an. Picture Alliance/Andreas Arnold

Frisch konservativ, aber nicht radikal

Der familienpolitische Sprecher der AfD-Fraktion und ehemalige Religionslehrer Frisch bezeichnete sich selbst als "sehr konservativ" und "Parlamentarier mit Herzblut". Sein Ziel als Landesvorsitzender sei es, deutlich zu machen, "dass wir eine bürgerlich-konservative Alternative sind".

Seinen Parteikollegen Joachim Paul verteidigte er. Er sei absolut überzeugt davon, dass Paul ein überzeugter Demokrat sei, sagte Frisch am Samstag vor dem Auftakt des Landesparteitages der AfD in Bingen. "Ich breche den Stab nicht über ihn." Paul habe seine Kandidatur zurückgezogen, um so Schaden von der AfD abzuwenden. Diese Entscheidung verdiene höchsten Respekt.

Vizechef Paul war zuvor einziger Kandidat. Nach dem Verdacht, er habe 2011 für eine NPD-nahe Zeitschrift geschrieben, war seine Glaubwürdigkeit auch in der Partei erschüttert. SWR-Recherchen hatten diesen Verdacht vergangene Woche erhärtet und Paul entkräftete die Vorwürfe bisher nicht.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Bundesvorsitzender Meuthen in Bingen

300 AfD-Mitglieder sind zum Start des Landesparteitages nach Bingen gekommen. AfD-Landeschef Uwe Junge beklagte bei seiner Eröffnungsrede einen "moralischen Totalitarismus". Man versuche, der Partei die Taten von Halle und Kassel in die Schuhe zu schieben. Dabei sei die Partei konsequent "gegen jede Art von extremistischer Gewalt", so Junge. Er kandidiert Ende November für den Bundesvorstand seiner Partei.

AfD-Parteitag in Bingen (Foto: SWR)
Auf dem Parteitag der AfD in Bingen begründete Uwe Junge seinen Weggang in den Bundesvorstand der Partei.

Auf dem Parteitag sprach auch der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen. Er übte harsche Kritik an der Bundesregierung von Kanzlerin Angela Merkel und den Grünen. Deutschland sei in einem "lausigen Zustand", es mangele unter anderem an echter Freiheitlichkeit. Die CDU und ihre "eiernde Lady" seien für den Machterhalt zu jeder "politischen Perversion" bereit.

Proteste der Partei die Linke vor dem AfD-Parteitag in Bingen (Foto: SWR)
Proteste der Partei die Linke vor dem AfD-Parteitag in Bingen

Gegen das Treffen der AfD wurden im Vorfeld mehrere Proteste angekündigt. An einer Demonstration der Linken haben laut Polizei 100 Menschen teilgenommen. In der Innenstadt sind zudem Infostände von SPD, Grünen sowie des Binger Jugendzentrums aufgebaut. Außerdem will das Bündnis "Buntes Bingen" demonstrieren.

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