10.11.1989, Berlin: Mit Wunderkerzen in den Händen freuen sich die Menschen auf der Berliner Mauer über die Öffnung der deutsch-deutschen Grenzen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/DB/dpa)

Rheinland-pfälzische Politiker zur Wende 30 Jahre Mauerfall - Dreyer mit Gänsehaut, Baldauf überwältigt in Gera

Malu Dreyer (SPD) hat wie viele andere Menschen im Westen Deutschlands den Mauerfall am Fernseher miterlebt. Unvergessen sind sowohl bei ihr als auch bei CDU-Fraktionschef Christian Baldauf erste Reisen in die frühere DDR.

"Am Anfang konnte ich es gar nicht glauben als es hieß, die Mauer ist gefallen", sagt Malu Dreyer. "Ich habe diese Bilder auch noch sehr, sehr gut in Erinnerung." Die Bilder von den Menschen, die sich mit Wildfremden in den Armen liegen, mit Sekt anstoßen, es kaum glauben können, dass sie einfach so auf die anderen Seite gehen dürfen - diese Bilder flackern auch bei Malu Dreyer über die Mattscheibe. "Es ist heute noch ein Gänsehautmoment, wenn ich die Bilder sehe von damals", sagt Dreyer.

10.11.1989: Mutter und Sohn passieren den Übergang Invalidenstraße in Berlin zu zweit auf dem Fahrrad. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Einfach mal schnell 'rüberradeln. Was lange Zeit unvorstellbar ist, geht jetzt. Ein Mann fährt mit seiner Mutter am 10. November 1989 über den Grenzübergang Invalidenstraße. Picture Alliance

Dreyer reist im November 1989 nach Berlin

Die damals 28-Jährige beschließt, mit Freunden spontan nach Berlin zu fahren. "Weil ich einfach da sein und es auch ein ganzes Stück miterleben wollte." Die Leute, die sie dort trifft, seien emotional aufgewühlt gewesen. "Es ist so eine wunderbare Geschichte, dass Deutschland wieder zusammengewachsen ist und die Menschen es geschafft haben durch die friedliche Revolution", sagt sie.

CDU-Fraktionschef Christian Baldauf erinnert sich noch an die wilde Wendezeit bis zur ersten freien Wahl in der DDR. Als 22-Jähriger macht er im Frühjahr 1990 als Mitglied der Jungen Union Wahlkampf in Gera. "Dort sind die auf uns zu gestürmt. Wir hatten nach zehn Minuten kein Material mehr." Die ganze Nacht sei er damit beschäftigt gewesen, Wahlkampfplakate aufzuhängen. Anhänger der PDS hätten die CDU-Plakate abgerissen. "Also das war ein ganz anderer Wahlkampf - im tatsächlichen Sinne ein Kampf."

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"Dort sind die auf uns zu gestürmt."

Christian Baldauf beschreibt, wie er als Wahlkämpfer 1990 empfangen wird

Baldauf 1990 als Wahlhelfer in Gera

Die Gastfreundschaft beschreibt Baldauf als überwältigend. Die Gastfamilie, bei der untergebracht war, habe damals alles für die jungen Wahlkämpfer geräumt, selbst das Ehebett sei den Gästen überlassen worden. "Weil sie sich so gefreut haben, dass wir da waren." Baldauf erlebt auch am 18. März 1990 die erste freie Volkskammerwahl in der DDR mit. Die Menschen seien wie zum Feiertag gekleidet zur Wahl gegangen.

Westberliner versuchen mit Hämmern die Berliner Mauer einzureißen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Heute sind Überreste der Berliner Mauer in der ganzen Welt verteilt - sie erinnern an die deutsch-deutsche Teilung und die friedliche Revolution. In den ersten Tagen wollten viele die Berliner Mauer einreißen, wie hier eine Gruppe von West-Berlinern am 10. November 1989. Picture Alliance

Wenn Dreyer heute zum Beispiel in ihrer Funktion als kommissarische SPD-Vorsitzende bei Besuchen in der früheren DDR unterwegs ist, stelle sie fest, dass Kraft, Mut und Freude der Wendezeit gewichen sind. Heute herrschten eher Enttäuschung und Zukunftsängste. "Die Einheit ist nach wie vor eine große politische Aufgabe - gemeinsam für Ost und West", sagt Dreyer. Es solle mehr über das Gemeinsame als über Trennende geredet werden. "Wir dürfen niemals vergessen, mit welcher Motivation und mit welchem Drang, mit welcher Kraft die Menschen es herbeigeführt haben, dass wir ein vereintes Land sind."

"Die Einheit ist nach wie vor eine große politische Aufgabe - gemeinsam für Ost und West."

Malu Dreyer (SPD)

Baldauf kommt zu der Einschätzung, dass es nicht mehr viel Trennendes zwischen West und Ost gebe. Zwar komme es zu anderen Wahlergebnissen, aber Unterschiede gebe es auch zwischen Nord und Süd. "Von daher sollte man damit jetzt einfach mal Schluss machen und sagen, nein, wir gehören zusammen, wir sind beieinander."

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