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Zwölf Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft - darunter ein Mann aus dem Raum Esslingen. Ihre Terrorpläne schmiedeten sie offenbar auf einem Grillplatz in Baden-Württemberg.

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Nach Informationen der ARD-Terrorismusexperten Michael Götschenberg und Holger Schmidt haben sich im September 2019 einige Männer aus Deutschland in Alfdorf im Rems-Murr-Kreis, 50 Kilometer östlich von Stuttgart, getroffen. Der Grund ihres Treffens am Grillplatz "Hummelgautsche" war offenbar, über den Kampf gegen die Demokratie zu sprechen.

Die meisten kannten sich nicht persönlich, sondern hatten sich per E-Mail oder in Chat-Gruppen ausgetauscht. Beobachtet wurden sie aber von einem mobilen Einsatzkommando der Polizei Baden-Württemberg, das aus ihrer Sicht das Gründungstreffen einer rechten Terrorgruppe verfolgte.

Holger Schmidt vom SWR erläutert im Video, wie weit die Pläne der Gruppe schon fortgeschritten waren.

ARD-Terrorismusexperte Schmidt: Treffen sehr konspirativ

Der ARD-Terrorismusexperte Schmidt beschreibt die Treffen im SWR als sehr konspirativ. "Das heißt, man hat zum Beispiel darüber gesprochen: Wenn wir uns treffen, dann lassen wir die Handys alle im Auto. Wenn wir in einer Gaststätte miteinander essen gehen, dann schauen wir, dass wir dort nicht darüber reden, sondern erst hinterher in Privaträumen. Das hat ihnen aber nicht viel genützt - die Polizei war die ganze Zeit mit dabei. Man hatte rechtzeitig von dieser Gruppe erfahren. Die Treffen sind observiert worden und viele der Betroffenen sind auch abgehört worden."

Verfassungsschutz: 24.000 Rechtsextreme, davon 60 Gefährder

Das Bundesamt für Verfassungsschutz schätze die rechtsextreme Szene in Deutschland auf rund 24.000 Menschen, sagt Schmidt. Davon sollen knapp 13.000 Menschen gewaltbereit ein. "Die Zahl der rechtsextremen Gefährder, also die, denen man tatsächlich einen Anschlag zutraut, das sind im Augenblick vielleicht so 60 Personen und eine dieser 60 Personen, gehört jetzt tatsächlich zu den Beschuldigten in diesem aktuellen Terrorverfahren", sagte Schmidt weiter.

Rechtsextremer Gefährder Werner S. als Anführer

Laut einem Bericht der "Welt am Sonntag" sollen die Mitglieder der mutmaßliche rechte Terrorzelle Beziehungen zu der rechtsextremistischen Bürgerwehr "Soldiers of Odin" aus Finnland gehabt haben. Der 53-jährige Werner S. aus dem Raum Augsburg gilt als der Anführer der Gruppe. Er ist nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" von den Behörden als rechtsextremer Gefährder geführt worden - und das bereits vor einigen Monaten.

Er soll gemeinsam mit dem 39-jährigen Tony E. aus Niedersachsen, dem 35-jährigen Thomas N. aus dem Kreis Minden-Lübbecke in Nordrhein-Westfalen und dem 47-jährigen Michael B. aus dem Raum Esslingen in Baden-Württemberg den "harten Kern" bilden. Zudem gibt es nach Angaben der Ermittler noch einen fünften Mann, der aber bislang noch nicht festgenommen wurde.

"Bürgerkriegsähnliche Zustände"

Insgesamt wurden zwölf Verdächtige im Alter zwischen 30 und 60 Jahren bei Razzien am Freitag in sechs Bundesländern, darunter auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, festgenommen. Acht der Männer halten die Ermittler für Unterstützer, die bereit gewesen seien, Geld zu geben oder Waffen zu beschaffen.

Ziel der Gruppierung soll es laut der Bundesanwaltschaft gewesen sein, "die Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik zu erschüttern und letztlich zu überwinden". Dazu sollten durch Anschläge auf Politiker, Asylsuchende und Muslime "bürgerkriegsähnliche Zustände herbeigeführt werden".

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