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Ob Spanisch, Yoga oder Kochkurs: Unzählige Angebote haben die Volkshochschulen in Rheinland-Pfalz in ihrem Programm. Jetzt feiern sie ihren 100. Geburtstag. Damals wie heute spiegeln die Kurse den Zeitgeist wider.

Im Schatten des Ersten Weltkrieges, 1919, war vor allem eines gefragt: Demokratiebildung, dazu Grundbildung wie Lesen, Schreiben und Rechnen für Erwachsene. "Das war eine Form der Emanzipation, für Arbeiter, aber auch für Frauen", sagt Steffi Rohling vom Verband der Volkshochschulen Rheinland-Pfalz. "Bildung für alle, gesellschaftlichen Anschluss schaffen durch Bildung. So ist das auch heute noch. An den Zielen hat sich wenig verändert."

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Gleiche Ziele, mehr Programm

Auch das Angebot sei im Kern gleich geblieben, sagt die Verbandsdirektorin. Bis heute gehe es immer um das Lernen. "Aber das Programm ist viel vielfältiger geworden." Das Hauptgeschäft seien heute die Sprachkurse, dazu Gesundheitsangebote wie Meditation oder Gymnastik, außerdem die berufliche Bildung wie zum Beispiel IT-Kurse.

Das Logo der VHS an einer Tür (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Rund 400.000 Menschen in Rheinland-Pfalz besuchen pro Jahr die VHS Picture Alliance

"Selber machen" ist im Trend

Stark nachfragt seien im Moment Nachhaltigkeit und Do-It-Yourself-Kurse, sagt Steffi Rohling. Dazu gehören zum Beispiel die klassischen Nähkurse. "Selber machen und Dinge verarbeiten ist ein Trend, der immer wieder kommt", sagt Rohling.

Mehrere Frauen liegen auf Matten auf dem Boden (Foto: SWR)
1966 wie heute im Programm der Mainzer VHS: Entspannungskurse

An anderen Angeboten lasse sich wiederum durch die Jahrzehnte der Zeitgeist erkennen. So habe es zum Beispiel in den 80ern und 90ern eine regelrechte Welle von Computerkursen gegeben. 2005 habe es mit dem neuen Zuwanderungsgesetz schnell zahlreiche Integrationskurse gegeben. Vor rund zehn Jahren sei plötzlich die Nachfrage nach Japanisch-Sprachkursen gestiegen. Der Grund: Die immer beliebteren Mangas. "Und jetzt ist es die digitale Grundbildung", sagt Rohling. Dazu gehöre zum Beispiel, wie man sich sicher im Internet bewege und Fake News erkenne.

"Bildungshunger" nach dem Krieg

1919 wurden die Volkshochschulen (VHS) in Mainz, Koblenz und Frankenthal gegründet. Die VHS in Ludwigshafen und Kaiserslautern gab es schon früher - weil es jedoch im Jahr nach Kriegsende in Deutschland die meisten Gründungen gab, wird das Jubiläum bundesweit in diesem Jahr gefeiert.

Eine weitere Gründungswelle gab es nach dem Zweiten Weltkrieg. "Es gab einen regelrechten Bildungshunger", sagt Rohling. Heute gibt es in Rheinland-Pfalz insgesamt 67 staatlich anerkannte Volkshochschulen mit rund 200 Außenstellen. Rund 400.000 Teilnehmer gibt es pro Jahr, sie nehmen an rund 30.000 Veranstaltungen teil (2017). Die größte VHS des Landes steht in Mainz. Im Rathaus der Landeshauptstadt wird am Mittwoch auch das Jubiläum gefeiert.

Lernen mit Webinaren und Cloud

Heute ist die Digitalisierung für Rohling die größte Herausforderung für die Zukunft der Volkshochschulen. Jüngere Menschen seien mobiler und würden anders arbeiten als früher. Darauf müsse man mit erweiterten Lernwelten reagieren - zum Beispiel mit Webinaren oder cloudbasierten Angeboten. "Die Ansprüche an die Infrastruktur sind gestiegen."

Die klassischen Kurse sollen damit aber nicht ersetzt, sondern ergänzt werden. "Hier lernen und kommunizieren unterschiedliche Kulturen und Generationen zusammen. Die VHS wird immer ein sozialer Begegnungsraum bleiben."

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