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Die Entscheidung der Bundesregierung, Impfungen mit dem Astrazeneca-Mittel vorerst auszusetzen, stößt auf Kritik. Ärzte und Politiker halten das Gesundheitsrisiko für sehr gering und befürchten einen Vertrauensverlust in den Impfstoff.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sagte, es spreche vieles dafür, dass die Thrombosefälle in keinem kausalen Zusammenhang mit der Impfung ständen. Montgommery fürchtet einen Imageschaden für das Vakzin.

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält den Stopp für einen Fehler. Im ARD-Morgenmagazin sagte er, die Bundesregierung hätte eine Alternative zur Aussetzung des Impfstoffs gehabt. Lauterbach geht davon aus, dass der Impfstoff nach der Prüfung nicht vom Markt genommen werde:

Barley: Thrombosen sind auch Nebenwirkungen der Antibabypille

Irritiert äußerte sich auch die SPD-Europapolitikerin Katarina Barley. "Die neueste Generation der Antibabypille hat als Nebenwirkung Thrombosen bei acht bis zwölf von 10.000 Frauen. Hat das bisher irgendwen gestört?", fragte sie auf Twitter. Grünen-Europapolitiker Erik Marquardt kritisierte auf Twitter, dass die Impfungen nur gestoppt würden, "weil niemand mehr Verantwortung für Entscheidungen übernehmen" wolle. "Mit dieser bürokratischen Lethargie würde man bei Seenot auch nicht vom sinkenden Schiff springen, weil man dabei nass werden könnte", kritisierte er weiter.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte gestern von sieben berichteten Fällen von Thrombosen in Hirnvenen bei einer Gesamtzahl von mehr als 1,6 Millionen Impfungen mit Astrazeneca in Deutschland gesprochen und daraufhin die Impfungen gestoppt.

Theurer: Warum wurde der Stopp nach den Landtagswahlen verkündet?

"Herr Spahn muss seine erratische Kehrtwende erklären", verlangte FDP-Fraktionsvize Michael Theurer in Berlin. Dazu gehöre auch die Frage, warum die Entscheidung unmittelbar nach den Landtagswahlen bekanntgegeben wurde und ob dafür neue Daten vorlägen, erklärte Theurer weiter. Der FDP-Politiker wies darauf hin, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA die bislang bekannt gewordenen Fälle von Thrombosen als "statistisch völlig unauffällig" einstufe, und empfehle, den Impfstoff von Astrazeneca weiter zu nutzen.

Maag: Weiterimpfen führe zum Vertrauensverlust

Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Karin Maag, hält es dagegen für richtig, dass die Impfungen mit dem Vakzin des Herstellers Astrazeneca ausgesetzt wurden. "Stellen Sie sich vor, es passiert irgendetwas und wir hätten […] nicht gestoppt, dann wäre das Vertrauen der Bevölkerung ins Impfen schlechthin dahin", sagte Maag in SWR Aktuell. Die Folgen für den Impfplan hält Maag für überschaubar:

Entscheidung über Impfung bei Hausärzten soll verschoben werden

Trotzdem könnte es Verzögerungen geben. Der für morgen geplante Impfgipfel mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten und -präsidentinnen wird verschoben. Man wolle die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde abwarten, teilte ein Regierungssprecher mit. Deren Sicherheitsausschuss berät heute mit der WHO und will am Donnerstag bekannt geben, ob der Impfstoff von Astrazeneca als unbedenklich eingestuft wird. Von dieser Entscheidung hängt ab, ob und wann die Hausärzte in Deutschland gegen Corona impfen dürfen.

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