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Mit dem Anstieg der Wassertemperatur in Flüssen kann im Sommer ihr ökologisches Gleichgewicht gestört werden. Nicht alle Tiere im Wasser haben eine Chance, sich dem zu entziehen.

Der Rhein bei Mainz erreicht derzeit eine Wassertemperatur von 25,3 Grad Celsius, die Mosel bei Palzem 24,5 Grad Celsius. Experten befürchten, dass bis Sonntag die Rheinwassertemperatur in Mainz 27 Grad Celsius und damit die zweite Warnstufe erreichen könnte.

In Baden-Württemberg hat der Rhein bei Rheinfelden und Iffezheim noch unter 22 Grad Celsius. Der Neckar ist am wärmstens bei Mannheim mit momentan um 24 Grad Celsius Wassertemperatur.

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Ab wann es mit den Wassertemperaturen im Rhein kritisch wird

Die Temperatur im Rhein hängt selbstverständlich von der Jahreszeit ab. Im August sind 25 Grad Celsius Wassertemperatur - das ist die erste Warnschwelle - nicht unnormal. Wirklich kritisch wird es erst, wenn es deutlich drüber geht. Oder, wenn die Hitze lange dauert. 2003 zum Beispiel gab es 41 Tage am Stück mit über 25 Grad Celsius Wassertemperatur.

Im Bereich Mainz/Worms ist der Rhein am wärmsten. Das liegt einmal daran, dass die Lufttemperaturen am Oberrhein am höchsten sind und zum anderen, dass es da eine enorme Wärmeeinleitung durch Kraftwerke und Industriebetriebe gibt. Der Rhein wird insgesamt immer wärmer: 1,5 Grad Celsius plus etwa in den vergangenen 40 Jahren - und für das kommende Jahrhundert rechnet man mit 3,5 Grad Celsius plus. Und das, obwohl die sozusagen größten Tauchsieder, die den Rhein mit ihrer Abwärme aufheizen, abgeschaltet worden sind. Das waren die Atomkraftwerke in Fessenheim, Biblis und Philippsburg.

Der warme Rhein und die Auswirkungen für Fische und Muscheln

Fische sind wechselwarme Tiere, ihre Körpertemperatur passt sich der Umgebung an. Bei hohen Temperaturen funktioniert ihr Stoffwechsel dann nicht mehr. Den Tieren macht vor allen Dingen die Sauerstoffarmut des warmen Flusswassers zu schaffen. Deswegen hat es 2003 in der Hitzewelle tonnenweise tote Fische gegeben.

Die Muscheln leiden dagegen vor allem unter dem Plankton-armem Wasser. Das heißt, sie verhungern. Langfristig passt sich die Natur aber an, da verschieben sich die Bestände. Forellen zum Beispiel und andere lachsartige Fische brauchen kaltes Wasser, sie werden Richtung Oberlauf des Rheines zurückgedrängt. Karpfen und ähnliche Fische rücken stattdessen nach. Denn sie vertragen auch rund 30 Grad Celsius Wassertemperatur.

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