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Die Reaktionen auf die Bund-Länder-Beschlüsse könnten unterschiedlicher kaum ausfallen. Besonders betroffen zeigen sich die Kirchen. Sie sind noch unschlüssig, wie sie mit den Oster-Beschlüssen umgehen wollen.

Kirchen zeigen sich überrascht und wenig begeistert

Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche reagierten befremdet auf die Beschlüsse. Man sei sehr überrascht, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm: "Wir werden uns in den von der Bundeskanzlerin angekündigten Gesprächen zunächst genau erläutern lassen, warum die bewährten Hygieneschutz-Maßnahmen, die alle Landeskirchen für ihre Gottesdienste haben, nun nicht mehr ausreichen sollen. Anschließend werden wir in unseren Gremien beraten, wie wir mit der Bitte umgehen", so Bedford-Strohm.

Auch der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, erklärte, man sei von den Oster-Beschlüssen "überrascht worden", wolle aber nicht auf Präsenzgottesdienste an Ostern verzichten.

Lob von Intensivmedizinern

Zustimmung kommt von den Ärzten auf den Intensivstationen. Ihr Verband, die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), hält die Beschlüsse für genau richtig: "Die Zahl unserer Patienten steigt seit einigen Tagen wieder und wird auch die kommenden zwei bis drei Wochen weiter steigen", so Divi-Präsident Gernot Marx in der Rheinischen Post. "Wir dürfen die deutlich höhere Ansteckungsgefahr der britischen Mutation nicht unterschätzen."

Unterschiedliche Signale aus Städten und Kommunen

Beim Deutschen Städte- und Gemeindebund stoßen die Bund-Länder-Beschlüsse auf Beifall. "Der beschlossene verschärfte Lockdown an Ostern kann die Welle brechen und ist ein wichtiges Signal an die Bevölkerung, wie ernst die Lage ist", sagt Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der "Rheinischen Post". "Für flächendeckende Öffnungen gibt es leider keinen Spielraum." Landsberg räumt zugleich ein, es sei bei der Bevölkerung "eine gewisse Erschöpfung" zu spüren, immer wieder Einschränkungen hinzunehmen und die eigenen Kontakte zu reduzieren.

Ganz anders reagiert der Präsident des Deutschen Landkreistages, Reinhard Sager. Für ihn sind die jüngsten Beschlüsse kaum nachvollziehbar. Bei der Abwägung zwischen den Folgen der Pandemie für Leib und Leben und den Wirkungen der Grundrechtseinschränkungen habe die Politik "noch keinen guten Ausgleich gefunden", sagt Sager den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Es wird durch staatliche Maßnahmen nicht möglich sein, jeden Corona-Toten zu verhindern. Am Beispiel der Verkehrssicherheit würde das bedeuten, Tempo 30 auch auf Autobahnen einzuführen", führt Sager aus. Die Menschen könnten manche Entscheidungen – etwa für den Einzelhandel – nicht nachvollziehen. "Das frustriert die Leute und die Unternehmer."

Auch der Tourmismusverband ist enttäuscht. Dort hatte man sich mehr erhofft.

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Handelsverband hält Schließungspläne an Ostern für kontraproduktiv

Unverständnis und scharfe Kritik an den Beschlüssen kommt vom Handelsverband Deutschland. "Bund und Länder agieren nur noch im Tunnelmodus“, sagte der Chef der Branchenvertretung Stefan Genth. Experten hielten die Ansteckungsgefahr beim Einkaufen für niedrig. Das werde von der Politik nicht ausreichend gewürdigt, so Genth. Auch die Schließungspläne für den gesamten Einzelhandel am Gründonnerstag kommen beim Handelsverband nicht gut an. Sollten die Supermärkte am Donnerstag geschlossen sein, kämen mehr Kunden am Mittwoch und Samstag in die Läden. Der Beschluss sei daher kontraproduktiv.

Weitere Öffnungsschritte statt Lockdownverlängerung fordert der Autohandel. Viele mittelständische Autoverkäufer stünden wegen des verlängerten Lockdowns vor der Pleite, so der Präsident des Zentralverbandes Deutscher Kraftfahrzeuggewerbe, Jürgen Karpinski. Wenn Kontakte digital nachverfolgt und flächendeckend Schnelltests angeboten werden, könnten vorsichtige Öfffnungsschritte sogar zur Bekämpfung der Pandemie beitragen.

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