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Recycling: Mangelhaft Wohin mit unserem Elektroschrott?

Beim Durchforsten von Schränken und Abstellräumen ist klar: So viel Elektro war nie! Eine elektrische Zahnbürste - zwei, drei Computer samt Bildschirmen - ein alter Kühlschrank, da sammelt sich einiges an. Auf den Wertstoffhof? Das machen zu wenige. Der neue Plan: Rückgabe beim Händler.

verschiedene Elektrokleingeräte

Unser Wohlstandsmüll - ein globales Problem

Bislang sollten, müssen die Konsumenten ihren Elektroschrott eigentlich auf den Wertstoffhof bringen - das funktioniert aber nur schlecht. Nicht einmal die Hälfte des Elektroschrotts kommt beim Recycling an. Das Bundesumweltministerium plant deshalb jetzt: Verbraucher sollen ihren Elektroschrott einfach wieder beim Händler abgeben dürfen - ob mit oder ohne Neukauf.

Gespräch mit Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung

Warum kommt diese Änderung gerade jetzt?

Das Ministerium drückt auf die Tube, weil die Europäische Union neue und schärfere Vorgaben hat bei der Rückgabe von Elektroschrott. Bislang gibt es ziemlich lasche Quoten: Nur etwa 40 Prozent dessen, was verkauft wird - vom Rasierapparat bis zum Tiefkühler - kommt zurück und wird auch recycelt, das heißt auseinander genommen und halbwegs sinnvoll verwendet. Damit kam Deutschland bislang locker klar. Jetzt schraubt aber die EU die Quoten hoch, deshalb braucht es neue Initiativen.

Warum klappt das mit dem Zurücknehmen und Recyclen bisher nicht?

Elektroschrott auf Wertstoffhof

Zu wenig Elektroschrott landet auf Wertstoffhöfen

Das liegt zum Teil daran, dass die Verantwortung geteilt ist: der Staat, die Gemeinden, sammeln ein, der Hersteller muss die Verwertung sicher stellen, und wir Verbraucher müssen den Schrott ja erst einmal zum Wertstoffhof bringen. An allen drei Stellen ist das Interesse minimal. Wir Verbraucher sind oft zu bequem, werfen kleine Geräte einfach in den Restmüll. Größere Geräte kommen zum Sperrmüll raus - wohlwissend, dass das meistens private Schrotthändler abgreifen, bevor der Staat zugreifen kann. Der Staat erfüllt ja trotzdem seine Quote, hat also auch kein Interesse. Die Hersteller sind schon überhaupt nicht scharf darauf, diese Geräte zurück zu nehmen - denn ordnungsgemäßes Zerlegen und Entsorgen kostet, sofern man es legal in Europa macht, eine Menge Geld.

2010 wurden in Deutschland knapp 780.000 Tonnen Elektroaltgeräte gesammelt. Der größte Teil davon stammte aus privaten Haushalten (circa 723.000 Tonnen). Das entspricht 8,8 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Die restlichen circa 54.500 Tonnen kamen aus dem gewerblichen Bereich. (Umweltbundesamt)

Illegale Exporte von Elektroschrott

Deshalb ist die Realität, dass etwa 20 Prozent des Elektroschrotts illegal exportiert wird - er geht nach Afrika, nach Asien. Dort werden die Geräte unter dubiosen Umständen auseinander genommen, die wenigen verwertbaren, wertvollen Teile rausgenommen. Da nimmt keiner Rücksicht auf die Umwelt - da läuft der Dreck einfach in den Boden. Da nimmt niemand Rücksicht auf das, was noch übrig bleibt an wertlosem Material - das fliegt einfach in die Landschaft. Da nimmt keiner Rücksicht auf die Menschen, die durch giftige Öle aus Kondensatoren oder Pumpen immer wieder krank werden. Deutschland hat sich im so genannten Basler Abkommen verpflichtet, alles gegen solche Müllexporte zu tun. Das ist schwierig, denn oft wird der Schrott als "gebrauchte Ware zur Weiterverwendung" deklariert. Das wiederum ist lukrativ, denn legale Entsorgung kostet.

In Ghana werden Kupferkabel einfach in offenen Feuern vom Plastikmantel befreit. Selbst Teile, die nur wenige Cent bringen, werden - oft von Kindern - heraus gefummelt. Giftige Öle oder Kühlmittel aus Gefrierschränken laufen einfach in die Erde. 15 Menschen starben und mehr als 30.000 erkrankten 2006 bei Abidjan an der Elfenbeinküste, weil ein Frachter dort 500 Tonnen Giftmüll entsorgt hatte.

Fördern Rücknahmestellen im Handel eine umweltgerechte Entsorgung?

Ob sich daran wirklich etwas ändert, wenn man einfach nur ein paar mehr Rücknahmestellen im Handel anbietet, das ist eine ganz andere Frage. Vieles spricht dafür, dass das nicht ausreicht. Experten sprechen sich deshalb auch für Pfandsysteme aus: Nur wenn ich etwas dafür kriege, wenn ich meinen Rasierapparat zurückbringe, ist es auch einigermaßen wahrscheinlich, dass ich ihn zurück bringe.